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Das jüdische Echo · 1916-09-01 · 35 (1.9.1916) · p. Seite 319

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
35 (1.9.1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 319 (sequence 7)
Language
German
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Das Jüdische Echo 319 Nr. 35 seiner Hausfrau, denn welcher Ehemann würde es seiner Amsel verständlich am Sabbat Vorabend Vorsingen wollen? Er sang aber: „Wem ein tugendsam Weib beschert ist, die ist viel edler wie die köstlichen Perlen. Ihres Mannes Herz darf sich auf sie verlassen und Nahrung wird ihm nicht mangeln. Sie tut ihm Liebes und keines Leides ihr Leben lang. Sie ist wie ein Kaufmannsschiff, das seine Nahrung von ferne bringt. Sie denkt an einen Anker und kauft ihn und pflanzet einen Weinberg von den Früchten ihrer Hände. Sie gürtet ihre Lenden fest und stärket ihre Arme. Sie tuet ihren Mund auf mit Weisheit und auf ihrer Zunge ist holdselige Lehre. Ihre Söhne kommen auf und preisen sie selig; ihr Mann lobt sie.“ Herr Lewin sang das ganze Lied zu Ende. Die rundliche Frau aber wußte wohl, was er sang, und saß da wie zu ihrer Ehrenstunde. Ja, Herr Lewin mußte das tun, wenn er ein frommer Jude war. Die Kinder wußten es auch, daß er jetzt gerade daran war, das Loblied zu singen, und sie lächelten der Mutter zu und tuschelten mit Isebies: „Jetzt lobt er die Mutter,“ und. sie lächelten verschämt und glücklich. Ach, schön war es bei ihnen, und Isebies schaute nur so. Welches Volk auf Erden hat solch ein Loblied auf das Weib und läßt es den Ehemann singen? „Das haste nicht gemeint,“ sagte der Junge leise und stolz. „Und so ist’s alle acht Tag.“ „Schau,“ sagte jetzt Frau Lewin zu Isebies, „da haste gesehen einen jüdischen Tisch gedeckt, und da haste gehört einen jüdischen Mann singen. Hat der’s gefallen?“ Isebies nickte. Die Kinder sagten, daß sie Isebies mitgebracht hätten zum Anbrennen der Leuchter. „Biste gekommen zum Anbrennen der Lichter, so sollste es auch tun. Gebt ihr Schwefelhölzer! Wird se noch nie getan haben, was se jetzt tut.“ Die Frau lächelte, und Isebies zündete den siebenarmigen Leuchter an, und in seiner wunderlichen Gestalt erschien er ihr wie ein großes Geheimnis. Die Lichter begannen zu strahlen,' und die sieben Flammen bewegten sich wie zarte leuchtende Zungen Frau Lewin erschien ihr wie eine Königin, trotzdem sie einen schwarzen falschen Scheitel trug, und die großen Augen der Kinder leuchteten wie aus einer anderen sonnigeren Welt. Herr Lewin begann im Nebenzimmer einen neuen freudigen Psalmen fremdartig und schauererregend zu singen. „Das ist der Becher für den Propheten Elias, sagte der Junge leise und wies auf den Kristallbecher mit dem leuchtenden goldenen Wein, „und die Türe dort bleibt angelehnt, damit der Messias eintreten kann.“ Isebies Herz klopfte-0 welche Fremdheit! —. Welch ein Erlebnis! Die Tafel erschien .ihr wie für Könige aus einer anderen Zeit gedeckt, und der siebenarmige alte Judenleuchter war alles Zaubers voll, und die ehrwürdigen heiligen Seelen und Könige standen im Dämmer draußen um das Haus in der Gasse und warteten, um einzutreten. , , Und wenn Isebies gewußt hätte, welch rührender Gottesdienst diese festliche Tafel war, wie sie in Wahrheit die Paradiesesfreuden dieser Erde darstellen sollte, den Trost im harten Leben, die heilige Messiassehnsucht; das versprochene Reich Gottes auf Erden, das nie hier erscheinen wird. „Ja,“ sagte Frau Lewin, und ihre lebendigen Augen leuchteten, „als ihr noch auf allen vieren krocht und habt Eicheln gegessen im Walde, da sind wir schon Könige gewesen und haben gegessen in aller Herrlichkeit auf Erden!“ Isebies gab schüchtern die Hand, um zu gehen. Frau Lewin dankte ihr, und Isebies sah noch, als sie die Treppe hinabging, wie Frau Lewin aus der kleinen Küche einen duftenden Gänsebraten brachte, und zugleich strömte frischer Königsrauchgeruch aus der Türe. Die weiche, fremdartig singende Stimme Herrn Lewins verstummte, und Isebies sah ihre jüdischen Freunde im Geiste um den golden leuchtenden Becher des Propheten Elias sitzen, alle beschienen vom siebenarmigen Leuchter mit den sieben zarten Feuerzungen und die wundervollen weißen Brote, die Frau Lewin selbst gebacken und halb verhüllt hatte mit schneeweißen Tüchern; und der heilige Gänsebraten und die geheimnisvolle Gewürzbüchse und was ihr feines Näschen sonst noch Gutes gerochen hatte, erschien ihr so märchenhaft, daß sie auf der dunkeln, engen Gasse, an das Haus gelehnt, eine ganze Weile stehen mußte, um ihr Gleichgewicht wiederzufinden. Sie empfand das genau: das war nicht nur so eine einfache Geschichte. Alles so außerordentlich geheimnisvoll, wahrhaft überquellend von Bedeutungen und uralten Herrlichkeiten. Und daß Herr Lewin so fremd und weich singen konnte, so gütig hatte die Stimme geklungen. Er hatte gewiß seinen spiegelblanken Rock dabei nicht angehabt. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohriohten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfllohst eingeladan.) Personalien. Das Eiserne Kreuz I. Klasse wurde verliehen den kgl. Leutnants der Reserve Rudolf Mosse aus Berlin, Karl Löffler und Ludwig Rosenthal. Dann dem kgl. bayer. Feldwebelleutnant W. 0 1 s c h e w s k i im 3. Inf.-Regt, Kaufmann aus Berlin und dem kgl. Assistenzarzt der Reserve Bertold S t a h r in München. Der Reallehrer Dr. Bruno Lebermann in Fürth wurde zum kgl. bayer. Gymnasiallehrer am Realgymnasium in Nürnberg ernannt. Der Oberleutnant Alfred B am berge r wurde zum kgl. bayer. Rittmeister der Reserve in der Trainabteilung und der Oberleutnant Ernst Gers o n zum kgl. bayer. Hauptmann der Landwehr befördert. Zu kgl. bayer. Leutnants der Reserve wurden befördert die Vizefeldwebel Emil Kugel im 20. Inf.-Regt., Paul Stahl lim 10. Resi-Inf.-Regt., Hermann Vogel.im 2. (Landw.-Feldart.-Regt., Jakob Mayer bei der 1. Train-Sanit.-Kornp., Hermann Glase,r im 9. Feldart.-Regt., Alex. Schönmann im 18. Inf.-Regt., Artur A a Mm 21. Res.-Inf.-Regt. Hans Schwarz im 10: Fußart.- Bat., Jul. Weil! im 2. Inf.-Regt.,. Jul. Hirsc'hmann im 6. Landw.-Inf.-Regt. und Josef Be er im 3. Pionierbataillon. Der Stabsarzt Dr. Joseph R o s e ng a f t wurde zum kgl. bayer. Oberstabsarzt der Reserve befördert.

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