Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1916-08-25 · 34 (25.8.1916) · p. Seite 299

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
34 (25.8.1916)
Date
1916-08-25
Page
Seite 299 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9102942-9138051--00987-9073813
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 34 L» Das Jüdische Echo 307 U " -C •_■ I- .... '. -W A-T-. t '<”v u* L,,V \“.r;; *V. : fUtöchieM “cW.<V: SC «r.« Si' ' *r:r~ * --v . ."h- H'- ""- '''' t. v..v;.' W ' _, ■ -is % r.;:: i-: S:» ' P< , yi « ' :;Tv gehabt hätte, und diese meine damalige Rede notiert hätten, anstatt sie aus der Tagespresse zu übernehmen, so brauchte ich heute nicht hier zu stehen. Ich möchte Ihnen heute aus einem stenographischen Bericht den genauen Wortlaut dessen was ich damals sagte vor lesen: „Herr Schiff sprach über die Juden in Rußland und Polen und sagte: ,Ich empfinde so tief wie nur irgend jemand die Unterdrückung in Rußland und Polen, und nicht nur das, was die Menschen jetzt dort leiden, sondern was sie seit fünfzig Jahren gelitten haben. Aber ich sage mir — und hierüber habe ich viel nachgedacht — wenn die Juden Rußlands und Polens nicht durch trennende Gesetze als ein für sich stehendes besondres Volk gehalten worden wären, so hätten die Vorurteile der Verfolgung, unter denen sie leiden, nicht das Stadium erreicht, zu dem sie zu unserer aller Bedauern gelangt sind.1 Hierin, meine Freunde, ist kein Wort, für das ich nicht bereit wäre, einzustehen. Aber weil eine einzige Tageszeitung ihren Reporter hier hatte, der wahrscheinlich — ich glaube, er hat es seither selbst zugegeben — nicht verstanden hat, was das bedeutet, hat man behauptet, ich mache die Juden Rußlands und Polens für ihre Verfolgung verantwortlich; und die jüdischen Blätter, oder doch einige von ihnen glaubten es. Und ohne weiteres haben sie gegen mich einen Feldzug eröffnet, mich verleumdet, mich sogar bedroht und fahren sogar jetzt damit fort, nachdem, soviel ich weiß, zwei oder drei Tage nach der Sitzung der korrekte stenographische Bericht jidisch in „The Day“ und englisch im „American Hebrew“ erschienen ist. Fs hat ihnen gar nichts ausgemacht. Sie haben ihn einfach ignoriert und tuen es auch jetzt noch. Nun bedenken Sie doch: mich eines solchen Verbrechens zu beschuldigen. Bedenken Sie doch! Ich, der seit 45 Jahren gegen das Eindringen der russischen Regierung in die amerikanischen Geldmärkte gekämpft habe und mich noch heute gegen sie stemme. Bedenken Sie doch! Ich, der als Erster die Agitation betrieben und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten gegenüber darauf bestanden habe — wie einige von Ihnen wissen müssen — daß unser Vertrag mit Rußland aufgehoben werden muß. Warum habe ich gesagt, daß dieser Vertrag aufgehoben werden müsse? Nicht weil irgend jemand von uns gern nach Rußland gehen möchte, sondern weil viele andere wußten — wie auch ich wußte — daß sobald Rußland gezwungen wäre, seine Tore dem Juden, dem amerikanischen Juden und dem Juden aller Nationen zu öffnen, es nicht länger imstande sein würde, die Beschränkungsmaßregeln gegen seine eigenen Juden aufrecht zu erhalten und den Ansiedlungsrayon aufrecht zu erhalten, der die Wurzel alles Übels ist; und wenn es auch vorläufig hierzu nicht gekommen ist, so wird dies doch die Folge sein. Und diese, meine Verfolger, nicht die Leute von der jüdischen Presse, sondern Leute, die hier als Notleidende sind, als Flüchtlinge, weil sie unglücklicher Weise und zu meinem Bedauern jetzt nicht, wie sie beabsichtigt hatten, in ihre Heimat zurückkehren können, sie schreiben an die jüdischen Zeitungen, daß ich durch meine Rede der Münchener Zionistische Ortsgruppe. Die Münchener Zionisten treffen sich jetzt wieder jeden Montag abends 8.30 Uhr im Cafe Fürstenhof, russischen Regierung Material geliefert habe, das für sie von größerem Wert sein wird als alles Kriegsmaterial, das man ihr jetzt liefert, und daß die russische Regierung triumphieren wird. Nein, meine Freunde! Die russische Regierung wird triumphieren, weil Sie den Mann niedergeworfen haben, der soweit es in seiner Macht lag, zwischen der Verfolgung, dem Antisemitismus und der russischen Regierung stand. Warum greift man mich an? Ich weiß es, weil man mich gewarnt hat, mich aus dem Kreise der jüdischen Presse heraus gewarnt hat. Man hat mir immer wieder gesagt — und wie ich Grund zu glauben habe, haben sich diese Worte bestätigt — daß, wenn ich nicht meine Opposition gegen die Kongreßbewegung aufgebe, man mich, als vielleicht das wichtigste Mitglied des American Jewish Committee, als Ersten angreifen würde, daß das Vertrauen des jüdischen Volkes zu mir untergraben werden, daß ich zerbrochen werden würde; dieser ganze Angriff ist nur ein Teil eines wohlüberlegten Planes, und was auch immer ich gesagt hätte — und wenn der Allmächtige selbst mir die Worte in den Mund gelegt hätte — ich wäre verleumdet und angegriffen worden, weil dies zu einem sehr sorgfältig ausgearbeiteten Plan gehörte. Wenn jemand behaupten kann, d;aß seit der Zeit, da er mich kennt, oder etwas von mir weiß, ich mich je meinem Volke verweigert hätte, ich mich je seinen Bedürfnissen, irgendeiner Sache verweigert hätte, daß ich gewartet hätte, bis man mir jüdische Probleme vorlegte, anstatt selbst an sie heranzutreten, in meinem Wunsche mitzuarbeiten, daß ich nur meine Mittel dahingegeben hätte, und nicht auch Tag für Tag — ja ich kann sagen Nacht für Nacht — mich selbst dahingegeben habe, so stehe er auf und klage mich an. Diese Worte sollten Abschiedsworte sein. Ich bin aufs tiefste verletzt worden, und von jetzt ab werden Zionismus, Nationalismus, die Kongreßbewegung und die jüdische Politik, in welcher Form sie mir auch begegnen mögen, ein Buch mit sieben Siegeln für mich sein. Ich werde fortfahren, für die Erhebung meines Volkes zu arbeiten, ich werde fortfahren, bei aller aufbauenden Arbeit, die notwendig ist, mitzuschaffen, und ich werde fortfahren, soweit ich kann, unsren Brüdern im Kriegsgebiet, besonders in Polen, Rußland, Rumänien und Palästina volle Bürgerrechte zu verschaffen, denn sie alle sind mein eigen Fleisch und Blut. Aber darüber hinaus, meine Freunde, enden meine Pflichten. Ich danke Ihnen, daß Sie mir so geduldig zugehört haben, und ich danke Ihnen, daß Sie mich durch Ihren Beifall ermutigt haben.“ B. Müllers Musikinstitut München Fraunhoferstr. 29 :: Telephon 24540 Inhaber: Bruno Müller, Konzertmeister a. D. Schüler von: Prof. Dr. Joseph Joachim, Prof. Dr. Carl Reineoke, Prof. Dr. Heinrich Bellermann und Hofoporndirektor Gustav Mahler. Unterricht in allen'praktischen (Klavier, Violine, Orgel, Cello usw.) u. theoretischen Fächern (Harmonie, Kompositions- und Instrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene (Kinder werden vom 6. Lebensjahre an aulgenommen) Prüfung, Auskunft und Einschreibung kostenlos!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.