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Das jüdische Echo · 1916-08-18 · 33 (18.8.1916) · p. Seite 299

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
33 (18.8.1916)
Date
1916-08-18
Page
Seite 299 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 299 verlausen dürfen. Es fragt sich nun, welche Gelegenheit wir ihnen zu einem solchen Opfer geben können. Ich möchte dem Staatssekretär hierfür drei praktische Vorschläge machen. Vorher aber möchte ich bitten: Übereilen Sie die Deportation nicht. Lassen Sie diese als eine Drohung im Hintergründe stehen, aber versuchen Sie es erst mit freiwilliger Meldung. Der Staatssekretär soll uns heute noch sagen, daß er die Leute nicht sofort deportieren, sondern sie auf jede Weise zum freiwilligen Dienst bewegen wird und daß jemand der wirklich nationale Arbeit leistet und unserem Volke auf wirtschaftlichem Gebiet nützt, nicht deportiert wird. Ich schlage vor erstens: Betonen Sie die Drohung der Deportation nicht mehr als notwendig. Zweitens: Geben Sie den Leuten, sobald sie in das britische Heer eintreten, die vollen Rechte britischer Staatsangehöriger. Wenn wir sie in das Heer aufnehmen wollen, müssen wir ihnen auch gleiche Löhnung, gleiche Aussichten und gleiche Pension gewähren wie unsren eignen Leuten. Drittens bitte ich den Staatssekretär, den Gedanken eines besonderen Korps, Regiments oder Bataillons für diese Leute ernstlich zu erwägen. Sie könnten dann in Gesellschaft ihrer Freunde hinausgehen, würden einander kennen und Sie würden dadurch die Sprachschwierigkeit überwinden. Tausende russischer Juden — mindestens 3000 aus Belgien — verstellen kein Englisch. In einem solchen Heereskörper wäre die Frage der Sprache, der Haltung religiöser Gebräuche und der koscheren Kost, die heute für viele orthodoxe russische Juden eine große Schwierigkeit bedeutet, gelöst.“ In seiner Antwortrede berichtete Mr. Herbert Samuel, es gäbe in Großbritannien 25 000 russische Staatsangehörige zwischen 18 und 41 Jahren. Das Kriegsministerium hatte beschlossen von ihnen eine Anzahl zum Heeresdienst zuzulassen, aber nur so viele, daß sie nicht mehr als 2% der Gesamtstärke bilden sollten. Nur weil diese Maßregel keinen Erfolg hatte, wäre man zu den erwähnten Maßregeln geschritten. Eine Ausweisung sollte erst stattfinden, wenn die Tribunale, an die die Dienstpflichtigen sich wenden könnten, festgestellt hätten, daß keine wirtschaftlichen oder s o n s t i ge n Gründe v o r 1 ä g e n , die Leute zu befreien. Was die Frage der Bürgerrechte beträfe, so sei Herr Samuel durchaus dafür, daß sie durch den Eintritt in die Armee und gute F ii hrung ein Recht auf E i n b ii r g e r u n g erhalten sollten. Für die Formierung eines besonderen Korps seien weder die Militärbehörden noch die F ii hrer der jüdischen Bevölkern n g. Im Oberhause plädierte Lord Sheffield dafür, daß man denjenigen, die nicht in die enghschie Armee eintreten wollten, gestatten solle, ins neutrale Ausland zu gehen. Außerdem protestierte er gegen die Terrorisierung der russischen Juden, die mit Ausweisung nach Rußland schon jetzt von der Polizei bedroht werden. Auch Lord Lore b u r n verlangte für die russischen Juden das Recht des Abzuges nach einem neutralen Lande. Großes Aufsehen erregte im Hause und in der Öffentlichkeit sein energischer Ausspruch: „Wenn ich ein Jude wäre oder auch nur einen 'kröpfen jüdischen Blutes in mir hatte, ließ ich mir lieber die Hand abschneiden, als das zu tun, was Mr. Samuel getan hat, nämlich diesen Leuten zu sagen: wenn ihr nicht in der englischen Armee dienen wollt, werden wir euch nach Rußland zurückschicken.“ Denkschrift der presbyterianischen Kirche Hmerikas an Präsident Wilson. Die Generalversammlung der presbyterianischen Kirchen Amerikas ihat dem Präsidenten Wilson ein Memorandum folgenden Inhalts unterbreitet: „Die zivilisierte Wfelt sucht einen Weg zur Erleichterung des Loses der verfolgten Juden. Wir anerkennen die Schwierigkeit einer Vereinigung der verschiedenartigen Rassen innerhalb der vielgestaltigen Bevölkerung Rußlands und anderer Nationen. Wir verstehen, daß die Regierungen der einzelnen Völker sich eine unbefugte Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten nicht gefallen lassen würden und daß verschiedene einzelne Regierungen den Beweis führen könnten, daß auch in anderen Ländern, nicht nur in den ihren, die Juden unterdrückt und verfolgt werden. Die jüdische Frage umspannt alle Länder der Welt und erfordert eine internationale Regelung. In vielen Teilen der Welt ist die Lage der Juden so unmittelbar gefahrdrohend, daß Menschlichkeit und Gerechtigkeit zu sofortigem Handeln drängen. Seit der Vertreibung der Juden aus Spanien haben sie ein Obdach .in der Türkei gefunden und sind von jener Zeit bis zum Ausbruch dieses unvorhergesehenen Krieges jederzeit im Reiche des Sultans so freundlich behandelt worden, daß man hoffen darf, daß man bezüglich ihrer dauernden Ansiedlung in Palästina eine befriedigende Vereinbarung treffen könnte. Eine Denkschrift, von der eine Abschrift beiiliegt, wurde 1891 von Herrn Win. E. Blackstone dem damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Benjamin Harrison, unter dem Titel: „Was soll für die russischen Juden getan werden?“ unterbreitet; in dieser Denkschrift wurde die Regierung gebeten, sich bei den europäischen Regierungen für die Einberufung einer internationalen Konferenz zur Erörterung der Lage der Juden und ihres Rechtes auf eine Heimstätte in Palästina zu verwenden. Die Unterzeichnung dieser Denkschrift durch hervorragende Staatsmänner, Geistliche, Philanthropen, Finanzleute, die geistliche und die weltliche Presse des Landes sowohl wie durch die angesehensten jüdischen Bürger bürgt für die Ernsthaftigkeit des vorgeschlagenen Planes. Die Annalen der Staatsregierung in Washington zeugen seit der Übergabe jener Denkschrift von der Entfaltung einer höchst segensreichen Tätigkeit seitens der Regierung zu Gunsten der Juden. Wir halten das Ende dieses Vernichtungskrieges für einen äußerst geeigneten Augenblick zur Einberufung einer solchen internationalen Konferenz der Mächte. In Anbetracht aller dieser Momente unterbreii teil wir Unterzeichneten vertretenden Personen, '■Gesellschaften, Organisationen und öffentlichen Beamten der Vereinigten Staaten in aller Ehrfurcht diese Denkschrift dem Präsidenten Woodrow Wilson, zur Erwägung der darin empfohlenen Aktion und zur Ergreifung solcher Maßregeln, die für die dauernde Befreiung der Juden am zweckmäßigsten sein dürften.

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