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Das jüdische Echo · 1916-08-11 · 32 (11.8.1916) · p. Seite 296

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
32 (11.8.1916)
Date
1916-08-11
Page
Seite 296 (sequence 8)
Language
German
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296 Das Jüdische Echo Nr. 32 es gehörte nicht allzu viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, daß diese, schwere Arbeit gewohnten Männer und Jünglinge die Peitsche aus der Hand legen und den Pflug führen lernen — auf eigener Scholle. Die Teestube. Ich weiß nicht, wie viel Dutzend Teestuben Kowno hat. Es sind deren ungezählte, aber aus der Tür einer jeden lugen die neugierigen Gesichter von mindestens ein bis zwei schwarzhaarigen jüdischen Mädchen. Zwei Arten von Frauengestalten sieht man' zumeist unter den hiesigen Jüdinnen. Der eine Typ mit ziemlich groben Gesichtszügen und Formen, mittelgroß und zumeist ziemlich korpulent, oft .sogar so umfangreich, daß man an das bekannte jüdisch-marokkanische, wenn nicht überhaupt orientalische Schönheitsideal von der „fetten“ Frau erinnert wiird. Daneben aber auch häufig ein hiervon grundverschiedener Typ: sehr klein und schlank, diabei von gazellenhafter Zartheit und Zierlichkeit, ja fast Zerbrechlichkeit der Glieder. Die Inhaberinnen der Teestuben sind fast durchweg nicht gebürtige Kownoerinnen. Von der zu Ende der Russenzeit innerhalb 24 Stunden mit gewohnter russischer Brutalität ausgewiesenen Kownoer jüdischen Bevölkerung ist erst ein kleiner Bruchteil zurückgekehrt. Dagegen sind die Plätze der Ausgetriebenen vielfach von zugeströmten Juden der Dörfer und Marktflecken aus dem Gouvernement Suwalki und anderswoher aus der näheren Umgebung eingenommen, und diesem Milieu entstammen auch die zahlreichen Mädchen, deren Väter und Brüder zumeist im Kriege sind, und die nun auf eigene Faust ein Gewerbe betreiben. Abends sitzen rauchende, singende und klavierspielende Soldaten in den Teestuben, schlürfen den Trank, den der Samovar für ein paar Pfennige spendet und schäkern mit den Mädchen. Hier und da genießt eine von den Mädeln den Ruf, eine phantasievolle begabte Tänzerin zu sein. Um sie sammelt sich regelmäßig ein Kreis von Bewunderern und Stammgästen, für die allabendlich die schwarze Schöne sich im zierlichen Tanze dreht. Es ist viel Koketterie im Spiele, viel Geschäftssinn und wohl auch ein wenig Leichtsinn bei den jungen Mädels, aber im Grunde sind sie doch wohl nicht so schlimm wie ihr etwas vom Reiz der — cum grano salis! — Demimonde umwobener Ruf, die kleinen Teestubenbesitzerinnen von Kowno. Manche kenne ich, die den lieben langen Tag frierend und nur in ein dünnes Tuch gehüllt in dem ungeheizten Laden steht, der außer dem dampfenden Samovar nur ein paar verknitterte Ansichtspostkarten, einige Bonbons fund etwas brüchigen, alten Kuchen an Schätzen beherbergt, und wenn der Abend sich naht, dann sind einige wenige Groschen des langen und kargen Tages Lohn. Und immer sind sie doch guter Dinge und zufrieden, die armen kleinen Teestubenmädel von Kowno. M. Gmaehlesche Leihbibliothek (Inhaber: E. & M. Kraus) 9egr. 1810 TkealinerslraOe 49, Entresal 3egr. «io Größtes Leseinstitut Münchens (60000 Bänd«) Sämtliche Novitäten belletristischen und wissenschaftlichen Inhalts in deutsch, französisch, englisch und italienisch. Operntexte leihweise — Stadt* u. Landabonnement Theatinerstraße 49, Entresol (Korsethaus Lewandowski. Iinnilß!!lllll!l!lllllllllllllllllllllllllll!llllllllllll Seifen- Ersatz beschlagnahmefrei in Stücken zu 2 Pfd. IO Pfd. 4 Hk. Hilsenbeck Tattenbachstr. 5/I, Gartenh. llllllllllll»!ll!lllinilll»!lllllini!IIIIIIIIUl!lll!!ll Dietzels flüssiges, sowie festes, feinstes Parkett- Linoleum-Wachs an Güte und Qualität höchst vorzüglich, angenehmer Geruch, empfiehlt stets zu mäßigen Preisen, da Lieferung nur an Verbraucher. J. Kastenmaier, Parkettbodengeschäft, Parkettbodenreinigung, München, Auenstraße 78. Telephon 24532. Amerie. Surgeon Dentist OSKÄR STÄHL l.d.s. Nach!. JOSEF HERZOG Schillerstr. 43/1 Tel. 52600 ordiniert von 10—1 u. 3—5 Uhr. Sonntag nur nach vorheriger Anmeldung. Ü jj 1 h Elektrolyt Georg flirth Belebend bei Ermiidungszuständen aller Art In jeder Apotheke erhältlich in: Pulverform (zu 0.50, 2.25 und 6 Mk.); Tablettenform (zu 0.50, 1.50 u. 3.20 Mk.). — Literatur kostenfrei. Hauptvertrieb und Fabrikation: Ludwigs-Apotkeke München Neuhauserstr. 8. f t SCHREIB * BÜRO * 154987j ÄbschrilteD Diktate SIEGFRIED München/ SchützenstrV la/11 (Kontorh. Imperial) Tel, 1 t/ane '%erre/i IKLxAe u ty/tot&n’HtM 9ilunchen. 9/Zaximtüantfr W. Mü”che"’H“»* *«»*. <• ’ S°"n' H'rschenstr. 7; für den AnzeiBenteil: H. W. Stthr, München

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