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Das jüdische Echo · 1916-08-04 · 31 (4.8.1916) · p. Seite 288

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
31 (4.8.1916)
Date
1916-08-04
Page
Seite 288 (sequence 8)
Language
German
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288 Das Jüdische Echo Nr. 31 und diese ist im Nu mit einem Haufen kleine! er Bücher bedeckt, dlie Note beim Hausierer um zwanzig, zehn und oft sogar fünf Kopeken das Stück zu kaufen pflegt. Der Wind verschmäht auch diese kleinere« Bände nicht: blättert in ihnen ebenso schnell und eifrig wie in den großen Bänden, als ob für ihn alle Bücher gleich wären: denn alles ist ja Thora! Schließlich schleppen die Kinder einige ganz alte, verstaubte Bücher ohne Einbanddecken herbei. Note frägt: „Ist das jetzt alles, Kinder?“ „Es gibt keine mehr!“ erklärt Ahron. die Hände vor sich ausstreckend. „Es gibt keine mehr!“ bestätigt etwas verschämt Hennele. „Nun geht ins Haus!“ befiehlt Note gutmütig. „Ach Vater, ich will hier bleiben und Zusehen!“ „Ich auch zusehen!“ bittet Hennele. „Gut, bleibt meinetwegen da,“ erlaubt der Vater. Die Kinder stehen mit strahlenden Augen da. Note hört, wie Slate plötzlich jemanden ruft. „Ahrele, ich glaube, die Mutter ruft dich.“ „Ahron! Ahron!“ schreit Slate sehr laut. „Was ist?“ Ahron ist sehr unzufrieden, daß die Mutter ihn ruft. Er will sich von dem schönen Schauspiel nicht trennen: gar zu lustig ist es anzusehen, wie der Wind in den Buchseiten spielt. „Geh doch hin, mein Sohn: Mutter braucht dich, also mußt du gehorchen,“ sagt ihm Note. Ahron kommt sehr mißvergnügt zur Mutter. „Was willst du, Mutter?“ Slate ist etwas verlegen, und kann mit ihrem Wunsch nicht herausrücken. „Also was? Sag!“ ermuntert sie Ahron. „Geh, mein Kind, in die Kammer; dort liegt auf dem Tisch mein Tajtsch-Chumesch1) . . . Trag ihn auch etwas zum Lüften hinaus . . „Einen Tajtsch-Chumesch braucht man nicht zu lüften!“ erklärt Ahron sehr entschieden. Slate errötet und lächelt etwas wehmütig: „Närrchen, ein Tajtsch-Chumesch ist doch auch elin Buch!“ Sie glaubt aber selbst nicht daran, was sie sagt. Ihre Stimme versagt, und sie setzt kaum hörbar hinzu: „Also geh, trag ihn hinaus!“ Ahron gehorcht. Er geht in die finstere Kammer, findet den Tajtsch-Chumesch und will ihn schon hinaustragen, als Slate ihn noch einmal aufhält: „Man braucht ihn vielleicht wirklich nicht hinauszutragen . . .“ Ahrele blickt die Mutter an und merkt, daß sie plötzlich traurig geworden ist. Er hat Mitleid mit ihr und sagt gerührt: „Nein! Ich will ihn doch auslüften!“ „Gut, trage ihn hinaus, wenn du willst,“ sagt sie still. Slate geht zum Fenster und sieht in den Hof hinaus. Sie hört mit Herzkloppfen wie Nute zum Kleinen sagt: „Was hast du noch gebracht?“ „Mutters Tajtsch-Chumesch!“ ruft Ahron lachend. „So!“ lacht Note: „sie will auch ihre ,Bücher* durchlüften . . . Gut! Kann nicht schaden . . Von mir aus . . ) Wörtlich: „Deutsche Bibel“; eine für Frauen bestimmte Sammlung von biblischen Legenden in jüdisch-deutscher Sprache. Und Slate sieht, wie Note den Tajtsch-Chumesch in die Hand nimmt, in ihm etwas blättert und ihn dann lächelnd zu den andern dicken und schweren Bücher legt. „Was brauchte ich das eigentlich? fragt sich Slate selbst. Und sie sieht, wie der Wind auch in ihrem Tajtsch-Chumesch blättert und mit den Abbildungen „Raliel hütet die Schafe“ oder „Mirjam tanzt mit der Pauke“ spielt . . . , Das ist wirklich nicht schön!“ sagt sich Slate mit aufrichtiger Reue: „Was brauche ich diese Dummheit? Paßt es denn, daß sich mein Weiber- Chumesch zugleich mit so vielen Männer-Büchern lüftet? . . .“ Rauchen Sie Zigaretten Hof- Bürsten Fabrikant Schäfflerstr. 5 Nordendstr. 17 Fernruf: Nr. S •y'S ® 1 GiseioSchimmel München Werkstätten für feine Damen-Moden LindwurmslraQel Ecke Sendlingerlorpl. Tel. 52754 l|iiHHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii,„l„,|„l,l|ll|,llll)lllllllllllll|||||||tl||||M|||timilllllllllll||,|l,„iiim «min CARLWIilGI. MÜNCHEN MAXIMIUANS-PLäTZ „ 14 nächst ämuxkmonument rcL.-amt LÜSTER] in Eisen, Messing und | Glas, elektrisch und | Gas - Zuglampen mit | Nachlaß zu verkaufen. | Reparaturen und | Neuanfertigungen § werden ntch Wunsch geliefert. ......... Druck und Verlag: B. Heller, Buchdruckerei, München Verantwortlich für die Redaktion: Helene Hanna Cohn, München-Solln, Hirschenstr' Herzog Maxstr. 4. 7; für den Anzeigenteil: H. W. Stöhr, München

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