Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 31 (4.8.1916)
- Date
- 1916-08-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Qanzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V er 1 a g des ״Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, 1wmMwmik Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pi. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Hnzeigep 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag des ״Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 31 München / 3. Jahrgang 4. Äugust 1916 Zum 9. Äb. 5. Kapitel der Klagelieder איכה 1., Gedenke, Ewiger, was 11ns geschehen; schau und sieh unsre Schmach. 2״ Unser Erbe ward Fremden zugewandt, unsre Häuser Ausländern. 3., Vaterlosen Waisen gleichen wir; unsre Mütter Witwen. 4״ Unser Wasser trinken -wir um Geld, eignes Holz müssen wir teuer erkaufen. .5״ Das Joch schwerer Knechtschaft auf unsrem Nacken, werden wir verfolgt, wir ermatten und dürfen nicht ruhen. 6., Nach Mizrajim strecken wir die Hand, nach Aschur, um uns an Brot zu sättigen. 7״ Unsre Väter sündigten und sind nicht mehr, doch wir tragen ihre Schuld. 8., Knechte sind unsre Herrscher, Niemand entreißt uns ihrer Hand. 9״ Mit Lebensgefahr holen wir unser Brot vor dem Schwerte der Wüste. 10., Unsere Haut brennt w!ie Ofenglut vor Heißhunger. 11., Frauen schändete man in Zion, Jungfrauen in den Städten Judas. 12., Fürsten wurden durch ihre Hand gehenkt, das Ansehen der Greise ward nicht geachtet. 13., Jünglinge trugen die Bürde des Mahlsteines, Knaben strauchelten unter der Last des Holzes. 14., Die Ältesten bleiben fern vom Tore, die Jiinglinge vom Gesang. 15., Fern ist die Freude unsres Herzens, in Trauer verwandelt unser Reigen. 16., Gefallen ist die Krone unsres Hauptes wehe uns, denn wir haben gesündigt! 17״ Darum ward scheu unser Herz, verdunkelten unsre Augen. 18״ Ob des verödeten Berges Zion, Schakale durchstreifen ihn. 19״ Du aber, o Ewiger, bleibst ewiglich Dein Thron bleibt von Geschlecht zu Geschlecht. 20״ Warum wolltest Du für immer uns vergessen, uns verlassen für lange Zeit? 21״ Führe uns zurück, 0 Ewiger, zu Dir, und wir wollen zurückkehren, erneuere unsre Tage wie vormals. 22״ Denn solltest Du uns ganz verworfen haben, uns gar sehr zürnen? Führe uns zurück, 0 Ewiger, zu Dir, und wir wollen z u r ii c k k e h r e n, erneuern u n s r, e Tage wie vorm a 1 s. Perez, Scholaum~Hleichem und Bialik. Von Nachum Goldmann. Es ist ein eigenartiges Zusammentreffen, das in diesen Tagen die Namen drei der bedeutendsten und eigenartigsten Dichter der neujüdischen Kultur uns in Erinnerung bringt; der Todestag von P e r e z jährt sich jetzt zum ersten Male, die erschütternde Kunde vom Tode Scholaum- Al ei che ms langte vor kurzem zu uns herüber, und währenddem feiert das nationale Judentum der gesamten Welt das 25jährige Dichterjubiläurn Chaim Nachman B i a 1 i k s. Perez, Scholaum-Aleichem und Bialik, das Zusammentreffen ihrer Namen in diesen Wochen ist gewiß purer Zufall und dennoch — haben nicht, von einem höheren Gesichtspunkte aus gesehen, Zufälle oft ihren inneren Sinn , und hat man nicht das Recht, in ihnen zuweilen Symbole zu erblicken? In der Tat, eine innere Verknüpftheit verbindet diese drei Dichter miteinander; der innere Sinn, der sie aneinanderreiht, ist der Sinn der modernen jüdischen Geschichte. Perez, Scholaum-Aleichem und Bialik stellen so etwas wie die Meilensteine auf dem großen Entwicklungswege des jüdischen Volkes dar, drei Akte in dem großen welthistorisehen Drama des jüdischen Golus und seiner Überwindung. Perez ist von allen modernen jüdischen Dichtern der tiefste Dichter des Golus gewesen. Sie alle zwar haben das Golusleben zu ihrem ausschließlichen Darstellungsobjekt, aber so tief, so verinnerlicht, so erschütternd wie Perez hat keiner von ihnen das Wesen des Golusclaseins darzustellen vermocht. Dies kommt daher, weil Perez eigentlich nicht mehr das reine, unverfälschte, unberührte Golusleben schildert, — also in der Form des Ghetto — sondern den Golus in seiner Auflösung. Er ist der Dichter der letzten Generation des Ostjudentums, die innerlieh aus dem Ghetto schon heraus ist und den großen Schritt zur europäischen Kultur bereits getan hat, bei alledem aber doch noch mit vielen