Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 25 (23.6.1916)
- Date
- 1916-06-23
- Page
- Seite 235 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Das Jüdische Echo 235 Maulschellen ausgeteilt — alles an mich —, bis der Scheidebrief da war! .... Nur eine ist bei mir gestorben. Derselbe Schadchen Feiwel — an der Zunge möge er hängen! — hat mich wieder drangekriegt und mir ein zerfressenes Kleid angehängt, — eine Lungen- * kranke! Sie war ein braves Weib, so wahr ich lebe, ein gutes Weib, aber sie hat Blut gespuckt und war dürr wie eine Spinne. Sie hatte wirklich keinen Fehler! Siie war ein .Weib, wie es sein soll. Leider hat ihre Krankheit 'sie verzehrt. Wie ich schon sagte: ein zerfressenes Kleid! Ich habe ein paar schöne Jahre mit ihr zusammengelebt, doch eines Tages war sie weg, verloschen! Denkt euch mein Leid! Wieder nichts! Einsam! Mein Glück! .... Sie hinterließ etwas Geld. Kaum war sie begraben, da ist Feiwel, der Satan — ausgelöscht werde sein Name! — wieder da. „Ich wußte ja“ — sagt er — „Weib wirst du keines haben, aber Erbe! Jetzt wirst du erst eine richtige Hochzeit haben können! Fünfzig Taler sind nicht zu verachten; und was hast du denn eigentlich gedacht? Ein schönes Weib wirst du dazu kriegen .können, ganz ohne Fehler? Wie kommst du denn dazu? Stehst du so gut in Gottes Konto? . . . Aber jetzt-“ Ich habe ihm alles gesagt. Doch wenn ich mir’s recht überlegte, so fand ich, daß er Recht hatte. Ich war wie vernarrt in den Menschen, weiß Gott, wie das kam! Ich war Lehrer und er hat mich in die Sch ulegeschickt! Es war damals ein Leichtes für ihn; denn ich war so verzehrt vom Leid, daß ich kaum denken konnte. Und Feiwel hat mich beinah’ wieder hineingeredet — die Kunst verstand er —. Zum Glück — ist er gestorben. „Und doch“ — seufzt Sender — „ich bin jetzt fast neunzig Jahre alt; doch wenn ein Weib für mich zu finden wäre, weiß Gott, ich möchte noch einmal mein Glück versuchen! Allerdings, jetzt, in dieser Zeit! Es gibt keine rechten Frauen und keinen rechten Schadchen mehr.-Glaubt ihr wirklich, ihr jungen Leute, es sei so gut für einen alten Mann einsam zu sein, ganz einsam, wie ein Meilenstein auf der Landstraße? . . . Und ohne Kind! Ich wünsche es keinem Juden, nicht einmal meinem ärgsten Feinde . . .“ Senders eisgrauer Bart zittert, die brauen Lippen zucken, seine große Hornbrille läuft an. Und er macht eine Handbewegung, die sagt: „Vorbei!“ (ln dieser Abteilung finden Voranzeigen der Vereine enlose Aufnahm e. Separatkonto hat nun einen Bestand von 1650 Mark. Hierauf wurden die’Vereinsleitung und die Revisoren durch Zuruf einstimmig wiedergewählt und Herr Rechtsanwalt Dr. Max Feuchtwange r in die Vereinsleitung neugewählt. Punkt 3: Kriegsstatistik war von der Tagesordnung als noch nicht spruchreif abgesetzt worden. Von der Vereinsleitung wurde ein Vertragsentwurf über Druck und Verlag der obenerwähnten Schrift von Frau Dr. Weiner als auch für den Verein rechtserheblich vorgelegt und genehmigt. Es wurde beschlossen, dieser Schrift noch eine weitere Tabelle auf Kosten des Vereins beizufügen. Die Tabelle ist als vom Verein zusammengestellt zu bezeichnen. Jüd. Wanderbund „Blau-Weiß“ München. Fahrtenzettel. 25. VI. Mädchen. 1. Zug. 7.25 Isartalbahnhof. Großhesselohe—Hohenschäftlarn. 55 Pfg. 2. Zug: 6.50 Hauptbahnhof. Solln—Grünwald— Wörnbrunn. 45 Pfg. 3. Zug: 7.30 Isartalbahnhof. Ruine (Spielen) 5 Pfg. Buben: G. W. 7 Uhr Isartalbahnhof. Baierbrunn—Mühltal—Grohesselohe. 30 Pfg. H. W. 1.05 Starberger Bahnhof. Gräfelfing — Fahrt ins Blaue. 30 Pfg. Verein Bne-Jehuda München. Samstag, den 24. ds. Mts. abends 9 Uhr 15 Min. hält im Hotel Reichshof Herr Nathan Chavkin einen Vortrag über „Baruch Spinoz a“. Gäste herzlich willkommen. 8nc Frau M. Kern Dentistin für Frauen und Kinder Scheilingstr. 23/1 nächst der Ludwigstr. Sprechstunde: Wochentags 10—12 und 2—4 Uhr. Telephon 33506. Anzeigen-Echo S auoh ausserhalb Münchens kost Der Verein für Statistik der Juden hielt am Montag, den 5. Juni, im Saale der München-Loge seine Generalversammlung. Nach Verlesung des Jahres-, Kasse- und Revisionsberichtes wurde der Vereinsleitung einstimmig Entlastung erteilt. In dem Jahresbericht wurden hauptsächlich erwähnt: Die Fortschritte des Sammelwerkes „Die jüdische Bevölkerung Bayerns“, die Mitwirkung des Vereins an der Jubiläumsschrift der Kultusgemeinde und die Beendigung der Schrift von Frau Dr. Weiner-Odenheimer über die Berufe in Bayern bis zur Druckreife und ihre auszugsweise vorläufige Veröffentlichung in der Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Es wurde beschlossen dem Separatkonto „Wissenschaftliche Arbeiten“ 100 Mark zu überweisen und vom aktiven Bestand dieses Kontos 500 Mark zum Ankauf einer Reichsschatzanweisung zu verwenden. Das SCHREIB * BÜRO * Abschrilten i vf Diktate BÜSl lall 52629 BUCHDRÜCKEREI B. HELLER MÜNCHEN HERZOG MAXSTRASSE 4 TELEPHON 53 099 ANFERTIGUNG VON DRUCKARBEITEN ALLER ART IN GESCHMACKVOLLSTER AUSFÜHRUNG BEI RASCHESTER LIEFERUNG Nach 5 jähriger Berufung ins Ausland habe ich meine Praxis in München wieder aufgenommen. Emma Elisabeth Brill wissenschaftliche Naturheilkundige Lehrerin für Körperkultur München, Königinstpasse 41/11 (Ecke Veierinärstrasse) Sprechzeit: 3—5 Uhr. Behandlung mit Elektrotherapie, Hydrotherapie, Thure - Brandt, Diät-, Licht, Luft-, Kräuter-, Sonnen-, Organotherapie, Heil- Gymnastik für Kinder und Erwachsene, rhythmische Gymnastik mit Musik, gründliche Untersuchung. -Spezialfach: Veraltete Leiden.