Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 23 (9.6.1916)
- Date
- 1916-06-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M.4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Verlag des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, ft n z e i g e n : Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 55099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 23 München / 3. Jahrgang 9. Juni 1916 Keine Hoffnung für die russischen Juden. Aus Petersburg wird dänischen Blättern gemeldet: „Die Duma tritt am 29. Mai zusammen. Mit der Lösung der Judenfrage, die den russischen Juden seit Beginn des Krieges versprochen worden war, soll sich die Duma nicht beschäftigen, da Stürmer befahl, alle von Chwostow begonnenen Arbeiten zur Abänderung der Judengesetzgebung einzustellen. Auch der Dumablock beschloß, die Frage der Gleichstellung der Juden auf später zu verschieben.“ — — — Die letzte Hoffnung schwindet, falls diese Nachricht sich bestätigt! Es erschien allzu ungeheuerlich, daß die russische Regierung denselben Juden, von denen Tausende heute im russischen Heere kämpfen, gerade jetzt jegliche Hoffnung auf Besserung ihrer Lage rauben sollte, und nun ist es dennoch wahr geworden. Man hat die Pflicht, sich klar zu machen, daß diese neue Bestimmung nur der Beginn zu noch Schlimmerem ist. Wer die Verhältnisse im Osten zu verfolgen im Stande ist, weiß, daß sich über den Häuptern der russischen Juden ein Schicksal von unvergleichlicher Furchtbarkeit zusammenzieht. Alle Anstalten werden getroffen, um die verzweifelte Wut, die sich des russischen Volkes bemächtigen wird, sobald Rußland genötigt sein wird, einem rühmlosen Friedeiisabschluß beizustimmen, auf die hilflosen russischen Juden abzuwälzen. Die Ereignisse der Gegenwart haben uns nicht gerade gelehrt, auf den Gerechtigkeitssinn und die Großmut der Völker allzu starke Hoffnungen zu setzen. Aber daß sie es dulden werden, daß das drohende grauenhafte Geschick über die russischen Juden hereinbricht, das kann und darf man nicht glauben. Gebe der Himmel, daß ein künftiger Friedensschluß die Judenheit der. ganzen Welt genügend stark und organisiert finden wird, um für unsere russischen Brüder einzutreten, um die schrecklichste Katastrophe unserer Galuthgeschichte von ihnen abzuwenden und ihnen eine Besserung ihrer jetzigen unwürdigen Lage zu erringen! Der Besitz von Palästina. Eine bemerkenswerte Rede des Botschafters Morgenthau. Der New Yorker Korrespondent der Londoner „Times“ meldet seinem Blatt unter dem Datum des 22. Mai: „Herr Henry Morgen thau, der bisherige amerikanische Botschafter in Konstantinopel, berichtete gestern abend gelegentlich einer Ansprache in Cincinnati seinen Zuhörern die Tatsache, er habe kürzlich dem türkischen Ministerium auseinandergesetzt, wie ratsam es sei, Palästina nach dem Kriege der zionistischen Organisation zu verkaufen. Die türkischen Minister, erklärte er, hätten dem Plane eifrig ‘zugestimmt. Man hätte Zahlen genannt und erwogen, ob Palästina in eine Republik verwandelt werden solle. „Ich sagte ihnen, wenn man den Jaffaer Hafen ausbauen würde, so würde jährlich eine halbe Million Besucher nach Jerusalem gehen, und jeder von ihnen würde ■£ 20.— im Lande ausgeben.“ „Weshalb soll man denn warten, bis Sie das Geld aufgebraucht haben?“ erwiderten sie. „Die Konzessionen können wir auch jetzt gewähren, also bauen Sie nur Ihre Häfen und Hotels.“ Herr Morgenthau fügte hinzu, die Türkei dächte ernstlich daran, den türkischen Oberrabbiner Nahum als Gesandten nach den Vereinigten Staaten zu senden.“ — — — —; — — — — Da die „Times“ eine ernsthafte Tageszeitung ist und auch der „Jewish Chronicle“, der diese Nachricht verbreitet, ein durchaus verantwortliches Blatt ist, glauben wir, die Meldung unsren Lesern nicht vorenthalten zu dürfen. Immerhin erscheint eine Mystifikation nicht ausgeschlossen. Ob eine solche vorliegt, oder ob der Botschafter Morgenthau, an dessen Verantw'ortlicheitsgefiihl ja nicht der leiseste Zweifel bestehen kann, hier auf eine Tatsache von unvergleichlicher Wichtigkeit hingewiesen hat, wird die Leitung der zionistischen Organisation sicherlich in Bälde feststellen können.