Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 20 (19.5.1916)
- Date
- 1916-05-19
- Page
- Seite 187 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Das Jüdische Echo 187 wurden sie müde, ihre Schritte wurden langsamer, sie hielten einen Augenblick an und setzten sich nieder. Jetzt erst gewannen sie allmählich das Bewußtsein wieder und erinnerten sich, was eigentlich geschehen war. Drei Kapitel: erstens vor dem Pogrom geflohen, zweitens Schweinefleisch gefressen und drittens Prügel erwischt. Sie begannen in abgerissenen Worten wie gewöhnlich miteinander zu reden: „Weißt du, was ich dir sagen werde, Schneier?“ „Was denn, Meier?“ „Was? . . . Ein Jude ist keine Kleinigkeit . . . Selbst ein Kosake litte es nicht, daß ein Jude geschlagen werde . . . Alle treten für das Unrecht ein, das uns zugefügt wird ... Ein jeder nimmt sich des Juden an und verteidigt ihn.“ Welt-Echo Neue Judenverfolgungen. Aus Rußland kommen Nachrichten über m'eue Judenverfolgungen. Der Petersburger „Birschewija Wjedomosti“ zufolge erhielt der Gouverneur in O r e 1 die Nachricht, daß ihm demnächst 1500 Juden zugeschickt würden, und der Gouverneur in R j ä - san wurde ebenfalls von der Ankunft 1500 vertriebener Juden aus dem Gebiet an der Front unterrichtet. Wenn der Platz nicht ausreiche, sollten die Überzähligen nach dem Gouvernement Kursk abgeschoben werden. Ein Perez-Theater in Petersburg. Die Gesellschaft für jüdische Volksmusik in Petersburg hat eine Kommission gebildet welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein jüdisches Künstlertheater zu gründen. Die Kommission beschloß, ein solches Theater unter dem Namen „Perez-Theater“ zu gründen und’ auch dramatische Kurse für jüdische Schauspieler zu errichten. David Feinberg gestorben. Der energische Organisator und langjährige Vorstand des Ica-Emigrations-Komitees in Rußland ist in Petersburg gestorben. Jüdische Kriegsdenkmäler. In einigen österreichischen Städten haben sich Komitees gebildet, die gefallenen und auf den dortigen Friedhöfen v bestatteten jüdischen Kriegern Ehrendenkmäler errichten wollen. Man schreitet in Österreich zu Sammlungen für den genannten Zweck. Auch in deutschen Städten sollte man eine solche Ehrung der gefallenen jüdischen Soldaten ins Auge fassen! Skandinavische Zionisten-Konferenz. Am 28. und 29. Mai wird in Kopenhagen eine Versammlung der skandinavischen Zionisten gehalten werden, bei der über die festere Organisation der Zionisten Skandinaviens und über andere jüdische Fragen von besonderem Interesse für die Juden der betreffenden Länder beraten werden soll. Die englischen Cohanim im Kriege. Am 26. März fand in Leeds eine Versammlung der Cohanim statt, in der diese erklärten, daß der Heeresdienst mit ihren liturgischen Pflichten unvereinbar sei („Ein Cohen, der einen Menschen gemordet hat, darf nicht den Segen über die Gemeinde aussprechen“), und daß sie daher das Recht der Befreiung vom Kriegsdienst, das die englischen Behörden solchen Geistlichen, mit deren Überzeugung er unvereinbar ist, eingeräumt haben, auch für sich beanspruchen. Wieweit eine Meldung des „Labour, Leader‘, es seien mehrere Hundert Rekruten, die aus Geil wissensbedenken den Militärdienst verweigerten, an die Front geschickt worden, wo ihrer 'die standrechtliche Erschießung harre, auch die Cohanim betrifft, steht noch nicht fest. Die russischen Fremdvölker an Wilson. In der Petition, weclhe die Liga der Fremdvölker Rußlands am 9. Mai an den Präsidenten Wilson gesandt hat, waren auch die russischen Juden mit einem Hilferuf vertreten. Der gemeinsame Appell der Liga lautet: „Herr Präsident! In dringender Not wenden wir uns an Sie, Herr Präsident, als einen Vorkämpfer für Humanität und Gerechtigkeit, und durch Sie an alle Menschenfreunde, um Sie wissen zu lassen, welch schweres Schicksal unsere Volks- und Glaubensgenossen durch Rußlands Verschulden ertragen müssen. — Wiir wenden uns durch Sie, Herr Präsident, auch an Rußlands Verbündete, denn wir wissen, daß auch sie in ihrer Freiheitsliebe und ihrem Rechtsgefühl unsere Leiden unerträglich finden werden. Wir Angehörige der fremdstämmigen Nationen und Religionsgemeinschaften Rußlands klagen die russische Regierung vor der gesamten zivilisierten Welt an und rufen um Hilfe, um Schutz vor Vernichtung!“ Der besondere Hilferuf der Juden hieß: „Wir Juden Rußlands sind geknechtet wie kein anderes Volk der Erde. Wir werden geistig und körperlich dem Siechtum überlassen. Wir werden am Besuch der Schulen und Universitäten gehindert. Zusammengepfercht in Ansiedlungsrayons gab man uns steigender Verarmung und Verelendung preis. In barbarischen Pogroms ließ man den Pöbel seine bestialischen Instinkt an uns austoben. Durch den Krieg sind Hunderttausende von uns in die Fremde gehetzt worden und viele Tausende sind dabei elend umgekommen. Unsere Wohnstätten sind ausgeplündert, und täglich verkommen unsere Volksgenossen im entsetzlichen Elend.“ Wir haben in diesem Blatt wiederholt darauf hingewiesen, daß das waffenliefernde Amerika zur Zeit die einzige Macht ist, die es in der Hand hat, Rußland zur Aufgabe seines unmenschlichen Verhaltens zu zwingen. Möge es sich auf sein früheres Streben, der Beschützer unterdrückter Völker zu sein, endlich besinnen! Der Wiederaufbau Galiziens. Laut Verordnung der österreichisch-ungarischen Regierung dürfen seit dem 5. Mai d. J. die galizischen Flüchtlinge nach ihrer Heimat zurückkehren, um ihre zerstörten Häuser wieder aufzurichten. Bei dieser Gelegenheit ermutigt das „Lemberger Tagblatt“ in einem längeren Artikel die — besonders in Wien und Ungarn gelandeten ■— jüdischen Flüchtlinge, die zum Teil schon eine kümmerliche Existenz in ihren Fluchtstätten gefunden haben, von der erwähnten Regierungsverordnung ausgiebigen Gebrauch zu machen. Ohne den Flüchtlingen den gegenwärtigen, trostlosen Zustand ihrer galizischen Heimat und die bevorstehenden Schwierigkeiten der Schaffung der neuen Existenzmöglichkeiten zu verhehlen, stellt das Blatt die Wiederaufrichtung der vom Kriege verwüsteten Heimstätten als eine unabweisbare Pflicht der Heimgegssuchten zu ihrem eigenen Nutzen, wie auch zugunsten des Staates dar. Zugleich kritisiert das Blatt die für den Wiederaufbau Galiziens getroffenen Maßnahmen der Regierung, die für die Flüchtlinge nicht sehr verlockend erscheinen diirf-