Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 16 (21.4.1916)
- Date
- 1916-04-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Verlag des ״Jüdischen Echo" : München, Herzog Maxstr 4 — Redakt ion: Helene Hanna Cohn, München, Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf.— Anzeigenannahme: Verlag des ״Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 55099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 16 München / 3. Jahrgang 21. Äpril 1916 1916 Wochenkalender (5676) תרעו Äpril Nissan ש״חוה״ט ניסן Gottesdienste: Samstag 22 19 Morgens Hauptsyn. 8.30 Herzog Rud.-Str. 7.30 Sabbath-Ausgang 7.45 Sonntag 23 20 Montag 24 21 פסח{ Dienstag 25 22 Mittwoch 26 23 Donnerstag 27 24 Freitag 28 25 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6.1s Herzog Rud.-Str. 7.00 Inhalt! H. Priester: Pessach. — Das Schacht- ׳ verbot in München. — Felix A. Theilhaber: Die Juden im Kriege. — Der Auftakt zum jüdischen Kongreß, —Die Weltkultur der Zukunft. — Religion im Felde. — Jüdische Kunst im Kriege. — Michael Mahler: Die blau-weiße Fahne. — Welt-Echo. — Literarisches Echo. — Arnold Zweig: Ritualmord in Ungarn. — Jacob Locwenberg. — Gemeinden- ׳.׳.. Vereins-Echo. Pessach. Wir haben an der Sedertafel gesessen und haben dem Herrn aufs neue gedankt, daß er sein Volk herausgeführt hat aus dem Lande der Knechtschaft. Wir haben im Geiste jenen endlosen Zug des Kinder Israel gesehen, der seiner Heimat entgegenpilgerte, geleitet vom Ewigen in Gestalt einer Rauchsäule bei Tage, einer Feuersäule bei Nacht. Und plötzlich hat uns mitten in unsrer Pessachfreude ein heißer Schrecken durchflutet und wir haben mit dem Auge unseres Geistes eine andre jüdische Pilgerschar geschaut: einen endlosen Flüchtlingszug, der sich aus verwüsteten Städten über die Steppen und Ebenen Rußland ergießt und ein neues Heim sucht, der aber vertrieben wird, wohin er auch kommt, den Kosakenhiebe von gastlichen Pforten verscheuchen, der den Weg, den er geschritten, durch die Leichen der Verhungerten und elend Verkommenen bezeichnet, an dessen Spitze der grause Tod schreitet. Und kein Gott mit den Unseligen, keine Rauch- oder Feuersäule vor ihnen, sondern Rauch und Feuer nur hinter ihnen — aufsteigend aus ihren verbrannten Heimstätten. Wir haben dieses neuesten Elendszuges jüdischer Flüchtlinge gedacht und aller jener, die sich seit der Zerstörung des Reiches über die Länder der Welt ergossen haben: aus Frankreich, aus Spanien, aus England. Wir haben inmitten der frohen Sederfeier •den Fluch unsrer Heimatlosigkeit gefühlt und haben uns fast schluchzend gegrüßt: ״Leschana haba’a bi Jeruschalajim!“ Solange wir fried- und heimatlos über die Erde ziehen, solange wird es uns verwehrt sein, selbst unsre Freudenfeste freudig zu feiern, Denn stets wird es irgendwo auf Erden Freunde, Rn die Leser des ״Jüdischen Echos“! Trotz aller Schwierigkeiten, die der Krieg mit sich gebracht hat, ist es gelungen, das ״Jüdische Echo“ nicht nur zu erhalten, sondern das Blatt weiter auszubauen. Wir verdanken diesen Erfolg nicht zum geringsten Teile dem stetig wachsenden Interesse, das die jüdische Bevölkerung an unsrem Blatte nimmt. Man hat eingesehen, daß in Bayern eine jüdische Zeitschrift, die zu allen brennenden Tagesfragen Stellung nimmt, schon heute notwendig ist. Sie wird noch notwendiger werden, sobald unsre bürgerlichen Zustände eine Neuregelung erfahren, sobald der Burgfriede aufgehoben und über das Geschick der Ostjuden entschieden werden wird. Um das Bestehen des ״Jüdischen Echos“ auch weiterhin zu ermöglichen, müssen wir Jedoch den Kreis unsrer Abonnenten vergrößert sehen. Der geringe Bezugspreis von Mk. 1.— pro Vierteljahr ermöglicht jedem die Bestellung. Wir fordern unsre Leser, auch die, welche bisher das ״Jüdische Echos“ kostenlos erhielten, auf, sich der beiliegenden Bestellkarte zu bedienen. Neuen Abonnenten werden die beiden im 2. Vierteljahr schon erschienenen Nummern kostenfrei nachgeliefert.