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Das jüdische Echo · 1916-04-07 · 14 (7.4.1916) · p. Seite 126

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
14 (7.4.1916)
Date
1916-04-07
Page
Seite 126 (sequence 10)
Language
German
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126 Das Jüdische Echo Nr. 14 meine Schwägerin Jente mit dem Jakob geredet und ihn gebeten, er solle ja gut auf uns acht geben und alle Vorsicht gebrauchen und sich nur ja nicht betrinken, wie seine Gewohnheit war. Er sagte ihnen auch mit Hand und Mund zu sich nicht zu betrinken und nur nach seinem Bedarf zu trinken. Aber wie er das gehalten hat, werdet ihr gleich vernehmen. Am Sonntag früh reisten wir von Hannover weg, ich und meine Kinder — Gott behüte sie — auch die Magd und der Diener und mein geschickter Gehilfe Jakob. Nun reist auf dieser Fahrt immer der Postverwalter selbst mit, und dieser war, wie schon erwähnt, Jakobs Saufbruder. Der Jakob half uns nun auf die Wagen und machte alles zurecht; dann ging er und der Postverwalter neben den Wagen her. Ich dachte, sie würden bis außerhalb des Tores gehen und sich dann zu uns auf die Wiagen setzen. Als wir nun außerhalb des Tores waren, sagte ich zu Jakob, er solle sich nun mit dem Postverwalter auch setzen, damit wir uns nicht aufhielten und beizeiten in die Herberge kämen. Der Jakob aber sagte: „Fahrt ihr nur in Gottes Namen für euch; ich und der Postverwalter wollen noch um das Dorf gehen, weil der Verwalter einen im Dorfe sprechen will. Wir wollen so schnell gehen, wie ihr fahrt, und werden gleich wieder bei euch sein.“ Ich habe aber den geheimen Grund nicht gewußt. Das Dorf liegt dicht bei Hannover und heißt Langenhagen — es ist eine ganze Meile lang, und im ganzen Lande gibt es keinen besseren Broyhan als in diesem Dorf. So hat sich denn mein guter Helfer Jakob mit dem Posthalter hübsch in Langenhagen den ganzen Tag und ein gut Stück der Nacht zum Trinken hingesetzt. Ich wußte davon nichts; wir fuhren für uns und ich habe mich alle Augenblicke nach meinem Jakob umgesehen; aber wer nicht kam, war mein Jakob. So fuhren wir weiter bis an einen Paß, zwei Meilen von Hannover, wo man Zoll bezahlen muß. Der Postillon sagte, „Hier muß man Zoll bezahlen“. Ich bezahlte den Zoll und bat den Postillon weiterzufahren, damit wir beizeiten in die Herberge kämen. Denn es war ein Wetter, daß man keinen Hund hätte hinausjagen mögen — es war so um die Zeit von Purim — es regnete und schneite so durcheinander, und wie es vom Himmel auf uns gefallen ist, so ist es gefroren. Die Kinder litten sehr darunter und auch ich selbst. Ich bat den Postillon noch einmal, er sollte doch weiterfahren. „Er sieht ja wohl,“ sagte ich, „was das für ein Wetter ist, daß wir da unter freiem Himmel so stehen müssen.“ Der Postillon sagte aber: „Ich darf hier nicht wegfahren, bis der Posthalter kommt; der hat mir befohlen, ich soll hier so lange auf ihn warten, bis er mit Jakob zu uns kommt.“ Was sollte ich tun? Wir saßen noch zwei Stunden, bis der Zöllner kam, der uns vom Wagen steigen ließ und uns aus Mitleid in seine warme Stube nahm, wo sich die Kinder wieder durchwärmen konnten. Dort brachten wir auch noch eine Stunde zu. Dann sagte ich zu dem Zöllner; „Ich bitt* dich, Herr, mache doch, daß der Postillon fortfährt, damit ich vor Nacht mit meinen kleinen Kindern in die Herberge komme. Denn der Herr sieht ja wohl, was das für ein Wetter ist, daß man bei Tage nicht fortkommen kann. Wo soll man da in der finsteren Nacht hin? Wenn — Gott behüte — in der Nacht ein Wagen Umschlagen sollte, wäre es ia rein um den Hals zu brechen.“ Der Zöllner sagte darauf zum Postillon, er solle stracks fortfahren. Der Postillon erwiderte: „Wenn ich fortfahre, bricht der Posthalter Petersen mir den Hals und ich kriege keinen Pfennig als Fuhrlohn.“ Aber der Zöllner war ein wackerer, guter Mann und er nötigte den Postillon mit uns fortzufahren. „Wenn die beiden versoffenen Schelme kommen,“ sagte er, „mögen die jeder ein Pferd nehmen und nachreiten; ihr bleibt doch in der Herberge über Nacht liegen.“ So fuhr nun der Postillon mit uns fort; es war zwar böses Wetter, als wir fortfuhren, aber wir kamen doch hübsch bei guter Zeit in der Herberge an, wo wir eine gute, warme Stube und alles Entgegenkommen fanden. Obwohl die Stube voll von Fuhrleuten und anderen Reisenden steckte, daß es sehr eng darin war, so haben uns doch die Leute allen guten Willen gezeigt und Mitleid mit den Kindern gehabt, die keinen trockenen Faden an sich hatten. Ich habe ihre Kleiderchen zum Trocknen aufgehängt, so daß die Kinder wieder zu sich kamen. Wlir hatten auch gutes Essen bei uns und in dem Wirtshaus gab es ganz guten Broyhan. So konnten wir uns nach unserer mühseligen Reise an Essen und Trinken erquicken; wir haben noch lange in der Nacht aufgesessen und haben gemeint, daß unsere beiden Saufbrüder kommen sollten. Aber es kam niemand; da habe ich mir eine Streu machen lassen und mich mit meinen Kinder darauf gelegt. Ich konnte noch nicht schlafen, aber ich habe Gott gedankt, daß ich meine Kinder zur Ruhe gebracht hatte. So lag ich noch in Gedanken bis ungefähr um Mitternacht; da höre ich ein furchtbares Geschrei in der Stube. Der Posthalter kommt in seiner Trunkenheit mit bloßem Degen in die Stube und fällt über den Postillon her, um ihn zu töten, weil er für sich weitergefahren ist. Der Postillon verantwortet sich, so gut er kann. Der Wirt kommt auch herein und sie machen, daß der Posthalter sich endlich zufrieden gibt. Ich saß im Winkel und war so still wie ein Mäuschen; denn es ist ein Trunkenbold und ein Verrückter gewesen und ich bin doch in eitel Angst gewesen, daß ich den Jakob nicht gesehen habe. Ein Weilchen danach hat der Posthalter sich zum Essen hingesetzt und ich habe gesehen, daß ihm die Wut etwas vergangen ist. Da bin ich zu ihm gegangen und habe gesagt: „Herr Petersen, wo habt Ihr denn meinen Jakob gelassen?“ „Wo soll ich ihn gelassen haben? Er hat nicht weiter fortkommen können, da ist er an einem Zaun dicht an einem Wasser liegen geblieben; zur Stunde mag er schon versoffen sein.“ Das hat mich nun sehr erschreckt, ich habe nicht gewußt, was ich tun sollte; es ist doch ein Mensch und ein Jude gewesen, und ich war allein. Ich habe den Wirt gebeten, er sollte mir zwei Bauern schicken; die sollten sehen, daß sie ihn finden und herbringen. So sind die beiden Bauern geritten und eine halbe Stunde vom Dorf haben sie meinen guten Jakob wie einen Erschlagenen gefunden, abgemartert vom Weg und von der Trunkenheit. Er hatte einen guten Mantel und noch ein bißchen Geld bei sich gehabt; das war alles weg. So haben die Bauern ihn auf ein Pferd gesetzt und in die Herberge gebracht. Obschon ich sehr böse über ihn war, habe ich doch Gott gedankt, als ich ihn wieder zu sehen bekommen habe. Es hat mich über sechs Taler gekostet. Nun habe ich ihm etwas zu essen gegeben und meinen schönen Diener, der auf mich und meine Kinder aufpassen sollte, habe ich bedienen müssen. Als es Tag geworden ist, haben die Fuhrleute den Wagen gebracht, daß wir wieder fort sollten. Ich habe mich mit meinen Kindern und der Magd und dem Diener zu Wagen gesetzt und zu meinem Jakob gesagt er solle sich nun auch hinsetzen und es nicht wieder so machen wie vorher. Er sagte:

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