Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 9 (3.3.1916)
- Date
- 1916-03-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den' Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.-, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. —Verlag des „Jüdischen Echo": München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 PL — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für k 1 e i n e Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 9 München / 3. Jahrgang 3. März 1916 Zeichne! die vierte Kriegsanleihe! Das deutsche Heer und das deutsche Volk haben eine Zeit gewaltiger Leistungen hinter sich. Die Waffen aus Stahl und die silbernen Kugeln haben das ihre getan, dem Wahn der Feinde, daß Deutschland vernichtet werden könne, ein Ende zu bereiten. Auch der englische Aushungerungsplan ist gescheitert. Im zwanzigsten Kriegsmonat sehen die Gegner ihre Wünsche in nebelhafte Ferne entrückt. Ihre letzte Hoffnung ist noch die Zeit; sie glauben, daß die deutschen Finanzen nicht so lange standhalten werden wie die Vermögen Englands, Frankreichs und Rußlands. Das Ergebnis der vierten deutschen Kriegsanleihe muß und wird ihnen die richtige Antwort geben. Jede der drei ersten Kriegsanleihen war ein Triumph des Deutschen Reiches, eine schwere Enttäuschung der Feinde. Jetzt gilt es aufs neue, gegen die Lüge von der Erschöpfung und Kriegsmüdigkeit Deutschlands mit wirksamer Waffe anzugehen. So wie der Krieger im Felde sein Leben an die Verteidigung des Vaterlandes setzt, so muß der Bürger zu Hause sein Erspartes dem Reich darbringen, um die Fortsetzung des Krieges bis zum siegreichen Ende zu ermöglichen. Die vierte deutsche Kriegsanleihe, die laut Bekanntmachung des Reichsbank-Direktoriums soeben zur Zeichnung aufgelegt wird, muß der große deutsche Frühjahrssieg auf dem finanziellen Schlachtfelde werden. Bleibe Keiner zurück! Auch der kleinste Betrag ist nützlich! Das Geld ist unbedingt sicher und hochverzinslich angelegt. Die politische Gruppierung der deutschen Juden.*) Die Versuche der deutschen Juden, sich in der deutschen Politik neu zu orientieren, und an die von ihnen bisher gemiedenen rechtsstehenden Parteien Anschluß zu finden, sind ohne Zweifel von weittragender Bedeutung. Bei einer Prüfung und Beurteilung dieser Frage sei zunächst völlig ausgeschaltet (und einer gesonderten Untersuchung vorbehalten), inwieweit die bei einzelnen Juden vorhandenen konservativen Neigungen berechtigte oder gar zwingende Ursachen haben. Es sei vielmehr vorausgesetzt und als Tatsache genommen, daß ein großer und immer beachtlicher werdender Teil der deutschen Juden in dem Ideengebäude der liberalen oder der Linksparteien keine Befriedigung findet und mit Überzeugung wie Empfindung mehr nach der *) Wir behalten uns vor. auf diesen Aufsatz, mit dessen Inhalt die Redaktion d. Bl. nicht völlig übereinstimmt, zurückzukommen. rechten Seite neigt. Betrachtet man diese Tatsache ohne Voreingenommenheit, so wird man daran nichts erstaunliches finden; im Gegenteil, es muß im höchsten Grade als unnatürlich erscheinen, daß ein in wirtschaftlicher wie geistiger Hinsicht so durchaus nicht homogener Körper wie das deutsche Judentum bisher bei einer, der linksgerichteten Partei zu finden war. Man wird den Versuch einer Neueinstellung als völlig natürlich und naheliegend betrachten, wenn man einen, sei es auch noch so flüchtigen Blick, auf die Struktur dieses Körpers wirft: Da ist zunächst eine ganze Anzahl von Juden, die z. B. in ihren wirtschaftlichen Interessen dem „Kartell der schaffenden Stände" durchaus nicht ferner stehen als dem Linksliberalismus. Die Zahl dieser Juden hat infolge der raschen Industrialisierung des Landes stark zugenommen. Da ist ferner eine Gruppe von Intellektuellen, Forschern, Soziologen, deren politische Überzeugung durchaus nach rechts gerichtet ist: man lese nur den recht sachlichen und einleuchtenden Aufsatz von Franz Oopenheimer im Dezember-Heft der „Neuen Rundschau":