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Das jüdische Echo · 1916-02-25 · 8 (25.2.1916) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
8 (25.2.1916)
Date
1916-02-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halbj. M. 2.-, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V e r 1 a g des „Jüdischen Echo" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, flnzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf.— Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 530QQ. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 8 München / 3. Jahrgang 25. Februar 1916 1916 Wochenkalender (5676) Ijnn I Adar (frp*l Gottesd.: Febr. i ns Samstag 26 22 Morgens Hauptsyn. 8.30 Herzog Rud.-Str. 7.« Sabbath-Äusgang 6.83 Sonntag 27 23 Montag 28 24 Dienstag 29 25 März Mittwoch 1 26 Donnerstag 2 27 Freitag 3 28 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge S.45 Herzog Rud.-Str. 5.30 Inhalt! H. II' c-: Gegen Armennot und Bet- ———— telei! — Davis Trietsch: Erschließung der Türkei durch polnische Juden. — Das polnisch-jüdische Rätsel. — Welt-Echo. — Salomon Dembitzer: Die letzten Tage von Antwerpen. — Gemeindenu. Vereins-Echo usw. Gegen Ärmennot und Bettelei! An einem der letzten Januartage hat in der ganzen nordamerikanischen Union ein großer Judentag stattgefunden, an dem zugunsten der vom Kriege betroffenen, notleidenden Juden Sammlungen veranstaltet wurden. Die Idee dieses Judentages war wohl ursprünglich in jüdischen Köpfen entstanden, war aber dann dem Senat zur Ausführung übergeben worden, und tatsächlich wurde schließlich die Veranstaltung in solchem Maße als eine Angelegenheit der amerikanischen Bürger behandelt, daß man in jüdischen Kreisen eine Weile erwog, ob sich nicht Juden Von der ganzen Sache überhaupt fernhalten und sie ganz und gar den Amerikanern überlassen sollten. Nur das Bedenken, daß bei dieser Sammlung der amerikanische Jude eben als Amerikaner und nicht als Jude auftreten müsse, bewog schließlich zahlreiche Glaubensgenossen, sich an den Spenden und Sammlungen zu beteiligen. Der materielle Erfolg dieses „Judentages" beläuft sich auf 2 Millionen Dollar — eine verhältnismäßig stattliche Summe — und so wird dem verhungernden jüdischen Bettler in Polen, Galizien und Rußland demnächst ein Almosen zugeworfen werden, das ihn vor dem unmittelbaren Hungertode schützt und ihn vor Dankbarkeit gegen das großmütige, edle, hilfsbereite Amerika auf die Knie zwingt. Wir wollen das amerikanische Almosen nicht geringschätzig behandeln — wer ein Bettler ist, der muß eben mit solchen Spenden vorlieb nehmen und sich dafür bedanken. Aber wir wollen nicht so sehr zur Haltung des Bettlers herabsinken, daß wir die amerikanische Hand, die dem zurzeit elendesten Teile des jüdischen Volkes einen Gnadenpfennig hinwirft, voller Demut küssen, obwohl wir wissen, daß diese Hand — wenn ihr Besitzer nur gewollt hätte — die Ursachen des jüdischen Bettelloses hätte ausrotten können. In gewissen Kreisen hat man schon den Edelmut der amerikanischen Regierung: gepriesen, als man hörte, daß sie sich kürzlich zugunsten einiger unmenschlich mißhandelter jüdischer Personen, z. B. eines als Geisel verschleppten galizischen Rabbiners, bei der russischen Regierung verwendet hat. Der Judentag, der trotz und inmitter. des beginnenden Wahlrummels stattfand, wird diesen Kreisen als ein neuer Beweis gelten, daß Amerika — was man auch auf anderem Gebiet gegen seine Haltung vorbringen möge — sich jedenfalls den Juden gegenüber sehr menschlich benommen hat. Diese allzu Bescheidenen, für eine milde Gabe demütig Dankenden, mögen das. was Amerika den Juden gegeben hat. an dem messen, was es ihnen hätte geben können: Amerika war es gegeben, bei Kriegsausbruch diesen unseligen jüdischen Bettler, der sich jetzt von den Brosamen des amerikanischen Tisches sättigen muß, zu einem freien Menschen zu machen, denn hätte Amerika die Lieferung von Waffen an Rußland von der Bedingung abhängig gemacht, daß die russische Regierung den Juden die vollen Bürgerrechte gewähre, so wäre Rußland einfach gezwungen gewesen, diese Bedingung zu erfüllen. Amerika hat einmal — in der Frage des Handelsvertrages mit Rußland — den schwachen Versuch gemacht, für jüdische Rechte, die Rechte jüdischer Amerikaner einzutreten. Nun aber, da sich die Möglichkeit bot, an Rußland in ungeheurem Maße zu verdienen, hat man seinem Rückgrat einen Knick gegeben und hat bei der Wahl zwischen einem bequemen und ungetrübten Geschäftsverkehr auf der einen Seite und dem Eintreten für die Befreiung eines unterdrückten, geknechteten Volkes auf der andren Seite den Weg gewählt, auf dem weniger Ehre und mehr Gewinn einzuheimsen war.' Neben dieser Unterlassung einer gewaltigen Wohltat steht aber eine wirklich schwere Sünde, die Amerika gegen die östlichen Juden zu begehen

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