Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 7 (18.2.1916)
- Date
- 1916-02-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel]'. M. 1.—, Halb). M. 2.-, Ganzj. M.4.—, Einzelnummer 10 Pf. —Verlag des „Jüdischen Echo" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, Giselastr. 15. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 7 München / 3. Jahrgang 18. Februar 1916 1916 Wochenkalender (5676) Ijnn I. Adar Febr. i ms NBTI ^Gottesd.: Samstag 19 15 Morgens Hauptsyn. 8.30 Herzog Rud.-Str. 7.« Sabbath-Äusgang 6.'22 Sonntag 20 16 Montag 21 17 Dienstag 22 18 Mittwoch 23 19 Donnerstag 24 20 Freitag 25 21 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 5.45 Herzog Rud.-Str. 5.3° Inhalt: Ephraim ——— schulen? L.: Jüdische National- Curt Nawratzki: Die asiatische Türkei und ihre Besiedelung. — Welt- Echo. — Zeitungs-Echo. — Priester: Solomon Schechter. — Gemeinden- und Vereins-Echo. — Leser-Echo usw. Jüdische Nationalschulen? Das schwere Problem der Schulirase. das sich in den besetzten polnischen Gebieten ergeben hat, hat die Aufmerksamkeit des iüdischen Publikums wiederum auf die Schulverhältnisse in Galizien gelenkt, die vom jüdisch-religiösen und jüdischnationalen aber auch vom rein pädagogischen Standpunkt aus wiederholt eine vernichtende Kritik erfahren haben. Ein Freund unseres Blattes, der zugleich ein Fachmann auf dem Gebiet des Erziehungswesens ist, setzt im Rahmen einer längeren Arbeit über galizische Schulen, die ärgsten Mißstände des galizischen Schulwesens auseinander. Wir entnehmen dem Aufsatz unseres Mitarbeiters, der energisch für die Einführung jüdischer Konfessionsschulen in Österreich eintritt, die folgenden Ausführungen: Die galizischen Schulen sind katholisch-konfessionelle Schulen: es soll hier nur erwähnt werden, daß dort nicht nur vor und nach dem Unterrichte gebetet wird, sondern auch in den Mittelschulen vor der Maturitätsprüfung und auch in solchen Schulen, in denen Juden 70% alier Schüler bilden, und die christlichen Schüler kaum 30% ausmachen. Trotzdem wird vor und nach dem Unterrichte ein Vaterunser gebetet, Kruzifixe hängen in den Schulzimmern. Und wenn in allen Volksschulen Österreichs der Leiter der Schule und die Majorität der Lehrer der Konfession, die die Majorität der Schüler bilden, entnommen werden muß, so haben die Polen es im Reichsrate durchgesetzt, daß für Galizien ein Ausnahmegesetz geschaffen wurde. In Schulen, in denen 80% jüdische Schüler sitzen, gibt es nicht nur keine jüdischen Lehrer, ia sogar die Lesebücher der polnischen Schulen, die doch konfessionell katholisch sind, bilden die Grundlage des Unterrichtes in Schulen mit absoluter jüdischer Majorität. Es werden zwar hie und da jüdische Lehrer ernannt, aber diese Lehrer bilden einen verschwindenden Prozentsatz. Leider liegen heute keine statistischen Daten der galizischen Volksschulen vor, aber wenn wir uns die Mittelschule ansehen, kommen wir zur Einsicht, wie schlecht es um die Juden bestellt ist. Im Jahre 1905 waren in 33 polnischen Gymnasien 21 040 Schüler, darunter 14 007 Polen, 4920 Ruthenen und 4697 Juden, das sind 22.33%, wogegen die jüdischen Mittelschullehrer nur 4% der Lehrerschaft bilden. (In den Realschulen bilden die Juden sogar 27.06% aller Schüler.) Diese Schule sorgt in keiner Weise für die religiöse Erziehung der iüdischen Schüler: 56% der Mittelschüler, d. h. die Polen, haben 87 Religionslehrer. die Ruthenen, die 20.65% aller Mittelschüler ausmachen, haben 41 Religionslehrer, während auf 4697 jüdische Gymnasiasten nur 4 jüdische Religionslehrer, auf 2 7.06 % jüdische Realschüler 0.2% entfallen. So stiefmütterlich wird sonst nirgends eine Religion behandelt. Es soll noch erwähnt werden, daß 181 jüdische Schüler in Brzezany, 167 in Buczacz. 209 in Drohobycz, 218 in Kolomea, 234 in Przemvsl. 126 in Sambor, 433 in Tarnopol, 123 in Zloczow keinen oder fast keinen jüdischen Religionsunterricht haben. Man hätte erwarten können, daß der Landesschuirat, der dem Religionsunterricht in den Schulen die führende Stellung gibt, auch dafür sorgen werde, daß die Juden mindestens eine religiöse Erziehung in der Schule genießen. Es scheint aber im Interesse derer, die im Landesschulrat die jüdische Konfession repräsentieren, zu liegen, daß die jüdischen Schüler ihre Religion in der Schule geradezu verlieren. Die Vertreter wissen, daß die Religion eines der Hindernisse ist, die das Aufgehen der Juden im Polentum unmöglich machen, daher wollen sie sich nicht einmal für Ernennung: jüdischer Religionsichrer einsetzen. Was bedeutet nun eine katholisch-konfessionelle Schule für den jüdischen Schüler?