Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 6 (11.2.1916)
- Date
- 1916-02-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstaltcn oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel]. M. 1.—, Halbj. M. 2.-, Qanzj. M.4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Ver 1 ag des „Jüdischen Echo" : München, Herzog Maxstr.4. — R e d ak t i o n : Helene Hanna Cohn, München, Qiselastr. 15. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 6 München / 3. Jahrgang 11. Februar 1916 1916 Wochenkalcnder (5676) lJTin I. Adar Febr. 1 YTK HlSn Gottesd.: Samstag 12 8 Morgens Hauptsyn. 8.30 Herzog Rud.-Str. I.*6 Sabbath-Rusgang 6.u Sonntag 13 9 Montag 14 10 Dienstag 15 11 Mittwoch 16 12 Donnerstag 17 13 Freitag 18 14 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 5.tö Herzog Rud.-Str. 5.30 Inhaltl Helene Hanna Cohn: Auswanderung _ der polnisch - russischen Juden nach der Türkei. — Jacob Frankel: Professor Jacob (Koppel) Herz — Welt-Echo. — Paul Barchan: Das jüdische Ufer. — Gemeindenu. Vereins-Echo. Auswanderung der polnisch-russischen Juden nach der Türkei? Am 29. Januar erschien unter diesem Titel im „Berliner Tageblatt" ein Aufsatz von Professor Dr. Alfred P h i 1 i p p s o n. Wenn man diesen Aufsatz durchliest, so könnte man auf den Gedanken kommen, es sei dem Verfasser hauptsächlich darum zu tun gewesen, in den Köpfen eines kritiklosen Publikums eine heillose Verwirrung anzurichten, in ihnen eine möglichst große Unklarheit zu schaffen über: erstens: das Wesen und die Ziele des Zionismus; zweitens: die Besiedlungs- und Ausnutzungsfähigkeit der asiatischen Türkei: drittens: die Möglichkeit, den russisch-polnischen Juden aus seiner jetzigen Umgebung und seinen jetzigen Beschäftigungen heraus und einer andersgearteten Umgebung und anderen Berufen zuzuiüh.ren. Professor Philippson legt seinem Aufsatz die folgende Anschauung zu Grunde: der Zionismus erstrebt eine jähe Lösung der polnischrussischen Judenfrage; sein Ziel ist es, sämtliche Juden Polens und Rußlands im Laufe weniger Wochen oder Monate nach Palästina zu verpflanzen. Eine Anschauung, die darauf schließen läßt, daß der Autor vom Zionismus nichts weiter kennt als Theodor Herzls schwungvolles Dichtwerk „Der Judenstaat". (Wer über die Ziele einer großen, weltumspannenden Volksbewegung so wenig unterrichtet ist, dem sollten eigentlich die Spalten einer weitverbreiteten Zeitung für Erörterungen dieses Themas verschlossen bleiben.) Auf dieser Anschauung fußend, kommt der Verfasser selbstverständlich zu dem Ergebnis, daß der Zionismus ein unausführbarer Gedanke sei. Er schreibt: „Bekanntlich haben die Zionisten seit ungefähr zwanzig Jahren die Ansiedlung der osteuropäischen Juden und Gründung eines selbständigen Staates!in Palästina auf ihre Fahne geschrieben. Man sollte es kaum für möglich halten, und doch ist es augenblicklich der Fall, daß die Führer der zionistischen Bewegung sich nie vergewissert haben, wie groß denn eigentlich Palästina ist. denn sonst müßte das ganz Phantastische ihres Planes ihnen selbst sofort augenfällig geworden sein." Professor Philippson belehrt dann die Führer der zionistischen Bewegung darüber, daß in Palästina für die Ansiedlung höchstens einer halben Million Juden Kaum sei und glaubt mit der Feststellung dieser Tatsache das Todesurteil des Zionismus ausgesprochen zu haben. Der zweite Leitsatz des Philippson'schen Aufsatzes hat etwa folgenden Inhalt: Da das zionistische P a 1 ä s t i n a -1 d e a 1 unausführbar ist, so wird in gewissen Kreisen (ob in zionistischen oder andren, läßt der Verfasser dahingestellt) der Plan erwogen, die gesamte r u s s i s c h - p o 1nische Judenheit plötzlich nach andren Teilen der asiatischen Türkei zu verpflanzen, um sie dort zu Ackerbauern zu machen. Die Frage, ob dieser Plan ausführbar ist. beantwortet Profesor Philippson in folgender Weise: Das Land ist zwar von unermeßlicher Ausdehnung, von hoher Fruchtbarkeit und bietet unschätzbare Möglichkeiten der Ausnutzung; da es aber stellenweise noch der Bewässerung und der Erschließung durch Verkehrsstraßen und Eisenbahnen entbehrt, s o ist es für die Ansiedlung mehrerer Millionen von Ackerbauern ungeeignet. Der dritte Teil der Philippson'schen Erörterungen gipfelt in der Frage: Gesetzt den Fall, daß die asiatische Türkei dennoch innerhalb einiger Jahre einige weitere Millionen von Bewohnern aufnehmen könnte, wären dann gerade die polnisch-russischen Juden das zur Besiedlung und Erschließung