Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 5 (4.2.1916)
- Date
- 1916-02-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 5 München / 3. Jahrgang 4. Februar 1916 Er s cheinungs z e i t: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.-, Qanzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Ver 1 ag des „Jüdischen Echo": München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, Giselastr. 15. 1916 Wochenkalender (5676) lJTin I. Adar Samstag Febr. 1 -nx Neumondankünd. rwn Gottesd.: 5 i Morgens Hauptsyn. 8.30 Herzog Rud.-Str. 7.« Sonntag 6 2 Sabbath-Äusgang 6.01 Montag 7 3 Dienstag 8 4 Mittwoch 9 5 Donnerstag 10 6 Freitag 11 7 Neumond Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 5.15 Herzog Rud.-Str. 5.16 Inhalt! Helene Hanna Cohn: Eine national- ———— jüdische Bilanz. — Priester: Jüdische Farmer in Amerika. — Eine amerikanische Stimme über die Judenfrage. — Welt-Echo. — Heinrich Loewe: Jüdische Volkserzählungen aus Polen. — Literarisches Echo. — Gemeinden- und Vereins- Echo. — Leser-Echo usw. Eine nationaljüdische Bilanz. Im Kriegsjahr 1915 betrugen die Einnahmen des Jüdischen Nationalfonds über eine halbe Million Mark und blieben — wenn sie auch nicht die volle Höhe der Einnahmen im letzten Friedensjahre erreichten — doch nicht beträchtlich hinter jenen zurück. Um dieses Ergebnis richtig zu bewerten, muß man sich verschiedene Punkte klar machen. Man muß sich in erster Linie über das Wesen des Jüdischen Nationalfonds Rechenschaft geben: ein Fonds zum Ankauf von Grund und Boden in Palästina als unveräußerlichen Besitz des jüdischen Volkes. Eine Aufgabe also, die durch den Krieg eine empfindliche Störung erlitten hat und im Augenblick nur als eine Zukunftsaufgabe bezeichnet werden kann. Man muß sich ferner sagen, daß dieser Zukunftsaufgabe eine unübersehbare Zahl von Gegenwartsaufgaben gegenübersteht, die an den Einzelnen die höchsten Anforderungen stellen. Nie zuvor haben die Erhaltung des Staates und die private Wohltätigkeit den Einzelnen so viele Opfer gekostet wie heutzutage — Opfer, die bei Vielen fast bis zur Grenze ihrer materiellen Leistungsfähigkeit reichen. Ferner bedenke man die Schwierigkeiten, die heute den Sammlungen einer über alle Länder der Welt verteilten Organisation, wie der Jüdische Nationalfonds es ist, entgegenstehen, man bedenke die schwere finanzielle Schädigung vieler Existenzen durch den Krieg, weiterhin die große Zahl derer, die in den Armeen Europas kämpfen und weder die Zeit noch die Mittel haben, an irgendeine fernerliegende Bestrebung zu denken; man vergleiche endlich das Ergebnis der Nationalfonds-Sammlung mit den Einnahmen irgendeiner andren Körperschaft, die auf Süenden aus den verschiedensten Staaten angewiesen ist. Man wird dann zu dem Ergebnis kommen, daß das vom Jüdischen Nationalfonds erzielte Resultat äußerst befriedigend ist. Diese Tatsache ist von hoher symptomatischer Bedeutung; zeigt sie doch, daß das national-jüdische Ideal, dessen Untergang und Bankerott zu Beginn des Krieges prophezeit worden war, nicht allein lebt und wirksam ist, sondern in den vom Kriege verschonten Ländern sogar eine neue Schar von Anhängern geworben hat. Wem klingen nicht noch die Prophezeiungen der ersten Kriegsmonate in den Ohren? Streng nach Nationen geschieden, stand die Menschheit sich plötzlich gegenüber, nichts mehr galt die Überzeugung des Einzelnen gegenüber den Pflichten gegen den Staat, in dessen Mitte er lebte. Diese strenge Einordnung der Juden in die übrigen Nationen — meinten die Gegner des Zionismus — bedeutete den Untergang der zionistischen Organisation. Die jüdische Jugend eilte zu den Waffen. Junge Juden jeglicher Parteirichtung drängte es teilzunehmen an der Verteidigung des Landes, zu dessen Bürgern sie zählten. Diese Hingabe an den Staat — meinten die Gegner des Zionismus — bedeutete die Aufgabe des nationaliüdischen Ideals. Beide Hoffnungen sind zunichte geworden. Die zionistische Organisation arbeitet, wenn auch mehr nach Landsmannschaften geschieden, allerorten mit greifbaren Resultaten und harrt des Augenblicks, da ihre Glieder sich wieder zu einem Gesamtkörper zusammenschließen können. Und die Zionisten, selbst die, welche ihr Leben für Deutschland oder Österreich oder eine der Ententemächte hingegeben haben, sind mit wenigen Ausnahmen bis zum letzten Atemzuge ihrem Ideal ergeben geblieben. Die Ereignisse selbst haben dafür gesorgt, daß an die Stelle einzelner, die vielleicht wirklich im ersten Überschwang vom Zionismus abfielen, neue Anhänger des jüdischen Nationalgedankens getreten sind. Zuerst erwies sich der Traum vom