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Das jüdische Echo · 1916-01-28 · 4 (28.1.1916) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
4 (28.1.1916)
Date
1916-01-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel). M. 1.-, Halbj. M. 2.-, Qanzj. M.4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Verlag „des Jüdischen Echos": München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weldler, München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — ' Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog! Maxstraße4. Fernsprecher: 8099. 1 Postscheckkonto: München 5987. Nummer 4 München / 3. Jahrgang 28. Januar 1916 1916 Wochenkalender (5676) ljnn Schvath Jan. tt3tl> Neumondankünd. Samstag D'ÜSÜS'Ö Qottesd.: 29 24 Morgens Hauptsyn. 8.30 Sonntag Herzog Rud.-Str. 7.« 30 25 Sabbath-Äusgang 5.50 Montag 31 26 Febr. Dienstag 1 27 Mittwoch 2 28 Donnerstag 3 29 Freitag 4 30 Neumond Sabbath-Eingang: Haupt - Synagogt 5.15 Herzog Rud.-Str. 5.15 Inhalt! Marx: Liberal oder konservativ? * — Nagler: Die Kriegshilfsausstellung in Wien. — al: Noch einiges zum Ostjudenproblem. — Z'bi: Zahlen beweisen. — Ivri: Der Untergang der deutschen Juden! — Welt-Echo. — Schalom Asch: Das letzte Gebet. — Literarisches Echo. — Zeitungs-Echo. — Gemeindenu. Vereins-Echo usw. Liberal oder konservativ? In einem Teil der deutschen Judenheit bereitet sich seit kurzem eine Neuorientierung ihrer deutsch-politischen Meinung vor. Der Liberalismus, dem heute noch bei weitem die Majorität der deutschen Juden angehört, beginnt einer gewissen Kritik unterworfen zu werden. Der deutsche Jude, soweit er ein positives Judentum vertritt, ist als Jude konservativ gerichtet, in der deutschen Politik aber gewöhnlich liberal. Dieser Widerspruch findet darin seine Erklärung, daß die linksstehenden Parteien Deutschlands bis heute als besonders judenfreundlich galten. Wenigstens traten sie für die faktische bürgerliche Gleichberechtigung der Juden ein. In dem Augenblick aber, wo auch andere deutsche Parteien das Eintreten für die Gleichberechtigung der Juden in ihr Programm aufnehmen, steht es dem Juden frei, die ihm innerlich am meisten zusagende zu wählen. Und es wäre verwunderlich, wenn der in jüdischen Dingen konservativ gesinnte Jude nicht die diesem Konservatismus analoge deutsche Partei wählte — vorausgesetzt natürlich, daß ihre Judenfreundlichkeit der der liberalen gleichkommt. Diesem in letzter Zeit häufig zutage tretenden Gedankengang widmet Dr. S. Gerson in der jüngsten Nummer der Wochenschrift für konservativen Fortschritt „Das neue Deutschland" einen Aufsatz, in welchem eine ganze Reihe Argumente f ü r den Anschluß der deutschen Juden an die konservativen Parteien und gegen ihr Zusammengehen mit dem Liberalismus angeführt werden. Der Verfasser bekämpft die allgemein verbreitete Anschauung, daß das gesamte deutsche Judentum linksliberal und die liberale deutsche Presse ■— mit dem „Berliner Tageblatt" an der Spitze — ihr Repräsentationsorgan sei. Wenn die dem politischen Radikalismus abholden jüdischen Elemente bisher im öffentlichen Leben Deutschlands nicht in die Erscheinung getreten seien, so liege das an dem mächtigen Einfluß der von Juden minder positiv-jüdischer Richtung geleiteten liberalen Zeitungen, welche die öffentliche Meinung machen und alles totschweigen, was nicht in ihren Interessenkreis gehört. Welche Aussichten auf Verbreitung unter den deutschen Juden diese jüngste jüdische Strömung haben wird, läßt sich heute noch nicht übersehen. Es wird dabei viel auf das Verhalten der deutschkonservativen Kreise zu ihren neuen jüdischen Parteifreunden und zur jüdischen Frage überhaupt ankommen. Aber das eine läßt sich heute schon feststellen, daß das geistige Rüstzeug dieser jüschen Kreise für ihre Argumentation gegen den assimilationsfördernden Liberalismus der jüdischnationalen Waffenkammer entnommen ist. Der jüdische Konservative empfindet es charakteristisch für die Stellungnahme des Liberalismus und Konservatismus jzur Judenfrage, daß vor kurzem Gouverneur von Puttkamer sich für die Autonomie der polnischen Juden einsetzte und diese Forderung „ebensosehr mit allgemein menschlichen Empfindungen wie mit ernsthaften Erwägungen deutscher Machtoolitik" zu begründen weiß, während zur selben Zeit das „Berliner Tageblatt" im östlichen Judentum nur den „unheilbar kranken Organismus", der zertrümmert werden müsse, erblickt und sogar den Staat vor einer Förderung der jüdischen Wünsche warnt, da es in seinem Hasse gegen jegliche Art von Strenggläubigkeit die Assimilierung der Juden an die Polen als den einzig gangbaren Weg ansieht. „Ginge es nach ihm" — so klagt der Verfasser — „so sollten dem Moloch „Menschheitsverbrüderung" zwei Millionen Seelen mit ihrem Schatz an religiösen Traditionen, Erlebnissen und Zukunftshoffnungen geopfert werden." Das ist die Sprache, wie wir sie in Kreisen der jüdisch-nationalen Bewegung — allerdings konsequenter . und selbständiger — seit Jahrzehnten hören. Und wir haben alle Ursache, dieser jüng-

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