Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 2 (14.1.1916)
- Date
- 1916-01-14
- Page
- Seite 16 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Das Jüdische Echo Der Materialismus, der besonders die Akademiker beeinflußte, aber alle gehobenen Schichten des deutschen Judentums durchtränkte; der verstiegene Rationalismus, der, ein Erbteil einer langen Entwicklung, immer schrankenloser sich den Hemmungen überkommener Gefühlswerte entzog; der verantwortungslose Individualismus, der die bekannten Erscheinungen einer starken Überreiztheit und Zügellosigkeit hervorrief, diese haben zu der schlimmsten „Äußerung" des modernen Judentums geführt: zur Kinder taufe. „Der Jude des Ghetto war sich bewußt, daß sein Ich das Produkt einer^ Reihe von Ichs ist." Diese Pietät, die in seiner Religion verankert war und seinen Willen zur Erhaltung lebendig erhielt, gab dem Juden die Elternwürde, die der feste Halt jeder Erziehung ist. Sie wieder wachzurufen ist das Verdienst des Krieges, der als Erzieher wirkt. Der Idealismus, der aus der deutschen Philosophie geboren, auch den deutschen Juden aufrüttelte, vernichtete den Materialismus; die Betonung des gefühlsmäßig empfundenen Willens zur Gemeinschaft ließ die einseitige Hervorkehrung des Verstandesmäßigen zurücktreten; der soziale Gedanke, der heute dem deutschen Volke in seiner Gesamtheit Gemeingut wurde, hat den Hyperindividualismus bei Seite geschoben. Mit Berechtigung wieß hiebei der Redner auf den Wechsel in der Beurteilung hin, die nach den Erfahrungen der inneren Kriegsgesetze notwendigerweise der vielgeschmähte jüdische Ritualismus finden müsse. Nicht mehr dürfe er als verwerflicher Eingriff in das Einzelleben angesehen werden, vielmehr müsse der soziale Kern seines Sinns mehr als bisher herausgeschält werden. Überhaupt sei als die Macht, die die wahrhaft förderlichen Elemente des Idealismus, des Sozialismus und der Autorität enthalte, die Religion anzusehen. Die Religion Israels, des Gottesstreiters, ist als die Religion der Wahrhaftigkeit gerade in unseren Tagen erkannt worden als bedeutendstes Bollwerk gegen die zerstörenden Wirkungen des Materialismus, des Rationalismus und des Individualismus. Sie zu erhalten und zu pflegen ist vornehmste Pflicht der Hüter der Zukunft, der Eltern und der Erzieher. — Der reiche Beifall der dem Redner lohnte, zeigte ihm, daß seine Worte auf fruchtbares Erdreich gefallen waren. Z'ni. Berlin. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums versendet ihren 13. Jahresbericht. Des im November d. J. verstorbenen Herrn Professor Dr. Leopold Cohn-Breslau, der ein verdientes" Mitglied des Ausschusses war, wird in ehrenden Worten gedacht. Die Arbeiten der Gesellschaft und ihre Veröffentlichungen hatten naturgemäß unter den Wirkungen des Krieges zu leiden; nicht nur, daß die wissenschaftlichen Kräfte teilweise sich andern, dringenderen Aufgaben zuwenden mußten, auch der Mangel an geeignetem Setzerpersonal für den teilweise sehr schwierigen Druck hat das Erscheinen vollendeter Arbeiten unmöglich gemacht. Daß die Arbeiten der Gesellschaft in diesem Kriegsjahre dennoch nicht geruht haben, zeigen die ausführlichen Berichte der einzelnen wissenschaftlichen Unternehmungen. Recht beachtenswert sind auch die Ausführungen des Berichtes über die Aufnahme, welche die Werke der Gesellschaft bei berufenen Beurteilern finden; ihre Urteile verzeichnet der Bericht mit „Genugtuung". Denn sie geben dem Vorstande der Gesellschaft die Zuversicht, daß sie auch die Schwere dieser Zeit überwinden werde. Der Bericht schließt mit einem warmen Aufruf zum Beitritt zu der Gesellschaft, um ihr Mittel zuzuführen, „in einer hoffentlich nicht mehr fernen, friedlichen Zeit sich den größeren Aufgaben und Zielen widmen zu können, die dann ihrer harren." Die Gesellschaft stellt zu Beginn des neuen Jahres ihren Mitgliedern gegen eine geringe Versandgebühr ein wertvolles Werk völig umsonst zur Verfügung; hierüber ist näheres aus dem Bericht zu ersehen, der von Herrn Syndikus Dr. Nathan, Hamburg, Werderstraße 30, k o s t e n 1 o s zu beziehen ist. — In der vom stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Prof. Guttmann- Breslau geleiteten Mitgliederversammlung wurde mit Befriedigung festgestellt, welch hohe Bedeutung dem Judentum als geistiger Gemeinschaft im Kulturleben der Menschheit zukomme. Großen Anteil an dieser Wertschätzung habe zu allen Zeiten die Pflege der Wissenschaft im Judentum gehabt. Daß diese Pflege auch in unseren Tagen ermöglicht würde, sei sehr erfreulich; besonders eine größere Spende sei hervorzuheben. Durch solche Mittel sei die Veröffentlichung je eines weiteren Bandes des C o r p,.u s T a n n a i t i c u m und der Germania Judaica. der beiden großen wissenschaftlichen Unternehmungen der Gesellschaft, für das Jahr 1916 gesichert. Nach Erstattung des Jahresberichts und Ehrung der Toten wurden die Wahlen vorgenommen, die die Wiederwahlen des bisherigen Ausschusses und Vorstandes ergaben. Im Anschluß hieran schilderte Herr Prof. Dr. B. Pick -Gotha in einem durch Lichtbilder unterstützten Vortrag das altjüdische Münzwesen von der ältesten Zeit bis in das erste Jahrhundert der üblichen Zeitrechnung, bis zum Bar-Kochba-Aufstand. Reicher Beifall dankte dem Redner. PIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH J Die Geburt eines gesunden Knaben zeigen § H hocherfreut an | Dr. Raphael Straus und Frau Erna t geb. Lubarsch | | MÜNCHEN, Rauchstr. 4, 12. Jan. 1916. äiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiM ^■s^» Neueröffnet! i£o Das erste in seiner Ml y otel 3^estau*atvt Schillerstraße 40 (nächst Hauptbahnhof) Moderne behagl. Zimmer, elektr. Licht, Bad usw. Billige Preise. Vorzügliche österreichische Küche. Spezialität: Wiener Mehlspeisen, polnische u. böhmische Fische, pikante Frühstücke. — Erstklassige Getränke aller Art. Amerie. Surgeon Dentist \ OSKÜR STAHL L.D.S. Nach!. JOSEF HERZOG ' Schil!erstr.43/I Tel. 52600 \ Lordiniert von 10—1 u. 3—5 Uhr. ( i Sonntag nur nach vorheriger flnmeldung. < Zur Notiz! Diese Nummer enthält das Inhaltsverzeichnis zum 2. Jahrg. (1915) des „Jüdischen Echo". Druck und Verla«: B. Heller. Buchdrockerei, München, Herzog Maxstr. 4 Terantwortlich für die Redaktion i. V.: Theo Harburger, München, Marienplatz 29; für den Anzeigenteil: H. W. Stöhr, München.