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Das jüdische Echo · 1916-01-14 · 2 (14.1.1916) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
2 (14.1.1916)
Date
1916-01-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten j Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder I den Verlag. — Bezugspreis: Viertel]. M. 1.-, Halbj. M. 2.-, Qanzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. - V e r 1 a g „des Jüdischen Echos" : München, Her- I zog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert j Weldler,München-Solln, Erikastraße 6. Nummer 2 Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog i Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 5987. München / 5. Jahrgang 14. Januar 1916 1916 Wochenkalender (5676) Ijnn Jan. Schvath 81tS> Samstag 15 10 Sonntag 16 11 Montag 17 12 Dienstag 18 13 Mittwoch 19 14 Donnerstag 20 15 Freitag 21 16 n^ttQ Gottesdienste: Morgens Hauptsyn. 8.30 Herzog Rud.-Str. 7.« Sabbath-flusgang 5.30 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 5.K Herzog Rud.-Str. 4.51 Inhalt! A. Lauer: Zur Lösung der Ostjuden- — frage. — F. K. Endres: Die Juden der Türkei. — Welt-Echo. — Der wirkliche Shylok. — Literarisches Echo. — Gemeinden- und Vereins- Echo. Zur Lösung der Ostjudenfrage Mit dem Einmarsch der verbündeten deutschen und österreichisch-ungarischen Heere in Polen hat die Frage nach der rechtlichen Stellung der Ostjuden in der allgemeinen Öffentlichkeit einen regen Gedankenaustausch hervorgerufen, an dem sich natürlich auch die jüdische Öffentlichkeit stark beteiligt hat, ohne leider bisher selbst brauchbare Vorschläge zu bringen, an die sich eine fruchtbare' Diskussion hätte anknüpfen lassen. Eigentümlicherweise stammen die bisher überhaupt gezeichneten Richtlinien zur Lösung dieser jüdischen Frage von Nichtjuden. Die meisten jüdischen Organisationen sind noch im Unklaren, ob sie überhaupt eine Stellung zur Ostjudenfrage einnehmen sollen. Als die Broschüre des kaiserl. geh. Regierungsrates Georg Fritz über die Ostjudenfrage erschien, ereiferte man sich über die Forderung eines Grenzschlusses — wir sollten es gutheißen, daß unsern notleidenden Brüdern im Osten Rechte versagt würden, die wir selbst besitzen — andere nahmen Anstoß an dem Kompliment, das der kaiserl. geh. Regierungsrat den Zionisten macht, obwohl es von diesen sofort als zu liebenswürdig zurückgewiesen wurde; schließlich fühlten sich manche — und das sind gar nicht wenige — ganz angenehm berührt von dem Gedanken eines völligen oder zumindest bedingten Grenzschlusses, weil ihnen über alles der Wunsch geht, den Antisemitismus von sich selbst um jeden Preis fernzuhalten. Positive Gegenvorschläge sind jedoch nicht gemacht worden. Die Frage brennt aber doch. Beim Friedensschluß spätestens soll sie gelöst werden. Und die deutsche Regierung, die sie aller Wahrscheinlichkeit nach zu lösen haben wird, nimmt doch sicher Interesse an der Meinung der deutschen Juden. Diese also müssen unbedingt nach einer annehmbaren Lösung der Ostjudenfrage suchen, und zwar muß es eine allen Parteirichtungen der jüdischen Organisation angemessen erscheinende Lösung sein. Ein solcher Vorschlag wird sicher der deutschen Regierung erwünscht und, wenn er tatsächlich dem Gros der deutschen Judenheit entstammt, der Berücksichtigung wert erscheinen. Neuerdings hat in bemerkenswerter Weise wieder ein Nichtjude einen Weg gezeigt, auf dem die Judenfrage zu lösen wäre. In der Nummer vom 23. Dezember 1915 des „Tags" erschien eine Äußerung des Gouverneurs v. Puttkammer, betitelt: Eine Kulturfrage im Osten, die uns so interessant erscheint, daß wir sie hier in extenso wiedergeben möchten: „Als unsere siegreichen Armeen in Polen einmarschierten, haben die vereinigten Oberkommandos der deutschen und österreichisch-ungarischen Armeen sich sofort mit den für die einheimische Bevölkerung wichtigsten Lebensfragen beschäftigt. Wie die Dinge liegen, steht da ohne Zweifel im Vordergrund die Frage des zukünftigen Geschicks der polnischen Juden. In weiser Erkenntnis dieser Sachlage und mit weit vorausschauendem Blick hat die oberste Heeresleitung beim Betreten des okkupierten — nicht feindlichen — Gebiets einen in deutscher, jüdischer und polnischer Sprache abgefaßten Erlaß an die Juden in Polen gerichtet, aus dem die folgenden Sätze hervorgehoben sein mögen: „Unsere Fahnen bringen euch Recht und Freiheit; gleiches Bürgerrecht. Freiheit für euren Glauben, Freiheit, ungestört zu arbeiten in allen Zweigen des ökonomischen und kulturellen Lebens in eurem Geist. Als Freunde kommen wir zu euch." Wenn so von der Armeeleitung selbst die hohe Bedeutung dieser Frage anerkannt worden ist. so wird es nunmehr eine der Hauptaufgaben der in Polen inzwischen eingerichteten Zivilverwaltung sein, sich weiter und intensiv mit der Angelegenheit zu beschäftigen.

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