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Das jüdische Echo · 1915-12-31 · 52 (31.12.1915) · p. Seite 439

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
52 (31.12.1915)
Date
1915-12-31
Page
Seite 439 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 52 Das Jüdische Echo 439 gatem Erfolg weist er nach, daß Kleidung und Gebahren nicht die Kultur ausmachen, und daß eine innere Verschiedenheit zwischen uns und jenen kaum vorhanden ist. Wenn er. durch seine dialektischen Gaben verführt, sich gelegentlich in zu scharfen und paradoxen Bildern und Aus drücken gefallt, — so nennt er z. B. einmal die Europäer Kandidaten des Judentums — so kann das dem starken Eindruck seiner Plauderei nicht viel schaden. Dr. Schemarjahu Lewin hat einen ausgezeichneten Aufsatz: „Volk, Land, Sprache" zum Kaien der beigesteuert. In feiner Weise entwickelt er zunächst den Wert der nationalen Sprache dann wendet er sich seinem eigentlichen Thema zu, der modernen Entwicklung des Hebräischen aus einer toten zur lebendigen Sprache. Als Berufener weist er die Angriffe zurück, die Unkundige gegen das Hebräische erheben, zumal den, die hebräische Sprache könne sich keine wissenschaftliche Terminologie schaffen. An anderer Stelle wirft Dr. Schwadron die Frage nach der Ausdehnung der ethischen Assimilation auf. Bei den geistreichen Auseinandersetzungen des Verfassers ist nur zu bedauern, daß er es zunächst bei einer „fragmentarischen Problemstellung" hat bewenden lassen. In seinen „Handle so!" überschriebenen Ausführungen untersucht Dr. O. Thon die Gründe der deutschen Überlegenheit im Weltkriege und findet sie in dem Begriff, den man mit dem mystischen Schlagwort Organisation bezeichnet, das heißt — nach der Meinung des Verfassers — in der Erfüllung des kategorischen Imperativs. Er gelangt weiterhin zu dem Ergebnis, daß der kategorische Imperativ auch in der jüdischen Ethik von Anfang an herrscht, dem modernen Juden aber zu seinem Unglück verloren gegangen ist. Seine Forderung ist die erneute Unterwerfung unter dies „Handle so!", oder anders ausgedrückt, der Wille zur Organisation. „Deutschland als Erzieher!" soll unser Leitwort sein. Natürlich fehlen im Kalender nicht Nachrufe auf die großen Toten des Jahres. David Wolffsohn und J. L. Perez. Adolf Friedmann und Martin Buber haben jeder an seiner Stelle Ausgezeichnetes geleistet, um in kurzen, knappen Worten Wiesen und Werk der Verstorbenen vor dem Leser auferstehen zu lassen. Größere literarische Beiträge haben die Herausgeber, wie sie selbst im Vorwort bemerken, nur in geringer Anzahl heranziehen können. Unter ihnen ragt besonders hervor eine Skizze Schalom Aschs „Ein Bild aus Warschau", die in ergreifenden Worten die Not der jüdischen Flüchtlinge schildert. Zu erwähnen ist außerdem ein Aufsatz über die Memoiren der Glückel von Hameln, der schon besprochene Nachruf Bubers auf Perez, und eine altkrakauer Geschichte von Abeles. Unter den Dichtungen, die der Band enthalt, sind von besonderem Interesse nachgelassene Verse des zu früh verstorbenen Dichters Zuckermann, ferner ein leider stellenweise an Cafehausliteratur erinnerndes Gedicht Max Brods: »Kanaan . Weitere Gedichte stammen von Reisen, Abeles u.a. Das Buch gewinnt durch zahlreiche gutausgewählte Aussprüche jüdischer Denker, die schlagwortartig einzelne Seiten des ludischen Problems beleuchten. Es ist sorgfaltig ausgestattet; Bilder und Photographien sind beigegeben, unter denen namentlich eine Herzlzeichnung von Marmorek Beifall finden wird Der Umschlag ist durch eine Zeichnung des Berliner Radierers Lilien geschmückt. Die im Vorwort von den Herausgebern ausgesprochene Hoffnung, ihr Buch möge zu einem jüdischen Volksbuch werden, hat alle Aussicht auf Erfüllung. J. Wölpe. Zeitungs-Echo Aus dem befreiten Kurland. Von Karl Friedrich. (Preußische Jahrbücher Nov. 1915). S. 330. Wenn man über jeden Menschen in Libau zweifelhaft sein kann, welchem Volkstum er angehören mag, über den Juden wohl kaum. Die Juden bilden einen sehr hervorstechenden Teil der Libauer Bevölkerung. Arm und Reich ist unter ihnen vertreten, auch sehr viel Mittelstand, der sich im allgemeinen nicht sehr sauber trägt, doch findet man viele elegante Jüdinnen mit feingeschnittener Gesichtsbildung und großen fragenden schwarzen Augen. Die Juden sind hier fast die alleinigen Inhaber von größeren Läden. Weit auch fahren sie ins Land hinaus, Lebensmittel aufzukaufen und nach der Stadt zu bringen. Mühen oder Gefahren lassen sie sich nicht verdrießen. Sie gelten hier im allgemeinen als ehrlich. Was mir in ihren Läden aufgefallen ist, ist, daß sie meist gar nicht aufdringlich sind. Ihre Sprache ist sehr gut zu verstehen. Sie ist kein Jiddisch wie in Warschau und sonst in Polen, sondern ein fast reines, nur eben jüdisch guttural nüanciertes Deutsch, das, da die Juden hier meist vom Rhein gekommen sein sollen, als rheinische Mundart angesprochen wird. Angenehm berührt es auch, daß die Juden, auch wo sie. wie es denn doch gelegentlich vorkam, nicht gleich auf den ersten Blick erkennbar waren, gar kein Hehl daraus machten, Juden zu sein. „Wir sind doch keine Lettinnen, wir sind Jüdinnen", sagten mir mit einem gewissen Stolz drei junge Mädchen, die ich gefragt hatte, ob sie Lettisch sprächen. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnachrichten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) Personalien: Zum stellvertretenden Schwurgerichtspräsidenten für zwei Gerichtsperioden des Jahres 1916 wurde der kgl. bayer. Oberlandesgerichtsrat Dr. Paul Homberger in München ernannt. Zum Leutnant d. R. wurde befördert: Alex Wetzlar, k. bayer. Inf.-Leibregiment. Der kgl. bayer. Militärverdienstorden 4. Klasse mit Schwertern wurde verliehen den Oberleutnanten der Reserve Fritz Bachmann im 20. Inf.- Regt. und Josef Hänle der Landwehr. Ferner den Leutnants der Reserve Josef Österreicher, Heinrich Beck und Artur Hirschberg. Berichtigung: Herr Prof. Marcus macht uns darauf aufmerksam, daß er aus dem Judentum ausgetreten ist. Eiserne Kreuze: Busenberg i. Pf.: Vizefeldw. Osk. Kullmann. Fürth: Leutnant Moriz Kupfer. Harburg: Gefr. Ludw. Salomon. Hof: Dr. Paul Weinberg. Kissingen: Unteroff. Julius Frank. Königshofen: Nathan Landgut, Unteroff. im 4. bayr. Res.-Inf.-Regt. Maßbach: Rudolf Freudenberger.

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