Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 52 (31.12.1915)
- Date
- 1915-12-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Qanzj. M.4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V e r 1 a g „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. - Redaktion: Norbert Weldle^München-Solln, Erikastraße 6. Fl n z e i g e n : Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Änzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog! Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. J Postscheckkonto: München 3987., Nummer 52 München / 2. Jahrgang 31. Dezember 1915 1916 Wochenkalender (5676) Ijnn Thevet Jan. nntt NIKI Gottesdienste: Samstag Morgens Hauptsyn. 8V2 1 25 Herzog Rud.-Str. 73/4 Sabbath-Äusgang 5.16 - Neumond-Änkünd. Sonntag 2 26 Montag 3 27 Dienstag 4 28 Mittwoch 5 29 t33tS> Schev. Donnerstag 6 1 Neumond. Freitag 7 2 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 4.80 Herzog Rud.-Str. 4.80 Inhalt. BenJehoschua: Wie die Russen in ————■ Galizien hausten. — Franz Karl End res: Die Juden der Türkei.— Welt-Echo.— Dorothea A. Q. Schumacher: Stimmungsbilder aus Palästina. — Der jüdische Nationalkalender auf das Jahr 5676. — Zeitungs-Echo. — Gemeinden- und Vereins-Echo usw. Wie die Russen in Galizien hausten Aus dem Tagebuch eines Augenzeugen. „Im Namen des Czaren Imperators befreie ich Euch vom österreichischen Joche und vereinige das heute von unseren tapferen Soldaten mit russischem Blute befreite Gebiet mit der heiligen russischen Erde. Hinterlistig ist der Feind, und lange wird der Kampf währen, aber unser ist der Sieg. Mit uns ist Gerechtigkeit und Wahrheit, der Gott Rußlands ist mit uns. Euere Aufgabe ist es, jetzt uns zu helfen, unsere slavischen Länder von den nicht slavischen Völkern zu befreien, denn nur dann könnt Ihr freie Bürger Rußlands werden." So sprach der Kommandant eines russischen Regiments zu einer polnischen Deputation, die ihn nach alter Sitte mit Brot und Salz empfangen hatte. Das „nichtslavische Element", das der Oberst meinte, waren wir Juden. Und der Haß gegen uns, der zurückgedrängt war und geschlummert hatte, wie die Natur im Winter, blühte plötzlich auf. Was von nun an gegen uns geschah, erfolgte in vollem Einverständnis mit den polnischen Kreisen, die wir im Frieden politisch unterstützt hatten, und die ihre Macht im östlichen Teile Galiziens der galizischen Judenheit verdanken. Am nächsten Tage ließ der Kommandant zwanzig angesehene Juden kommen und sagte: „Ich weiß, daß Ihr Feinde Rußlands seid, Ihr habt beschlossen jeden Donnerstag zu fasten, um bei Gott Erfolg für Oesterreichs Waffen zu erflehen. Ihr steht auch in Verbindung mit der österreichischen Armee. Ich warne Euch heute zum letzten Male. Kein Jude wird am Leben bleiben, wenn ihr weiter Spionage treiben werdet. Merkt es Euch, Ihr Hundesöhne. Ohne Strafe für das Verbrochene werdet Ihr aber nicht weggehen. Ich behalte Euch zwanzig als Geiseln, zehn von Euch verhafte ich, die anderen zehn sind momentan frei, aber die müssen mir bis übermorgen 6 Uhr abends Petrograder Zeit 100.000 Kronen Kontribution bringen. Ich habe auch erfahren, daß Ihr in Eueren Magazinen Getreide aufgespeichert habet, und Ihr wollet es für Oesterreich aufbewahren. Wehe Euch, wenn Ihr mir nicht das ganze Getreide sofort ausliefert. Höret, versteht Ihr oder wollet Ihr nicht begreifen, Was? Ihr verstehet nicht russisch? Jeder russische Untertan muß russisch verstehen und sprechen, merkt es Euch, und den russischen Rubel müßt Ihr für 3 K 33 h annehmen. Merkt es Euch, Ihr Hundesöhne." Umsonst war das Weinen und Klagen der Juden, sie hatten nicht soviel Geld, denn die Reichen waren geflüchtet und die Armen hatten kein Brot fürs nackte Leben. Der Oberst aber rief: „Wollt Ihr vielleicht von mir noch Geld haben, Hundesöhne? Packt Euch! Uebermorgen will ich die 100.000 Kronen haben, sonst werdet Ihr alle gehängt." Da zogen neun von den zehn freien Geiseln in die Bothe-Hamidrosch und ordneten an, daß jeder das Kostbarste bringe, das er habe, denn Gott zürne Israel seiner Sünden wegen und sende die Russen zu seiner Bestrafung. Der zehnte aber entfernte sich und sagte zu einigen, die ihn um Auskunft fragten: „Ich weiß nicht, wie ich in diese Gesellschaft komme, ich bin doch eigentlich kein Jude mehr, weder religiös noch national. Ich habe mich nicht taufen wollen, weil ich eigentlich konfessionslos bin, war doch immer Pole und plötzlich kümmert sich kein Pole um mich, nicht einmal gewarnt wurde ich, obwohl manche Polen doch wußten, wozu ich gerufen wurde." So sprach der Rechtsanwalt S . . . ., für den man früher die treffende Bezeichnung: „konfessionsloser Pole, mosaischer Konfession" geprägt hatte. Am selben Tage brachten die Juden Geld, silberne Leuchter, drei Stirnbänder aus Perlen. Doch waren es an barem und an Wertgegenständen zusammen nur 50.300 K.