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Das jüdische Echo · 1915-12-17 · 50 (17.12.1915) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
50 (17.12.1915)
Date
1915-12-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. —Verlag „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weidler, München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des. Jüdischen Echos", München, Herzog V Maxstraße4. Fernsprecher: 8099. ) Postscheckkonto: München 5987. Nummer 50 München / 2. Jahrgang 17. Dezember 1915 1915 Wochenkatender (5676) ljnn Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Thevet Dez. nnt: 18 n 19 12 20 13 21 14 22 15 23 16 24 17 TPl Gottesdienst: Morgens Hauptsyn. 8V2 Herzog Rud.-Str. 73/4 Sabbath-Äusgang 5.0<J Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 4.30 Herzog Rud.-Str. 4.21 Inhalt: Dr« Max Mayer: Ludwig Geigers ' „Deutsche Juden und der Krieg".— E. Koliiner: Ziele jüdischer Politik. — Welt-Echo. — Schalom Asch: Eingemauert (ins Deutsche übersetzt von Hugo Zuckermann). — Gemeinden- und Vereins-Echo usw. Ludwig Geigers „Deutsche Juden und der Krieg" Von Dr. Max Mayer. Der Geheime Regierungsrat Professor Dr. Ludwig Geiger hat nunmehr auch seine Kviegsbroschüre auf den Büchertisch gelegt. Als Heft 3 der „Kriegspolitischen Einzelschriften" erschien sie vor kurzem unter dem Titel: „Die deutschen Juden und der Krieg".*) Dem außerordentlichen Professor für deutsche Literaturgeschichte lag es nahe, sein Thema nach der literaturgeschichtlichen Seite besonders eingehend zu behandeln. Um sich von dem Geiste dieser Schrift einen annähernden Begriff zu machen, wird es gut sein, zunächst ihren Inhalt in aller Kürze wiederzugeben. Die Broschüre zerfällt in fünf Abschnitte, welche Einteilung wir in unserem Referat beibehalten wollen. I. Die Zeit bis 1813. Der Anspruch manches deutschen Juden, daß er und seine Nachkommen nicht die Mitschuld an Christi Tod tragen könnten, sei nicht ungerechtfertigt; denn Juden hätten sich bereits vor jenem Zeitpunkt aus Palästina entfernt. Die schwerste Zeit beginne für die deutschen Juden zur Zeit der Kreuzzüge, wo sie grau- *•) C. A. Schwetschke & Sohn, Verlagsbuchhandlung, Berlin W 57. M. 1.20. sam verfolgt wurden. Ihre Lage habe sich während der späteren Jahrhunderte des Mittelalters immer mehr verschlimmert. Unter den Anklagen der judenfeindlichen Schriften des Mittelalters bis zum Beginn der neuen Zeit erklinge bisweilen auch der Vorwurf, daß sie, die deutschen Juden, die kein Vaterland hätten, ungeeignet seien, Deutschland zu verteidigen. Schon ihre Zeremonien und ihre vielen Feiertage hinderten sie. das Waffenhandwerk zu treiben, zu dem sie überdies ihre schwache Konstitution und ihre Feigheit, deren man sie bezichtigte, unfähig machten. Trotzdem mag es (nach Geiger) vorgekommen sein, daß gelegentlich sich auch unter den Soldaten des 16. und 17. Jahrhunderts ein Jude befand; als Händler seien sie gewiß vielfach dem Troße gefolgt und hätten so „einen geringen aktiven Anteil an den Kriegen der Vorzeit, an denen sie, wie recht- und ehrlose Leute passiven Anteil dadurch hatten, daß sie von den protestantischen und katholischen Kriegsscharen, von Rittern und Bauern zu allen Zeiten als bequemes Mittel zur leichteren Bereicherung anges/ehen lund behandelt wurden". Zu den Vorwürfen, die ihnen während des dreißigjährigen und nicht minder im siebenjährigen Krieg gemacht worden seien, gehöre der, daß sie die Münzen verschlechterten, das Gold beschnitten, in Silber Blei mischten oder statt des Silbers fast ausschließlich Blei verwendeten. Aber wenn auch das Andenken an die „Münzjuden" unter Friedrich des Großen mit diesen Vorwürfen befleckt bleibe, so fänden sich unter den „Kippern und Wippern" des dreißigjährigen Krieges gewiß weniger Juden als Christen: Geiler von Keisersberg und später Luther mache den Christen zum Vorwurf, sie hätten es schnell und gründlich gelernt, Wucher und ähnliche Betrügereien „jüdischer zu treiben" als die Juden. Daß die preußischen Juden während des siebenjährigen Krieges keinen sonderlichen Enthusiasmus bezeugten, dürfe man ihnen angesichts ihrer ehr- und rechtlosen Stellung unter der Regierung Friedrich des Großen nicht verübeln. „Denn es waren nicht ihre Kriege, die gekämpft wurden, man gestattete ihnen nicht, das Land als Vaterland anzusehen". Auch Mendelssohn habe deshalb diesen Krieg nicht von patriotischem, sondern von ökonomischem Standpunkt aus betrachtet. Die beiden von Mendelssohn stammenden patriotischen Gedichte seien unpoetisch. Die damals verbreiteten jüdisch-deutschen Erzählungen und Briefe rührten wahrscheinlich nicht von Juden und seien jedenfalls vollständig unjüdischer Gesinnung. Die

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