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Das jüdische Echo · 1915-12-10 · 49 (10.12.1915) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
49 (10.12.1915)
Date
1915-12-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel). M. 1.-, Halbj. M. 2.-, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V e r 1 a g „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4.-Redaktion: Norbert Weldler, München-Solln, Erikastraße 6. J^pL, sÄvfet^ ftnzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf.— Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog l Maxstraße4. Fernsprecher: 8099. ) Postscheckkonto: München 5987.^ Nummer 49 München / 2. Jahrgang 10. Dezember 1915 1915 Wochenkalender (5676) ljnn Dez. Thevet BWl Gottesdienst: mu Morgens Hauptsyn. 8V2 Samstag 11 4 Herzog Rud.-Str. 78/4 Sabbath-flusgang 5.07 Sonntag 12 5 Montag 13 6 Dienstag 14 7 Mittwoch 15 8 Donnerstag 16 9 Freitag 17 10 Fasttag. Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 4.S0 Herzog Rud.-Str. 4.16 Inhalt! Ben - Jehoschua: Die Notwendigkeit . jüdischer Schulen in Polen. — J. F.: Professor Dr. Salomon Schechter. — Siegfried Schmitz: Epilog zu einem neuen Buche. — Zeitungs-Echo. — Welt-Echo. — Schalom Asch: Eingemauert (ins Deutsche übersetzt von Hugo Zuckermann). — Gemeindenu. Vereins-Echo usw. Die Notwendigkeit jüdischer Schulen in Polen Von Ben-Jehoschua. Der nachstehende Aufsatz rührt aus der Hand eines ostjüdischen Schulmannes, der die jüdische Schulfrage in Polen vom pädagogischen Standpunkt aus behandelt. Diese Seite des Problems wurde unseres Erachtens bisher allzusehr in der Diskussion vernachlässigt. Gerade die Schulfrage sollte nicht bloß nach politischen Maßgaben be- urteilt werden. (D. Red.) Die Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Polen rief im dortigen Schulwesen eine große Umwälzung hervor. Die russische Schule verschwand von der Erdoberfläche, an ihre Stelle trat die polnische Schule und die reformbedürftige jüdische Schule (Cheder). Die Polen und sogar einige Juden treten gegen die jüdische Schule auf. Sie lassen sich im Kampfe gegen die jüdische Schule nicht von pädagogischen, sondern hauptsächlich von polnisch-politischen Gründen leiten. Wenn wir Juden für jüdische Schulen eintreten, so sind für uns neben jüdisch-nationalen vor allem erzieherische und patriotische Gründe maßgebend. Wir fragen uns, welche Aufgabe hat jede Schule zu erfüllen und welcher Mittel bedient sich jede Schule, um ihr Ziel zu erreichen. Nur diese Gründe können und dürfen für jeden Bürger eines Staates maßgebend sein, wenn ihm wirklich das Wohl der Jugend und des Staates am Herzen liegt. Die Erziehung (im engeren Sinne), so lehrt Kerschensteiner und mit ihm die moderne Pädagogik, ist jener Kulturakt. einer Gemeinschaft, der bestimmte Kulturgüter (der Religion, der Moral, des Wissens, der Kunst, der Technik, der gesellschaftlichen Sitten und Gebräuche) so an den Zögling heranbringt, daß sie nach Maßgabe seiner Veranlagung in ihm besondere Kulturenergie für die Zwecke der Gemeinschaft auslösen. Das wesentliche Instrument, dessen sich die Kulturgemeinschaft zur Durchführung der systematischen Erziehung der minderjährigen Mitglieder bedient, ist die öffentliche allgemeine Schule. Die Schule hat also die Aufgabe, die Kinder zu befähigen, am geistigen und gesellschaftlichen Leben ihrer Zeit teilzunehmen. Wenn sie dieses Ziel erreichen will, so darf sie nicht eine Unterrichtsschule sein, sondern muß eine Erziehung s schule werden. Ihr Unterricht muß erziehend sein. In dem Ausdrucke „erziehender Unterricht" verbinden wir den Begriff des Unterrichts mit dem der Erziehung. Unter Unterricht versteht man diejenige Wechselwirkung zwischen zwei Menschen, welche vermittelt wird durch ein Drittes, das der eine absichtlich zwischen sich und den andern zur Betrachtung und Bearbeitung gestellt hat, um ihn damit zu beschäftigen. Erziehung dagegen ist der Inbegriff alles dessen, was geschehen muß* um den werdenden Menschen zur Tugend zu bilden. Welcher Mittel bedient sich die Schule, um diese Aufgabe zu erfüllen? Der Lehrer, der auf seine Schüler wirken will, muß bei ihnen Interesse und Stimmung (Einfühlung) erzeugen. Das setzt voraus: Wer auf seine Schüler wirken will, muß sie vor allem kennen oder anders gesprochen: der Lehrer muß den Erfahrungskreis seiner Schüler kennen, damit er die Apperzeptionsstützen weiß, auf die er rechnen kann. Daraus folgern wir: erzogen wird der Schüler nur, wenn der Unterricht so verläuft, daß er festgefügte Vorstellungen in der Seele des Schülers erzeugt, die sich in Bewegung umsetzen, Gefühlswert besitzen und dadurch Willenserregungen auslösen. Was erzeugt in der Seele des Kindes festgefügte Vorstellungen: Freies Lehrgespräch, das Lehrer und Schüler in lebendigen, unter rechtlichen Verkehr miteinander bringt. Dies aber ist nur möglich, wenn sich Lehrer und Schü-

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