Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 47 (26.11.1915)
- Date
- 1915-11-26
- Page
- Seite 396 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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396 Das Jüdische Echo Nr. 47 nen Raum, der einer Buchbesprechung: zur Verfügung steht, unmöglich all das zusammenfassen, was Segel gegen seinen Opponenten ins Feld führt. In klaren Ausführungen setzt er auseinander, wie man „Morija und Golgatha" nicht nur in keinen Zusammenhang bringen kann, wie sie sogar die schroffsten Gegensätze bilden. „Man kann die einfache und anspruchslose Episode der Patriarchengeschichte hinwegdenken, ohne daß die Grundlehren der jüdischen Religion berührt würden; der Kreuzestod Christi aber ist der Fels, auf dem sich das ganze Glaubensgebäude des Christentums erhebt", sagt der Verfasser und untergräbt mit dieser Bemerkung das ganze Fundament auf das sein theologischer Gegner seinen Bau festlegt. Man muß die einzelnen Kapitel über das Opferwesen, die Askese usw. lesen, um Segel beizupflichten, daß die Linie, welche von Morija nach Golgatha führt, in der gerade entgegengesetzten Richtnug verläuft. Gegen Ende seiner Schrift kommt Segel seinem bisherigen Opponenten etwas näher, weil derselbe später gesteht, daß er in der letzten Zeit gegen die Morija-Erzählung viel milder gestimmt worden sei. Der Weltkrieg ließ ihn manches anders erschauen. Der Theologe sagt nun: „Gott sagte zu Abraham: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und geh in das Land Morija und opfere ihn daselbst ... An wie viele Väter und Mütter ist in den acht ereignisschweren Monaten, die wir jetzt durchrungen haben, dieselbe Forderung ergangen." Es bedurfte erst dieses grauenhaften Krieges um in der Seele von Segels Gegner eine Ahnung des tiefen Sinnes der Morija-Geschichte aufkommen zu lassen. Köstlich sind die Schlußworte in diesem Kapitel: „Psychologische Unerfahrenheit meint, die größte Tragik des Lebens sei das Sterben, und ahnt nicht, daß eine Stunde Lebens mehr Tragik enthalten kann, als ein zehnfacher Tod. Brausewetter (das ist der Theologe) hat einen gewaltigen, fundamentalen Unterschied zwischen Morija und Golgatha nicht bemerkt. Nicht an Isaak ergeht der Befehl: „Stirb für mich!", sondern zum Vater spricht Gott: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und bring ihn mir zum Opfer dar." Das Beste, Einzige, Liebste, das du hast, gib es hin — und bleib am Leben. Das ist eine Opfertat. Wer die vollbringt, hat Heroismus bewiesen, hat die Probe bestanden. Aber sterben! Was ist das? Das taten und tun ja vor unseren Augen ihrer Tausende und Hunderttausende, die keine Strahlenkrone erwartet, deren Namen kein Mensch außer ihren Müttern zu nennen weiß. Der Tod kann ein großes Opfer sein, aber das Leben ist das größt e." Am Schluß seiner Schrift wirft Segel noch einen Blick aui einen Berg, auf dem Einer starb — wirklich starb, auf den Berg Nebo. Seltsamerweise hat der Theologe nicht an ihn statt an Morija gedacht. In herrlichen Worten gedenkt Segel des in der Bibel und anderwärts so schön geschilderten Heimganges unseres großen Lehrers und Führers Mo sehe, um mit den Worten dies Kapitel und die ganze Schrift zu schließen: „ . . . . Und er begrub ihn im Tal, im Lande Moabs, gegenüber Beth-Peor, und kein Mensch kennt sein Grab bis auf den heutigen Tag . . . Er wollte nicht, daß sein Leichnam und sein Grab je angebetet würden. Er brauchte auch nicht aufzuerstehen, denn sein Leben war das große Wunder, nicht sein Tod". Ich habe mich bemüht, so gut es ging im kurzen Rahmen einer Besprechung der Schrift Binjamin Segels gerecht zu werden. Mögen recht Viele sich dieselbe aneignen; kein denkender Leser wird sie unbefriedigt zur Seite legen. J. Fr. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von P e r s o n a I n a o h r i c h t e n , die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) Personalien. Beförderungen. Zu k. b. Leutnants der Reserve wurden ernannt: Die Vizefeldwebel Ernst Wilmersdörffer bei den Kraftfahrern; Otto Merzbacher im 16. Inf.- Rg.; Bertold Kukuk im 11. Inf.-Reg. — Der Offiziersstellvertreter Ernst Heß wurde zum k. b. Feldwebelleutnant bei der leichten Munitionskolonne ernannt. München. Samstag, 27. November, findet in der Synagoge Herzog Maxstraße Predigt statt. New-York. Der Präsident des Jüd.-Theolog. Seminars (Rabbiner-Seminar), Dr. S a 1 o m o n Schechter ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Auf den Lebensgang des Verblichenen werden wir in einer späteren Nummer eingehender zu sprechen kommen. München. Im Verein Bne-Jehuda sprach am 6. Nov. Herr Dr. Leo Glück (statt des angekündigten Vortrags über Jehuda Halevy) über S a bb a t a i Z w i. / Anzeigen-Echo Aus Zweckmäßigkeitsgründen sahen wir uns gezwungen, das Anzeigen-Echo auf der dritten Umschlag-Seite zu bringen. iiiiiiimmiimiiiiiiiiiiii Franziska Grünbaum, geb. Nass Paul Grünbaum Vermählte imiiiiimiimiiiiiiimiii llimilllllllllllllUllllllllllllllllllllMMr: Rauchen Sie "513 vf* fo5^~ Zigaretten -Ä? Gisela sctiimmel MfeM i München ■BrÄ^i Werkstätten n i yV^ßHLA |B für feine B^'lsli IM Damen-Moden WW Lindwurmslraßei _II_f fr- Ecke Sendllngertorpl. - itepr- Tel. 52754 Druck und Verlag: B. Heller. Buchdruckerei, München, Herzoz Maxstr. 4. Verantwortlich für die Redaktion: Dr. Max Mayer, München. Schwanthalerstr. 95: für den Anzeiaenteil: H. W. Stöhr. München.