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Das jüdische Echo · 1915-11-19 · 46 (19.11.1915) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
46 (19.11.1915)
Date
1915-11-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel]'. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V e r 1 a g „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weidler, München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Änzeigen 15 Pf. — ) Anzeigenannahme: Verlag „desf Jüdischen Echos", München, Herzog! Maxstraße4. Fernsprecher: 8099. I Postscheckkonto: München 3987.1 Nummer 46 München / 2. Jahrgang 19. November 1915 1915 Wochenkalender (5676) lJDn Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Kislev Nov. ihn? 20 13 21 14 22 15 23 16 24 17 25 18 26 19 nbm Gottesdienste: Morgens Hauptsyn. 872 Herzog Rud.-Str. 73/« Sabbath-Äusgang 5.14 Sabbath-Eing.: Haupt - Synagoge 4.s0 Herzog Rud -Str. 4.16 Inhalt! Meir ben Elieser: Samuel David Luz- ^—— zatto. — L. A.: Jüdisches Gemeindewesen in Rußland. — Welt-Echo. — Hans Goslar: Das verzauberte Judenstädtchen. — Zeitungs- Echo. — An die jüdische Öffentlichkeit. — Liebesgabensendung. — Gemeinden-, Anzeig.-Echo usw. Samuel David Luzzatto Von M e 1 r ben Elieser. Wenn die jüdische Presse es sich zur Aufgabe gemacht hat, nicht bloß den Interessen des Tages zu dienen, sondern auch, weiterausholend, von Zeit zu Zeit nach dem großen Woher und Wohin Frage zu tun, so kann sie unmöglich an dem Namen jenes bedeutenden Mannes achtlos vorübergehen, desrsen 50jähriger Todestag sich vor einigen Wochen erfüllte: Samuel David Luzzatto (nach den Anfangsbuchstaben auch Schadal genannt). Die äußere Lebensgeschichte dieses jüdischen Gelehrten ist rasch erzählt. S. D. Luzzatto erblickte im Jahre 1800 als Sohn einer armen, rechtschaffenen Drechslerfamilie in Triest das Licht der Welt. (Die damals in Italien weitverzweigte Familie Luzzatto ist wohl aus Deutschland eingewandert, worauf der Name Luzzatto Lusatia Lausitz hinzudeuten scheint.) Schon als Knabe zeigte Luzzatto besondere Vorliebe für das Studium der Bibel und ihrer Kommentatoren. Sein Vater Ezechia wollte ihn ein Handwerk erlernen lassen und ließ sich, als seine Vorstellungen nichts halfen, von seinem Sohn eine schriftliche Bezeugung ausstellen, daß er, der Vater, ihn vergebens dazu geraten habe, irgend ein Handwerk zu erlernen. Samuel David verdiente schon in frühen Jahren durch Privatstunden seinen kärglichen Unterhalt und fand als Lehrer Eingang in die wohlhabenden jüdischen Familien. Als 28- Jähriger hatte er das Glück, an das 1829 feierlich eröffnete Collegium rabbinicum in Padua als Lehrer für biblische Exegese, Grammatik, Geschichte und Religionsphilosophie berufen zu werden. Unter unendlichen Entbehrungen und trotz des schweren Unglücks, das über ihn und seine Kinder kam, hielt er standhaft in seinem Lehrberuf aus und setzte sich über die Widrigkeiten des Lebens immer wieder durch unerschöpflichen Arbeitsmut hinweg. Seine Liebe zur Wissenschaft und zur hebräischen Sprache und Literatur im besonderen ließen ihn die härtesten Schicksalsschläge überwinden (er verlor seine Frau in jungen Jahren, mußte den Tod seines hoffnungsvollen, begabten Sohnes Philoxenus erleben und seine einzige Tochter Mirjam im blühenden Alter von achtzehn Jahren zu Grabe tragen. Dieses selten begabte Mädchen hatte das Hebräische erlernt, um ihrem erblindenden Vater bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten behilflich sein zu können. Die drückende Armut im väterlichen Hause hatte ihr das Herz gebrochen). Am Vorabend des Versöhnungstages 1865 schied S. D. Luzzatto, fast völlig erblindet, aus dem Leben. Schadais Wirken war reich an wissenschaftlichen Früchten. Er konnte mit Recht von sich sagen: „Judaeus sum, Judaici nihil a me alienum puto." Er zog alle jüdischen Disziplinen in den Bereich seiner Forschungen. Seine Bereitwilligkeit, den jüdischen Gelehrten bei ihren Studien behilflich zu sein, kannte keine Grenzen, obwohl sie ihm nur Bitterkeit und Enttäuschung brachte. Seine eigenen wissenschaftlichen Werke1) sind nicht minder bedeutend für die moderne Wissenschaft des Judentums, wie die vielen Anregungen, und Materialien, die er seinen Freunden S. L. Rapaport, Zunz, Michael Sachs, Moritz Steinschneider und manchen anderen gab. Als Zunz ihm einmal den Vorwurf machte, daß er sein Licht *) Von seinen Hauptwerken sind zu nennen: „Oheb ger", Kritische Abhandlung über das Targum Onkelos (Wien 1830), nach welchem er seinen Sohn Philoxenus nannte; „Abne sikaron", eine Sammlung von hebräischen Grabsteininschriften; Diwan des R. Jehuda ha-Levi (Lyck 1864); „Hamischtaddel" (Wien 1846/7), Auszüge aus seinem Pentateuch-Komentar; diese Arbeit schätzte er so, daß er behauptete: „Wer den Mischtaddel nicht kennt, weiß Schdal-Samuel David Luzzatto nicht zu beurteilen".

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