Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 45 (12.11.1915)
- Date
- 1915-11-12
- Page
- Seite 379 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 Das Jüdische Echo 379 Liebesgabensendung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zum Chanukahfest. Wie im Vorjahre wollen wir auch diesmal unseren Freunden, die an allen Fronten kämpfen, allen, die in Lazaretten liegen, und allen, die noch ausgebildet werden, eine C h an u k ah f r e u d e bereiten. Die Zahl der Freunde, die wir zu bedenken haben, ist seit dem vorigen Jahre wesentlich gestiegen, und auch das uns zur Verfügung stehende Adressenmaterial bedürftiger jüdischer Soldaten hat sich ständig vermehrt. Trotzdem hoffen wir durch eifrige Werbearbeit unserer Gesinnungsgenossen, alle zu bedenken. Unsere Pakete sollen Genußmittel aller Art enthalten. Auf Wollsachen und Gebrauchsgegenstände wird dieses Jahr weniger Wert gelegt. Da unsere Freunde in allen Briefen den Wunsch danach aussprechen, werden wir ihnen auch diesmal eine Chanukah-Festnummer der „Jüdischen Rundschau" zuschicken, für die uns namhafte jüdische Schriftsteller Beiträge zur Verfügung gestellt haben. Das Chanukahfest beginnt bereits am 2. Dezember, daher ist große Eile geboten, um die Sendungen rechtzeitig verschicken zu können. Wir bitten daher alle unsere Freunde, uns Barmittel, Genußmittel aller Art und postfertige Pakete einzuschicken. Jedem Paket soll auch in diesem Jahre eine Karte des Spenders beigefügt werden. Zuschriften und Geldsendungen sind an die Adresse unseres Herrn Max Wollsteiner, Charlottenburg, Roscherstr. 5, Postscheckkonto Berlin 3847, zu richten. Pakete ausschließlich an die Adresse unseres Bureaus, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Ge meinden und Vereinen und von Personalnachrichten, di* in (diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen6 Personalien. Eiserne Kreuze. Folgende Krieger erwarben sich die Auszeichnung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse: Bamberg: Assistenzarzt Dr. Josef Marschütz in München. Bergzabern: Unteroffizier Rosenberg. Cham i. W.: Heinrich Neuburger. Fürth: Unteroffizier Artur Nordheimer aus Memmelsdorf. Kaiserslautern: Unteroffizier Emil Mann. Bad Kissingen: Stabsarzt Dr. Ludwig Groß. N e u - U1 m : Unteroffizier Max Henle. Nürnberg: Stabsarzt Dr. Siegfr. Bauer; Dr. Louis Lindenheim; Stabsarzt der Landwehr Dr. Gustav Mohr; Hauptmann der Landwehr Dr. Karl Rosenwald. Würzburg: Sally Neumann im 5. bayer. Reserve-Feldartillerie-Regiment, Sohn des Oberinspektors Josef Neumann. München. Es war vorauszusehen, daß nachdem sich im Deutschen Reichstag antisemitische Anrempelungen nicht hintanhalten ließen, auch der bekannte bayerische Abg. Beckh nicht darauf verzichten würde, im bayerischen Landtag sein Sprüchlein herzusagen. In der Finanz-Ausschuß- Sitzung vom 28. Oktober hat er seine diesbezüglichen Bemerkungen an die Adresse des Kriegsministers gerichtet, worauf ihm dieser in der Sitzung: vom 4. November die nötige Abfertigung zu Teil werden ließ. Der Minister erklärte: Die Israeliten seien in der Erfüllung ihrer Schuldigkeit im Kriege hinter den Angehörigen der anderen Konfessionen in keiner Weise zurückgestanden. Die Israeliten hätten die volle Anwartschaft, den Reserveoffizier zu erreichen; tatsächlich sei eine große Anzahl von Israeliten während des Krieges zum Reserveoffizier befördert worden. Eine Statistik über die Zahl der in und hinter der Front in Verwendung stehenden Israeliten anfertigen zu lassen, müsse er ablehnen. Trotz dieser Absage werden wir sicher die Stimme des H^rrn Beckh bald wieder vernehmen. München. Die Zionistische Ortsgruppe veranstaltete Dienstag, 26. Oktober, einen internen Diskussionsabend, an welchem Fabrikbesitzer Dr. Ludwig Wassermann einen vortrefflich ausgearbeiteten Vortrag über „die Ostjudenfrage" hielt. Die bedeutsamen Ausführungen des Redners gipfelten in ungefähr folgenden Thesen: Für eine glückliche Lösung der Ostjudenfrage kommen drei Faktoren in Betracht. Erstens die Einwanderung nach den Gebieten der Zentralmächte, für die der Redner eine planvolle Regelung in Gestalt einer bedingten Einwanderungserlaubnis fordert; zweitens die Konsolidierung der jüdischen Gleichberechtigung in Polen selbst, und zwar in politischer, gemeinderechtlicher, kultureller und nationaler Hinsicht; drittens die Emigration und ihre hauptsächliche Ablenkung nach den türkischen Gebieten, vor allem nach Palästina; in diesem dritten Punkt erhofft sich der Redner eine tatkräftige Unterstützung seitens der Regierungen der Zentralmächte. Die hervorragende Rednergabe Dr. Wassermanns erhöhte noch den Eindruck seiner gründlichen Auseinandersetzungen. Die Diskussion, die der Aktualität des Themas entsprechend sehr lebhaft war und sich verschiedentlich zu Wassermanns Ausführungen, besonders hinsichtlich seiner Fordederung einer bedingten Einwanderungserlaubnis, in Gegensatz stellte, brachte noch viel Interessantes zu Tage und war besonders auch deshalb anregend, weil sich einige Vertreter des Ostjudenturns daran beteiligten. Im Großen und Ganzen zeigte die Veranstaltung, daß keine prinzipiell bedeutenden Divergenzen In der Auffassung der Ostjudenfrage auf zionistischer Seite vorhanden sind. Der Abend kann zu den gelungensten Veranstaltungen der hiesigen Ortsgruppe gezählt werden. Fürth. Am 31. Oktober haben wir hier einen Mann zu Grabe getragen, der es verdient in der jüdischen Presse gewürdigt zu werden. Herr Meier Weißkopf, der im hohen Alter von 83 Jahren von uns schied, erfreute sich in den jüdischen Kreisen von Nünberg-Fürth größter Verehrung. Vierzig Jahre war er als Kultusbeamter in Fürth tätig, neben der Ausübung seines Berufes fand er noch Zeit, früh und spät sich dem Gesetzesstudium zu widmen und zahlreiche Schüler verdanken es ihm, sich dem Talmudstudium widmen gekonnt zu haben. Einfach und bescheiden wie er war, hatte er sich jeden Nachruf am Grabe verbeten; doch eine zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung legte Zeugnis dafür ab, daß Gelehrsamkeit und Bescheidenheit noch immer gerechte Würdigung finden. J. F.