Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 44 (5.11.1915)
- Date
- 1915-11-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel]. M. 1.—, Halbj. M. 2.-, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. - V e r 1 a g „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weldler, München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — ) Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog l Maxstraße4. Fernsprecher: 8099. J Postscheckkonto: München 5987. Nummer 44 München / 2. Jahrgang 5. November 1915 1915 Wochcnkalendcr (5676) Marche» Nov. schwan Neumond-Änkündg. Samstag wnio m!?in Gottesd.: 6 29 Morgens Hauptsyn. 8V2 Herzog Rud.-Str. 71/» Sabbath-Ausgang 5.31 Sonntag 7 30 Neumond l.Tag Kislev l^DD Montag 8 1 Neumond 2. Tag Dienstag 9 2 Mittwoch 10 3 Donnerstag 11 4 Freitag 12 5 Sabbath-Eing.: Haupt - Synagoge 4.30 Herzog Rud.-Str. 4.»° Inhalt! Die jüdische Schule in Polen. — Nachum Goldmann: Zum polnisch-jüdischen Problem. — Zeitungs-, Weltecho. — Helene Hamerling: Der Feldpostbrief. — Literarisches Echo. — J. Fr.: Dr. Jakob Möller. Lipmann Philipp Prins. — Gemeinden-Echo usw. Die jüdische Schule in Polen Noch stampft Mars dröhnend die Erde, und schon sind hinter ihm friedliche Hände am Werk. Schon erhalten die ernsten Fragen, deren Auftauchen wir alle nach dem Friedensschluß erwarteten, vorläufige Beantwortungen. Aber provisorische Bestimmungen vermögen einen Bick in die Perspektive der endgültigen Lösungen zu gewähren. Und wir haben das Recht, ja die Pflicht, diese provisorischen Festsetzungen auf das ihnen zu Grunde liegende Prinzip hin, das vermutlich bei der endgültigen Erledigung der Fragen ebenfalls maßgebend sein wird, eingehend zu prüfen. Früher als alle daran interessierten Kreise es annehmen durften, wurde die Schule in Po- 1 e n nicht nur zum Objekt der öffentlichen Diskussion mehr oder weniger kompetenter bürgerlicher Schichten, sondern zu einer Art Wahrzeichen des unter deutscher Verwaltung stehenden Polens. Der sofort eingeführte allgemeine Schulzwang, der übrigens für die jüdische Bevölkerung keine allzugroße Umwälzung bedeutet, ist ein leuchtendes Symbol des neuen Kurses. Daß die russische Sprache aus, Schule und Straße verschwinden wird, ist jedem politisch Denkenden verständlich. Daß den Polen in ihren Schulen das Polnische als Unterrichtssprache gestattet wurde, entspricht durchaus dem Gerechtigkeitssinn des objektiv Urteilenden. Daß neben der polnischen auch der jüdischen Schule der ihr gebührende Platz eingeräumt wurde, erfüllt besonders deshalb mit Genugtuung, weil die deutsche Behörde gewissen Tendenzen der polnischen Bürgerschaft, welche den jüdischen Schulen keine öffentlichen Subsistenzmittel gewährt wissen wollten, von vorneherein energisch entgegentrat. Und es wäre in der logischen Konsequenz gelegen gewesen, wenn die deutsche Verwaltung hinsichtlich der Unterrichtssprache in den jüdischen Schulen das gleiche Prinzip verfolgt hätte, wie den polnischen gegenüber. Das ist nun überraschender Weise nicht so gekommen. Die deutsche Verwaltung hat für die jüdischen Schulen Polens als Unterrichtssprache die deutsche verordnet. Allerdings hat diese Bestimmung nur den Charakter eines Provisoriums. Aber immerhin besteht die Gefahr, daß in kurzer Zeit die provisorische Verordnung zum Gesetz wird. Darum hat die Öffentlichkeit mit Recht sich eingehend mit dieser fast alle beteiligten Kreise nicht ganz befriedigenden Lösung beschäftigt. An der Art der Einrichtung der jüdischen Schule in Polen sind streng genommen fünf, zum Teil ineinandergreifende Menschengruppen interessiert: erstens das deutsche Volk und seine Regierung, die von nun an auf die Bevölkerung Polens ihr Augenmerk richten werden; zweitens die eigentlichen Polen, die mit den unter ihnen wohnenden Juden nicht nur einen modus vivendi suchen, sondern ihr Verhältnis zu ihnen irgendwie auch in einem tieferen Sinne orientieren müssen; drittens die polnischen Juden selbst, denen die jüdische Volksschule ja nicht ein vollkommenes Novum ist, sondern höchstens die Europäisierung ihrer alten Chederschulen bedeuten kann; viertens die deutschen Juden, deren Regierung die Regelung der Frage unternimmt, und die zum großen Teil selbst an der zweckmäßigen Einrichtung dieser Schulen im Osten lebhaften inneren Anteil nehmen, während ihre politischen Vertreter wohl von der deutschen Verwaltung einigermaßen als Ratgeber herangezogen werden und daher ein verantwortungsvolles Amt auf sich nehmen; fünftens endlich die nationalgesinnte Gesamt-Judenheit, die mit wachem Auge alle innerkulturellen Angelegenheiten des jüdischen Volkes verfolgt und jede Kräftigung des jüdischen Selbstbewußtseins freudig begrüßt. Das deutsche Volk und mit ihm die deutsche Regierung werden in dieser Frage vor-