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Das jüdische Echo · 1915-10-29 · 43 (29.10.1915) · p. Seite 363

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
43 (29.10.1915)
Date
1915-10-29
Page
Seite 363 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43 Das Jüdische Echo 363 Welt-Echo Die „Durchführung" der Rechtserweiterungen für die russsichen Juden. Die soeben eingetroffenen russisch-jüdischen Zeitungen berichten über mehrere Fälle der Aufrechterhaltung der Wohnrechtsbeschränkungen für die Juden durch Gouverneure und andere lokale Beamte, trotz der bekannten Verfügung der Regierung über die Erweiterung der Ansiedlungszone. Die russischen Beamten nehmen einfach das Zirkular des Ministers des Innern nicht ernst. Sie scheinen auch dem Minister unverhüllt mit Kundgebungen des „Unwillens seitens der ansässigen Bevölkerung" zu drohen. Der Minister Fürst Schtscherbatoff sah sich daher genötigt, in einem besonderen Rundschreiben an die Gouverneure diese aufzufordern, jeden Versuch von feindlichen Handlungen gegen die Juden im Keime zu ersticken. Die Kiewer Behörden weigern sich einfach, dem Erlaß des Ministers Folge zu leisten. Nach dem Bericht der „Russkija Wjedomosti" hat der Militärgouverneur nur den Juden das Wohnrecht zuerkannt, die vor dem Ministererlaß in Kiew wohnten. Die Neuangekommenen werden abgeschoben, falls sie keine besondere Erlaubnis zum Aufenthalt vorzeigen. Die Polizei in Baku verlangt von jedem ankommenden Juden eine besondere Erlaubnis zum Aufenthalt in der Stadt, bezw. die Einreichung eines Gesuches. Sonst wird er ausgewiesen. Auch die erleichterten Bestimmungen des Unterrichtsministeriums über die Schulaufnahme von Juden außerhalb der Prozentnorm, deren Verwandte verwundet oder in der Armee sind, erfuhren nunmehr durch Beschluß des Ministerrats eine Einschränkung. Der Kriegsminister verwies in der Sitzung vom 5./18. September darauf, daß die Juden weder Offiziere noch Militärärzte werden dürfen, daß es daher keinen Zweck habe, sie in die betreffenden Lehranstalten aufzunehmen. Der Ministerrat hat daher beschlossen, daß Juden nach wie vor in die Kadetten- und Junkerschulen, die medizinische, juristische und artilleristische Kriegsakademien und die Akademie des Generalstabes nicht aufgenommen werden. Ebenso ist den Juden der Zutritt zu den Lehranstalten der Kaiserin Maria untersagt. (JAK) Allgemeine jüdische Konferenz in Canada. Die Bewegung für einen jüdischen Kongreß in Amerika hat bereits aus den Vereinigten Staaten nach Canada übergegriffen. Die Leitung der zionistischen Federation Canadas hat in einer Ende September stattgefundenen Beratung beschlossen, für den 7. November eine allgemeine Konferenz der jüdischen Organisationen des Landes nach Montreal einzuberufen, um über das Zusammengehen mit der Judenheit der benachbarten großen Republik zu beraten. Der Führer der Kongreßbewegung in Amerika, der bekannte Zionist Brandeis wird an der Konferenz teilnehmen. (JAK) Bahnbauten in Palästina. Die kriegerischen Vorbereitungen der Türken zu einem Einbruch in Ägypten haben für Palästina doch das Gute gehabt, daß der Ausbau der Verkehrsmittel durch die militärischen Vorkehrungen außerordentlich beschleunigt wurde. Es wird jetzt an dem Bau einer Nachschubbahn bis zum Suez-Kanal fleißig gearbeitet. Der für Palästina wichtigste Teil der Strecke ist bereits vollendet. Die Bahn läuft von der genossenschaftlichen Kolonie Merchawjah (Station Aphule der Bahn Haifa-Damaskus), kreuzt bei Lud (Lida) die Bahn Jaffa-Jerusalem, berührt somit die Farm des Herzlwaldes Benschemen und geht über die süd-judäischen Kolonien Kastinie, und Ruchamah nach Beer-Seba. Diese strategische Bahn wird von großer ökonomischer Bedeutung für die genannten jüdischen Siedlungen sein und den Absatz ihrer Produkte in Jaffa, Jerusalem, Haifa und Damaskus außerordentlich erleichtern. Es wäre noch zu erwähnen, daß Merchawjah auch mit Jerusalem durch eine Bahn verbunden ist, die über Nablusi geht. Die Genossenschaft Merchawjah ist durch diese Bahnbauten zu einem bedeutsamen Eisenbahn-Knotenpunkt geworden. (JAK) Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mittellungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnachrichten, die in diesen Spalten gerne Aufnahmt finden, höflichst eingeladen.) Personalien. Beförderungen. In den letzten Wochen gingen unter den jüdischen Offizieren der bayerischen Armee folgende Veränderungen vor sich: Die Oberleutnante Leopold Schweizer und Siegfried Kurzmann im 1. Pionierbataillon wurden zu k. b. Hauptleuten der Reserve befördert. Die Vizefeldwebel Salomon Dorn im 5. Inf.-Regt. und Artur Eichengrün im 6. Landwehr-Feld-Art.-Regt. wurden zu k. b. Leutnanten der Reserve ernannt. Die k. Stabsärzte Dr. Julius V e i t h, Dr. Benno Koppenhagen und Dr. Ludwig Kohnstamm wurden zu k. b. Oberstabsärzten der Reserve befördert. Berlin, Patentanwalt Berthold Wassermann, ein geborener Bayer, wurde zum k. preußischen Leutnant befördert. Frankfurt a. M. Die Agudas Jisroel Jugendorganisation (Sitz Frankfurt a. M., Tiergarten 8), die seit einer Reihe von Monaten an jüdische Soldaten — im Felde, Garnison, Lazarett — allwöchentlich kostenlos einen Sabbatgruß sendet, hat eine bedeutsame Neuerung. Der Sabbatbrief enthält neben einer Betrachtung des jeweiligen Wochenabschnittes eine Übersicht über die Geschehnisse in der jüdischen Welt. Jüdische Soldaten, die diesen Sabbatbrief wünschen, senden ihre Adresse an die A. J. J. O., Frankfurt a. M., Am Tiergarten 8. Fürth. Das Eiserne Kreuz haben erhalten: Rechtsanwalt und Offizierstellvertreter Dr. Leo Stahl, bei einer Artillerie-Munitions-Kolonne; Großhändler Kurt Sahlmann, Leutnant der Res. in der 3. Train-Abteilung München. Samstag, 30. Oktober, findet in der Synagoge an der Herzog Maxstraße Predigt statt. Nürnberg. Mitglieder-Versammlung der Zionist. Ortsgruppe. Am 16. d. Mts. eröffnete der Vorsitzende in Feldgrau die erste Mitglieder-Versammlung im Wintersemester. Er überbrachte die Grüße der im Felde stehenden Mitglieder und betonte, daß trotz der Schwierigkeiten im Kriegsjahre die Ortsgruppe bestrebt sein werde, durch Versammlungen und Vorträge das zionistische Ideal zu pflegen, denn gerade in dieser schweren Zeit sei es doppelt notwendig, unser Ideal in weiteste Kreise zu tragen. Daß sich auch nach dem Kriege für die zionistische Arbeit ein weites Betätigungsfeld findet, zeigte der Vortrag des Abends „Das Ostjudenproblem" (nach

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