Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 43 (29.10.1915)
- Date
- 1915-10-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.-, Qanzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Verlag „des Jüdischen Echos": München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weidler,München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt — Dieselbe für k 1 e i n e Anzeigen 15 PI. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 43 München / 2. Jahrgang 29. Oktober 1915 # 1915 Wochenkalender (5676) Tjnn Oktob. Marche« schwan Samstag 30 yittTHD .T)tB>»n Gottesd.: 22 Morgens Hauptsyn. 8V2 Herzog Rud.-Str. 71/« Sonntag Sabbath-Äusgang 5.a 31 Nov. 23 Montag 1 24 Fasten "W Dienstag 2 25 Mittwoch 3 26 Donnerstag 4 27 Freitag 5 28 Sabbath-Eing.: Haupt - Synagoge 4.** Herzog Rud.-Str. 4.*° Inhalt: »Den Ostjuden ihr Recht!" — Dr. Na- ^—— than Birnbaum: Die Ostjudenfrage und die Emanzipation der Juden in Deutschland. — L. A.: Jüd. Gemeindewesen in Rußland. — Bayer. Spendenliste für das Hilfswerk in Palästina. — J. Dinesohn: Warum Motele nicht in den Cheder gehen will. — Zeitungs-, Welt-, Gem.-Echo usw. „Den Ostjuden ihr Recht!" Wir geben im folgenden eine Darstellung des Gedankenganges einer Schrift Dr. Nathan Birnbaums, die unter dem obigen Titel nach manchen Schwierigkeiten von Seiten der österreichischen Zensur soeben in dem rührigen Wiener Verlag R. Löwit erschienen ist. Wir stören absichtlich bei der Inhaltsangabe den Zusammenhang der festgeketteten Beweisführungen nicht mit kritischen Glossen. Wir glauben dies dem Ernst und der Bedeutung dieser Abhandlung schuldig zu sein. Der Geist der unbedingten Herausforderung im besten Sinne, der alle Birnbaumschen Aufsätze durchzieht, wird auch in dieser Veröffentlichung als der schöne, das Birnbaumsche Wesen ausmachende Grundzug erkannt. Auch nicht die durchgreifendste Zusammenraffung der antinationalen jüdischen Kräfte wird imstande sein, dem straffen Aufbau seiner Lösung der Ostjudenfrage irgend etwas von gleichem Belang entgegenzusetzen. Nach der gründlichen Lektüre seiner Schrift kann man getrost darauf verzichten, sich durch alle die zahlreichen, „diplomatisch" sein wollenden und im gründe so kraft- und wirkungslosen Artikel in den allgemeinen Tageszeitungen und Zeitschriften durchzuarbeiten. Denn während diese ganze verantwortungslose Publizistik, die jetzt fast täglich neue, den Leser verwirrende Aufsätze über die Ostjudenfrage bringt, zumeist Produkt der Stimmung oder des beiläufigen „Mitredenwollens" ist, haben wir an der Broschüre Birnbaums die destillierte, nur sich selbst bedeutende Arbeit eines Mannes, der sein ganzes Leben dieser wichtigsten Frage des jüdischen Schicksals gewidmet hat; eine Schrift, deren Verfasser sich bis zum Letzten für sie verantwortlich fühlt. Der einzige Wunsch, den wir hier wohl im Sinne mancher Leser der Broschüre aussprechen wollen, ist der: daß es Birnbaum gegeben sein möchte, von der theoretischen Erörterung der Frage recht bald zu der Darstellung der praktischen Durchführung seines Programms überzugehen. Wir wissen, daß heute dazu noch nicht die Zeit gekommen ist, aber wir alle harren mit Ungeduld des großen, entscheidenden Augenblicks, wo die akademische Frage Fleisch und Blut zu werden beginnt. * * Im Großen gesehen bietet der gegenwärtige Krieg folgendes Bild: die Aktionen der Zentralmächte tragen den Charakter der Ausstrahlung, während sie selbst, die Zentralmächte, an fast allen Grenzen ihres gemeinsamen Territoriumis von einwärts drängenden Kräften umklammert werden. Diese beinahe wie ein Symbol wirkende Erscheinung muß ihre tieferen Gründe haben. Die von der Entente ausgegebene Parole des „Antimilitarismus" und des Kampfes gegen die „Reaktion" reicht zur Erklärung der Kräfteverteilung in diesem Kriege nicht aus, ist sogar in Hinsicht auf Rußland geradezu lächerlich. Auch die Angst vor der gefährdeten Sicherheit der Ententemächte ist ein seichtes Argument zur Erklärung der politischen Mächtegruppierungen dieses Krieges. In Wirklichkeit trieb das unheimliche Rätsel, das die Schmucklosigkeit, Besonnenheit und kühle Friedfertigkeit der deutschen Seele dem Lateiner, Slaven und Briten aufgibt, zu diesem Völkerzwist. Und Österreich reizte durch seine Völkerstaatnatur die Begehrlichkeit seiner Nachbarn, denen jedes Verständnis für den nichteinheitlichen Völkerstaat und seine hohe Mission innerhalb der europäischen Völkerschaften fehlt. Aber wie sehr Europa und dadurch mittelbar auch die ganze Menschheit gerade des Ernstes und der Festigkeit des deutschen Geistes und des werdenden idealen Nationalitätenstaates Österreich bedarf, das erkennen die Ententemächte nicht. „Wenn alle diese hoffnungslosen in sich selbst verliebten