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Das jüdische Echo · 1915-10-22 · 42 (22.10.1915) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
42 (22.10.1915)
Date
1915-10-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten I Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.-, Qanzj. M.4.—, Einzelnummer 10 Pf. —Verlag „des Jüdischen Echos" : München, Her- | zog Maxstr.4. - Redaktion: Norbert j Weidler,München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltenel Nonpareille - Zeile oder deren Raum i 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— | Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — I Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog > Maxstraße4. Fernsprecher: 8099. j Postscheckkonto: München 3987. Nummer 42 München / 2. Jahrgang 22. Oktober 1915 1915 Wochenkalender (5676) Oktob. Marcheschwan Samstag "Perne KT1 Gottesd.: 23 15 Morgens Hauptsyn. 8V2 Herzog Rud.-Str. 7Vj Sonntag Sabbath-Ausgang 5."" 24 16 Montag 25 17 Fasten "tp Dienstag 26 18 Mittwoch 27 19 Donnerstag 28 20 Fasten "Fl Freitag 29 21 Sabbath-Eing.: Haupt - Synagoge Herzog Rud -Str. 4. u Inhalt! s* Zum polnisch - jüdischen Pro- —— blem. — Aufruf des Hilfskomitees usw. — Dr. Benno Straucher: Über Nationaljudentum. — Welt-Echo. — Dinesohn: Warum Motele nicht in den Cheder gehen will. — Ludwig L.: Richard Willstätter. — Gem.- u. Ver.-Echo usw. Zum polnisch-jüdischen Problem Das vielumstrittene Problem der Zukunft der polnisch-russischen Juden wird in der „Frankfurter Zeitung" (3. Sept. erstes Morgenbl.) von Nahum Goldmann behandelt. Der Verfasser dieses, ich möchte sagen, „syrntomatischen" Artikels vertritt darin den jetzt häufig geäußerten Standpunkt, daß zwischen den Interessen der deutschen Besieger und den der russisch-polnischen Juden eine Gemeinschaft besteht, die hoffen läßt, daß das polnisch-jüdische Problem seiner Lösung entgegensieht. Der Verfasser sieht einen innerlichen Zusammenhang zwischen der jüdischen Kultur in Polen und der deutschen. Er spricht sogar von einer „deutsch-jüdischen Kultur", die „als Faktor zur Hineinziehung Polens in den Kulturkreis Mitteleuropas, vor allem aber des Deutschtums" dienen soll. Natürlich muß die deutsche Regierung die Juden in Polen schützen und auch den polnischen Antisemitismus beseitigen. Und sie wird es tun, denn es liegt in ihrem Interesse: die Juden, die „historisch mit deutscher Kultur innig verbunden sind", werden dafür das zuverlässigste Element in dem neugeschaffenen Bollwerk gegen Rußland bilden. Läßt sich aber der polnische Antisemitismus aus der Welt schaffen? Herrn Goldmann scheint auch die Beantwortung dieser Frage leicht und selbstverständlich zu sein. Denn der polnische Antisemitismus ist nach seiner Auffassung „künstlich" entstanden. Der polnische Antisemitismus sei lediglich eine Folge der russischen Herrschaft über Polen, eine polnische Nachahmung zaristischer Methode. Auch eine Folge der Fesselung Polens durch Rußland. Nach Eroberung Polens durch die Zentralmächte wird der freien Entwicklung aller polnischen Kräfte Bahn geschaffen, und der Antisemitismus verschwindet. Der grobe Fehler, den Herr Goldmann begeht, besteht: 1. darin, daß er vollständig den wirtschaftlichen Charakter des polnischen Antisemitismus übersieht; 2. daß er den Juden eine Rolle in Polen einräumt, die gerade zum polnischen Antisemitismus führen wird; 3. daß er eine jüdisch-deutsche Interessen-Gemeinschaft konstruiert und vertritt, anstatt lediglich den schlechtweg jüdischen Standpunkt zu wahren. Herr G. spricht weit und breit davon, daß der polnische Antisemitismus nur eine „Nachahmung" des russischen sei, daß es „in Polen Platz genug" für Alle gibt und nach politischer Eroberung Polens auch die künstlich gezüchtete antijüdische Bewegung fallen muß. Nun, was denkt eigentlich Herr G. darüber, daß der polnische Antisemitismus die Form des „Boykotts", also eine rein wirtschaftliche Form angenommen hat? Der Grund dafür ist eben, daß seine Quelle nicht „in Nachahmung des russischen „Antisemitismus", sondern in wirtschaftlichen Verhältnissen zu suchen ist. Der polnische Antisemitismus ist genau desselben Ursprungs, wie der der Christlich-Sozialen in Österreich. Er ist nur konsequenter durchgeführt worden. Und daß er solchen Anklang gefunden hat, beweist nur, daß er Boden gefunden hat, wo er Wurzeln fassen konnte, daß er nicht „Nachahmung" war. Der Verfasser gibt übrigens, wenn auch nur in zweiter Linie zu, daß der polnische Antisemitismus auch wirtschaftliche Gründe hat. Nur beseitigt er sie sehr rasch. Nach der politischen Änderung werden sich die Polen frei betätigen können und damit verschwindet die wirtschaftliche Enge, die sie zum Antisemitismus führe. Ja, waren denn die Polen unter russischer Herrschaft wirtschaftlich bedrängt? Nie. Nur politisch (wie alle russischen Untertanen) und kulturell (speziell als Polen) waren sie gefesselt, — ökonomisch und wirtschaftlich — nie.

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