Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 41 (15.10.1915)
- Date
- 1915-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Qanzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Verlag „des Jüdischen Echos": München, Herzog Maxstr.4. - Redaktion: Norbert Weldler, München-Solln, Erikastraße 6. Nummer 41 ftnzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für k 1 e i n e Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. München / 2. Jahrgang 15. Oktober 1915 1915 Wochenkaknder (5676) IJTin Oktob. Marcheschwan Samstag 16 iwmö 8 -f? Gottesd.: MorgsnsHauptsyn. 8V9 Herzog Rud.-Str. 71/« Sonntag Sabbath-Äusgang 6.04 17 9 Montag 18 10 Dienstag 19 11 Mittwoch 20 12 Donnerstag 21 13 Freitag 22 14 Sabbath-Eing.: Haupt - Synagoge 5.00 Herzog Rud.-Str. 5.00 Inhalt! Est,: Die Alliance Israelite Universelle 11 und wir. — Kurt Blumenfeld: Der Zionismus. — Ein Aufruf des französischen Zentralkonsistoriums. — Ludwig L.: Max Hollerbaum.— J. Dinesohn: Warum Motele nicht in den Cheder gehen will. — Welt-, Gemeind.- u. Ver.-Echo usw. Die Älliance Israelite Universelle und wir Im Jahre 1860 traten sechs angesehene Pariser Juden zusammen zur Begründung einer Organisation, die „zur Verteidigung der Ehre des jüdischen Namens" berufen sein sollte und sich vor allem den Kampf für die Emanzipation und den Schutz der „ihres Glaubens wegen leidenden" Juden in allen Ländern, sowie die kulturelle Hebung der Juden zur Aufgabe setzte. — Einer der sechs Gründer der Alliance Israelite Universelle, Narcisse Leven, der langjährige Präsident der Gesellschaft, ist erst vor wenigen Monaten in hohem Alter gestorben. In ihrem Gründungsprogramm hatte die Alliance erklärt, daß sie alle politischen Fragen aus dem Bereiche ihrer Tätigkeit ausschließe und sich um die politischen Ansichten ihrer Mitglieder ebenso wenig, wie um deren religiösen Meinungen kümmern werde. Die Alliance hat in einer mehr als 50jährigen Tätigkeit manches bedeutsame Werk geschaffen. Die großzügige Schulorganisation, die sie im eurdpäischen Orient, in Vorderasien und Nordafrika ins Leben gerufen hat, und die weit über 100 Schulen umfaßt, ist die hauptsächlichste Frucht ihrer Arbeit. Man hat gerade dieses Schulwerk einer scharfen Kritik unterzogen und es wurde insbesondere von deutschen Mitgliedern der Alliance auf manche pädagogischen Mängel hingewiesen, die den erzieherischen Erfolg der Allianceschulen sehr eingeschränkt haben. Vor allem aber wurde, insbesondere im letzten Jahrzehnt, der Allianceleitung der Vorwurf gemacht, sie vernachlässige in ihren Schulen das jüdische Wissen und eine positiv - jüdische Erziehung, und stelle ihren Zöglingen in ihrem ganzen Schulsystem stets die französische Kultur als Bildungsideal vor. Diese Behauptungen, die vor allem von jüdisch-konservativen und jüdisch-national gesinnten Kreisen mit immer lauterer Stimme erhoben wurden, wurde von der Allianceleitung stets energisch bestritten. — Deputationen, die man zur Inspektion der Schulen entsandte und denen auch deutsche — allerdings von der Pariser Leitung mit Vorsicht ausgewählte — Persönlichkeiten beigeordnet wurden, mußten die erhobenen Beschuldigungen als böswillige Verleumdungen zurückweisen. Doch vermochten sie nicht die Kritik, die durch hundertfach belegte Tatsachen begründet war, zum Verstummen zu bringen. — An einzelnen Schulen, insbesondere in Palästina, mußte die Alliance, dem dringenden Verlangen der Bevölkerung folgend, sich zu einer Ausgestaltung ihres Lehrprogramms nach der jüdischen Seite bequemen, insbesondere der hebräischen Sprache, die sie meist sehr stiefmütterlich behandelt hatte, mehr Rücksicht angedeihen zu lassen. In der Hauptsache aber blieb die Kritik erfolglos; sie schien bei den Pariser Herren kaum Eindruck zu machen. Nun regte sich die Opposition. Aus den Kreisen der jüdisch-nationalen und konservativen Mitglieder wurde vor wenigen Jahren gelegentlich der Neuwahlen des Zentral-Komitees, das nach den Alliance-Statuten aus allgemeinen Wahlen der Mitglieder hervorzugehen hat, der Versuch gemacht, anstelle der bisherigen Machthaber Männer an die Spitze der Organisation zu stellen, die für die Aufgaben einer jüdischen Allianz besseres Verständnis zu zeigen versprachen, als die bisherigen. Die Wahlagitation wurde energisch betrieben und versprach Erfolg; bestand doch ein sehr erheblicher Bruchteil der Alliance-Mitglieder aus deutschen Juden, die in ihrer überwiegenden Mehrheit der „Opposition" angehörten. Aus Gründen, die niemals vollständig aufgeklärt wurden, — es sollen damals plötzlich viele Tausende neuer Mitglieder der Alliance aus den Reihen ihrer ehemaligen Zöglinge im Orient gebildet und zur Wahl im Sinne der Leitung herangezogen worden sein — blieb die Opposition in der Minderheit. Die wiedergewählte Leitung fühlte sich