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Das jüdische Echo · 1915-10-08 · 40 (8.10.1915) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
40 (8.10.1915)
Date
1915-10-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Verlag „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. - Redaktion: Norbert Weidler,München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — . Anzeigenannahme: Verlag „desf Jüdischen Echos", München, Herzog l Maxstraße4. Fernsprecher: 8099. I Postscheckkonto: München 3987. ( Nummer 40 München / 2. Jahrgang 8. Oktober 1915 1915 Wochenkalender (5676) ijnn Oktob. Marcheschwan Tiisrnö Neumond 2. Tag Samstag 9 l l nj Gottesd.: Morgens Hauptsyn. 8V2 Herzog Rud.-Str. 7»/« Sonntag Sabbath-Äusgang 6.16 10 2 Montag 11 3 Dienstag 12 4 Mittwoch 13 5 Donnerstag 14 6 Freitag 15 7 Sabbath-Eing.: 'Haupt - Synagoge 51/« Herzog Rud.-Str. 5l/4 Inhalt! Nw-: Toleranz. — Dr. Schmaria ——— Lewin: Die jüdisch-polnischen Beziehungen HI: — Ein seltsamer Aufruf. — J. Dinesohn: Warum Motele nicht in den Cheder gehen will. — Welt-, Gemeindenu. Vereins-Echo usw. Toleranz Wir leben heute nicht in einer Zeit, wo Humanität 'dasi Richtscheit der großen Politik ist. Eine andere Idee beherrscht die Welt: das Recht der Nationalität. So stark sie aber auch ist, wir Juden haben davon noch nicht viel Heil erfahren. Als die Ideale des 18. Jahrhunderts im Schwange waren, konnten sie leichter auf die Juden Anwendung finden. Die Emanzipation des jüdischen Individuums berührte nicht allzu stark die nichtjüdische Umgebung, wohingegen die Ausdehnung des Nationalitätenprinzipes, (dessen Anerkennung im Geiste unserer Mitmenschen wirklich vollzogen ist, auf jüdische Gruppen größeren Schwierigkeiten begegnet. Wie der schöne, die Kultur des Erdballs bereichernde Gedanke einer Pflege des Volkscharakters diskreditiert werden kann, zeigt die innerpolitische Geschichte Österreich-Ungarns in den letzten Jahrzehnten. Wir wollen ja hoffen, wie es viele Optimisten von Ruf wünschen, daß nach der schweren Prüfung, die die Donaumonarchie noch zu bestehen hat, die Beziehungen der Volkerschaften zu einander einen anderen Geist als cien der Eifersucht, des Hasses, der Machtgier atmen werden, daß sich der Nationalitätenstaat verjünge und ein Vorbild dafür werde, wie sich Angehörige verschiedener Nationen in einem Staatsverbande einträchtiglich zusammenfinden können. Allein wa*s dort eintreten soll, heute, jetzt merken wir noch nicht, daß das nationale Ideal als eine Forderung der Gerechtigkeit Leitstern der Gesiellschaft so weit geworden wäre, daß die nachbarlichen oder durcheinander gewürfelten Nationen sich von ihm führen ließen. In der Zeit, die wir unter Anspannung aller Energien erleben, werden selbst natürliche Ansprüche, die nationale Kultur zu pflegen, durch Herrschaftsgelüste an ihrer Erfüllung verhindert. Sie gelangten immer, wenn sie durchdrangen, nur mit Anwendung brutaler Machtmittel politischen oder wirtschaftlichen Einflusses zur Geltung. Der Wille zum nationalen Zusammenschluß ist allgemein vorhanden, er erfaßt aber die, die sich zu ihm bekennen, nicht als sittliche Forderung, die unter eigenen Verzichten auch den Andersnationalen zugestanden wird. Wir sehen also, daß nicht die Berufung auf Anschauungen, die das Charakteristikum der Gegenwart bilden, sondern nur im Kampf erworbenes Übergewicht im Stande ist, jedem Volk das Seinige zu verschaffen. Die Juden sind ja nicht die einzigen, die um ihr nationales Dasein ringen. Natürlich sind sie auch hier wie beinahe überall Ausnahmeerscheinung. Ihre Lebensbedingungen als Volk sind schlechter als irgendwo, weil sie stellenweise unter einer Atomisierung leiden wie kein anderes Beispiel und auch darin sind sie ohnegleichen, daß sich in ihrer Mitte Strömungen finden, die ihre Nationalität ausgelöscht sehen möchten und zu vernichten wünschen. Aber trotzdem ist der Drang unter den Juden nach nationaler Festigung nicht zu unterdrücken und Versuche, ihn zu ersticken, zu völliger Aussichtslosigkeit verdammt, wenn die Juden auch wiederum mehr als andere aus den oben angeführten räumlichen und geschichtlichen Gründen der zentrifugalen Kraft der Assimilation unterliegen. Das Gute ist nur, daß sich die ostjüdischen Massen gar nicht erst mit der Frage der jüdischen Nationalität auseinanderzusetzen brauchen, sondern sie in Denken und Sitte unbewußt bejahen. Um aber ihren nationalen Besitzstand zu erhalten — mehr wollen sie nicht, Expansionsgelüste jedweder Art liegen ihnen fern — müssen sie Unsagbares dulden. Und es ist bezeichnend für ihr Schicksal, daß man ihnen noch einen Vorwurf daraus macht, während der Widerstand, den sich sonst zwei Nationalitäten bereiten, die

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