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Das jüdische Echo · 1915-09-21 · 38 (21.9.1915) · p. Seite 319

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
38 (21.9.1915)
Date
1915-09-21
Page
Seite 319 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 319 1 in bj. liebt , Vor- 5Ü das Geistige zu heben. Ihr Wahlspruch ist: Überwindung der Leidenschaften. — Es hat nicht an Ausartungen in dieser Richtung gefehlt, weshalb sich der berühmte verstorbene Rabbiner von Kowno (Rabbi Izchok Elchonon Spektor-Rabinowitsch) scharf gegen diese Richtung wandte und eine neue Schule in Kowno (die beiden Jeschibos befinden sich in der Vorstadt von Kowno Willfampolskaja Sloboda) gründete, deren Aufgabe lediglich dem Studium des Talmuds gewidmet ist. Die Studierenden haben keine Gebühren zu zahlen, die Unbemittelteren (also fast alle) erhalten noch eine geringe monatliche Unterstützung. Das Geld wird auf philanthropischem Wege gesammelt. Zu diesem Zweck werden „Gesandte" (Meschulochim) von den Verwaltungen in alle jüdischen Gemeinden geschickt, die so in unkontrollierbarer Weise das Geld zusammenbringen. L. A. Die Leiden der russisch* jüdischen Freiwilligen in der französischen Fremdenlegion In der Londoner Zeitung „Arbeiterfreund" ist folgender Brief eines jüdischen Freiwilligen in der französischen Fremdenlegion an seinen Bruder veröffentlicht: „ . . . Weiter kann ich Dir schreiben, daß in unserer Kompagnie in der letzten Zeit etwas Schauderhaftes vorgekommen ist. In meinem ganzen Leben konnte ich mir keine so ekelerregende Sache vorstellen. Ich kann Dir nicht alles schreiben, weil der Brief in schlechte Hände geraten könnte, und dann müßte ichs genug büßen. Aber ich will Dir schreiben, was mit uns in der letzten Zeit passiert ist, denn ich kann es nicht mehr bei mir behalten. Schon sieben Monate sind wir in den Schützengräben und man behandelt uns schlimmer als in russischen Zwangsanstalten. Wir müssen Tag und Nacht arbeiten und man gibt uns nicht einmal zu essen wie den anderen französischen Soldaten. Schon über einen Monat wandern wir von Schützengraben zu Schützengraben. Dabei leiden wir auch schrecklich unter der Hitze. Wenn uns französische Regimenter treffen, lachen sie uns aus, wegen unseres Lebens. Sie wollen es gar nicht glauben. Wir sind versklavt. Wir wußten nicht, daß man uns in die Fremdenlegion stecken wird. Wir dachten, daß man uns ins französische Heer tun wird, einstweilen hat man uns mit den Legionären vermischt, welche aus Marokko kommen. Man kann sich kein schlimmeres Regiment vorstellen. Es besteht aus Menschen, welche nach irgend einem großen Verbrechen sich einen anderen Namen geben und sich auf fünf Jahre verdingen. Diese organisiert man in einem besonderen Regiment, welches legion etrangere heißt. Du kannst Dir vorstellen, wie man in einer solchen Legion behandelt wird. — Vor kurzem überführte man uns nach einem anderen Ort. Bei solchen Gelegenheiten erlaubt man den Soldaten ins Dorf zu gehen. Uns hat man es aber nicht erlaubt. Da wir aber sahen, daß die Soldaten von anderen Regimentern herumgingen, sind zwei russische Freiwillige ins Dorf hinaus. Ein paar Offiziere sind ihnen begegnet und sagten ihnen, daß sie sich da nicht aufhalten dürfen. Der Hinweis der Freiwilligen, daß andere Soldaten auch im Dorfe sind, half nichts, und sie wurden arretiert. Die Offiziere verlangten noch, daß ihre eigenen Kameraden sie arretieren sollen, und als diese sich weigerten, es zu tun, sind auch sie arretiert worden. Man band sie und schlug sie bestialisch. Die ganze Nacht lagen sie im Arrest und am anderen Morgen, als: sie herauskamen, erkannte man sie nicht mehr, so zerschlagen waren sie. Wir wandten uns an den russischen Konsul, stellten ihm unsere Lage vor und baten ihn, für uns etwas zu tun. Wir bekamen af!erK"nine Antwort- Da beschlossen wir, auf alle falle, mag es kommen wie es will, unseren Oualen ein Ende zu machen und viele von uns weigerten sich zusammen mit der Legion in die Schützengräben zu gehen. Wir erklärten, daß man uns entweder in ein französisches Regiment Almemor der Synagoge in Sulzbach in der Oberpfalz. oder nach Rußland schicken solle, denn zusammen mit den Legionären wollten wir nicht mehr sein. Das Ende war, daß man uns gar nicht fragte, warum wir nicht mehr in der Legion bleiben wollen, sondern neun von uns erschoß und einige zu fünf bis zehn Jahren Zuchthaus verurteilte. Die, welche man erschoß, ließen sich die Augen nicht verbinden und eine Minute vor ihrem Tod schrieen sie: „Es lebe Rußland und Frankreich! Nieder mit der Legion! Wir sterben unschuldig!" Jetzt kannst Du Dir vorstellen, welche Stimmung bei uns herrscht. Lieber Bruder, sieh zu, daß der Brief verbreitet wird und alle von ihm erfahren. Die Sache darf nicht verschwiegen werden. So verfährt man mit denen, welche freiwillig sich für Frankreich opferten. Das ist der erste Dank..." Welt-Echo Die Verhandlungen mit dem American Jewish Committee abgebrochen. Die Verhandlung mit dem American Jewish Committee bezüglich eines Ausgleichs und einer Zusammenarbeit in der jüdischen Kongreßfrage wurden Mitte August abgebrochen. Die A.J.C.-Leute wollen sich einem auf demokratischer Grundlage einberufenen Kongreß nicht anschließen. Sie haben die Absicht,

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