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Das jüdische Echo · 1915-09-03 · 35 (3.9.1915) · p. Seite 287

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
35 (3.9.1915)
Date
1915-09-03
Page
Seite 287 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 35 Das Jüdische Echo 28/ sehen Kreisen allgemein darüber, daß kein Abgeordneter den Mut fand, gegen solche unberechtigte Anwürfe Stellung zu nehmen. Auf diese Angriffe gegen das Haus Rothschild antwortete Mr. Briand daß dieses Haus ebenso behandelt werde wie jedes andere und die Sequestration sei nicht abhängig davon, ob einer Jude oder Christ sei Der franzosische Senat scheint also die Rolle der russischen Duma übernehmen zu wollen. So sieht die Beeinflussung der russischen Unkultur durch die französische Kultur aus! Ein Ritualmordmärchen auf Korfu. Die Konstantmopeier „L'Aurore" berichtet: Einer unserer Freunde, der dieser Tage aus Saloniki gekommen ist, hat uns eine ganz sonderbare Nachricht überbracht. Auf Korfu kam es zu Unruhen, welche durch das Ritualmordmärchen hervorgerufen wurden. Ein christliches Kind hat erklärt, daß die Juden versucht haben, ihm Blut abzuzapfen, und die Volkswut hat sich gegen die Juden gewendet. Die jüdischen Abgeordneten von Saloniki David Mahelon und Pepo Malloh haben sich nach Athen begeben, um sien wegen dieser Begebenheit mit dem Minister des Innern ins Einvernehmen zu setzen. Obwohl Korfu schon öfters der Schauplatz derartiger Szenen war, befremdet uns dennoch das neuerliche Auftauchen des blödsinnigen Ritualmordmärchens in Griechenland. Das griechische Volk ist ja zu stolz auf seine aufstrebende moderne Kultur, als daß es sich der Lächerlichkeit eines so plumpen und bösartigen Aberglaubens auszusetzen brauchte. Man hütet sich in diesem Lande, auch nur den geringsten Verdacht der Unduldsamkeit und des Fanatismus zu erwecken. Auch uns erscheint das jüngste Ereignis auf Korfu bloß als ein tückisches Manöver der Straßenpolitiker, der Werkzeuge der Venezilisten, die nur darauf bedacht sind, die Juden in Mißkredit zu bringen, um sich für die Haltung derselben bei den letzten Parlamentswahlen zu rächen. Es ist ja allgemein bekannt, daß die Juden last überall für die Regierungspartei gestimmt haben, und daß nur ihnen die Niederlage der Venizelisten in Saloniki zu verdanken ist. — Das Ereignis auf Korfu wird, da es nur ein politisches Manöver ist, am griechischen Judentum zweifellos, wie so viele derartige Ereignisse, wirkungslos vorübergehen. Es wird hoffentlich nur ein Experiment sein, welches man mit den Stimmen der jüdischen Wähler im Wahlkampfe macht. Und falls wirklich jemand durch das neuerliche Auftauchen des blödsinnigen Märchens diskreditiert werden sollte, werden es nur diejenigen sein, welche es aufgebracht haben. Die Anklage des Ritualmordes kann den Juden nichts anhaben. Es schändet nur diejenigen, die es aus irgendwelchen Gründen verbreiten oder verbreiten lassen. Die so gut wie ein riheaterstuck inszenierte Beilis-Affaire, welche von amtswegen vorbereitet wurde, und welche trotzdem ein Fiasko erlitt, hat dem Schauermärchen ein Ende gesetzt. Aus der jüdischen Theaterwelt. Die „B Z. am Mittag" berichtet: Der auch in Berlin und Breslau gut bekannte ehemalige langjährige Leiter des jüdischen Theaters in Lodz, Direktor ^andberg, ist nach polnischen Blättern im Alter von 62 Jahren in Otwock verstorben. Sandberg hat sich namentlich auch um die Förderung junger Talente auf dem Gebiet des jüdischen Dramas verdient gemacht und gehörte zu den stadtbekanntesten Persönlichkeiten in Lodz. Eine neue spaniolische Zeitung. Seitdem 5. Aw erscheint in Soloniki eine neue spaniolische ze tung „La Esperanca" als Organ der dortigen Judisch-Nationalen. Gemeindenu. Vereins-Echo München. Den Heldentod fürs Vaterland starben: Julius Gerstle, Mitinhaber der Tuchfirma Elias Cohn Königsberger; Gefreiter Herbert Graf, Mitarbeiter der Firma Hermann Tietz; Hugo Obernauer, Reisender der Firma J. Lehmann; Martin Meyerfeld, Unterarzt, Ritter des Eisernen Kreuzes, Mitglied im K. C. „Licaria"; Hans Strauß, Infanterist, Beamter der Dresdener Bank. — Mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse wurde der Kriegsfreiwillige und Gefreite Berthold Feuchtwanger, Sohn des Fabrikanten Sigmund Feuchtwanger, für eine erfolgreich und umsichtig durchgeführte Patrouille ausgezeichnet. Er trat zu Beginn des Krieges mit 18 Jahren als Kriegsfreiwilliger in die Armee und steht seit Nov. v. J. bei einem bayer. Reserveregiment im Westen. Das Eiserne Kreuz 2. Kl. erhielten ferner: Heinrich Rosenkranz, Veterinär bei einer preuß. Landwehr-Division, Tierarzt; Dr. Ludwig Cohen, Assistenzarzt d. Res., Sohn des verstorbenen Oberlandesgerichtsrats Dr. Cohen; Dr. Waldemar Schweisheimer, Assistenzarzt, Sohn des Bankiers Eugen Schweisheimer. — Das bayer. Militär-Verd.-Kreuz 3. Kl. mit Krone und Schwertern erhielten Infanterist Ignaz Teilheimer, Sohn des Kfm. Gabriel Teilheimer und Max Rothschild, Unteroffizier der R. im 1. Schweren Reiterregt.; den bayer. Militärverdienstorden 4. Kl. mit Schw. erwarben sich Leutnant Hugo Gutmann bei der Landwehr-Feldartillerie und Georg Cohn, Assistenzarzt der Reserve. — Justizrat Dr. E. Bloch wurde zum Major befördert. Zum Oberleutnant befördert wurde Rechtsanwalt Dr. Ismar Manneberg in Oppeln, Leutnant im bayer. I. Res.-Inf.- Regt.; derselbe ist bereits Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Kl. und des Militär-Verdienstkreuzes 4. Kl. mit Krone und Schwertern; nunmehr wurde er auch für das Eiserne Kreuz 1. Klasse vorgeschlagen. München. Auf dem Sekretariate der hiesigen Kultusgemeinde, Herzog Maxstr. 7/1, liegt wie in den Vorjahren von Montag, den 30. August bis einschließlich Montag, den 6. September 1. Js. vormittags 9—12 Uhr eine Liste auf, in welcher die Namen derjenigen, welche anläßlich des Roschhaschonohfestes die Enthebung von schriftlichen Beglückwünschungen vornehmen wollen, gegen Entrichtung eines dem Wohltätigkeitssinn des Einzelnen anheimgegebenen Betrags eingezeichnet werden. Die Kultusgemeinde wandte sich an ihre Mitglieder in einem Rundschreiben, das die Aufforderung enthielt, ihr durch Einzeichnung in die Liste Spenden zuzuwenden. Es heißt darin u. a.: Gelegentlich unseres aus demselben Anlasse im Vorjahre an unsere verehrlichen Gemeindemitgheder gerichteten Rundschreibens haben wir mitgeteilt, daß zur Behebung der durch den Krieg veranlaßten wirtschaftlichen Notlage unserer Glaubensgenossen Maßnahmen getroffen und Mittel aufgebracht wurden, um nach Kräften helfend einzugreifen und denen, die ihres Ernährers beraubt und sonst durch den Ausbruch des Krieges auf Unterstützung angewiesen sind, Erleichterung durch regelmäßige Zuwendungen zu gewähren. Durch Zuschüsse aus der Wohltätigkeitskasse der Gemeinde, durch Verwendung einschlägiger Stiftungsmittel, durch Leistungen von Wohltätigkeits¬ und Wohlfahrtsvereinen und nicht zuletzt durch die zum Zwecke der Enthebung von schriftlichen Beglückwünschungen durch bewährte Opferwilligkeit unserer Gemeindemitglieder uns zugewendeten Beträge sind wir in die Lage versetzt worden, bisher schon über 60,000 Mark an Unterstützungsbedürftige abzuführen. Die an uns

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