Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 35 (3.9.1915)
- Date
- 1915-09-03
- Page
- Seite 283 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 Das Jüdische Echo 283 lästina" und an den Plänen für die Schaffung einer hebmischen Universität in Jerusalem, mit folgenden Worten würdigt: Als von zionistischer Seite das« Komitee gegründet wurde dessen Ziel die Sanierung Palästinas war, trat Ehrlich ihm sofort bei. (Ehrlich gehörte dem Ehrenkomitee der „Gesellschaft für sanitäre Interessen in Palästina" an.) Er beschränkte sich nicht auf platonische Zugehörigkeit, sondern versuchte mit allen Mitteln, den Plan zu fördern und warf das ganze Gewicht seines berühmten Namens m die Wagschale, wenn es galt, Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen oder Mittel herbeizuschaffen. Seiner persönlichen Fürsprache verdankt die „Gesellschaft jüdischer Ärzte für die Sanierung Palästinas" einen großen Teil ihrer Mittel, und er betätigte sein Interesse durch beträchtliche eigene Zuwendungen. Auch den Vorarbeiten für die Errichtung einer jüdischen Universität in Jerusalem gehörte sein wärmstes Interesse. In langen Komiteesitzungen und Einzelkonferenzen gab er seine gediegenen Ratschläge, förderte das Werk durch wärmste Empfehlungen an entscheidenden Stellen und war unermüdlich, wenn es galt, Schwierigkeiten zu beseitigen. Gerade bei der Weiterarbeit für dieses große Werk, die nach Friedensschluß einsetzen wird, wird seine treue, begeisterte und begeisternde Hilfe schwer entbehrt werden. In Paul Ehrlich hat das jüdische Volk einen seiner besten Söhne verloren. Ein charaktervoller, freier Mann, ein stolzer stammesbewußter Jude, ein Forscher von einer ungeheuren schöpferischen Genialität, dazu ein gemütvoller guter Mensch, so wird sein Name fortleben durch die Jahrhunderte, zur Ehre seines Volkes, gesegnet von den Leidenden. Feuilleton Jerusalemitanische Legenden Von Ludwig August Frank 1. IV. Die Hand. Die Sonne stand noch am Himmel, als drei Mädchen auf einer Terrasse saßen, wo drei Mandelbäume mit roten Blüten standen. Die eine hieß, wie jenes schöne Mädchen aus Sunem, Abisag; ihre Wangen waren, „wie der Ritz am Granatapfel, zwischen schwarzen Zöpfen." Die zweite hieß Suitana, ihre Augen waren blau und man konnte sie wie die Sulamits Taubenaugen nennen; „ihr Haar glänzte schwarz wie die Ziegenherden, die beschoren sind auf dem Berg Gilrad." Die dritte hieß Miriam, ihre Lippen glänzten „wie eine rosinenfarbige Schnur" und alle drei waren hebliehen Ansehens. Diese drei Mädchen saßen auf der Terrasse und sprachen allerlei heitere Reden, wie Mädchen pflegen, und banden sich Blumen zwischen die goldenen Spangen an ihren Schläfen und m ihre mit goldenen Flittersternchen geschmückten Haare, die in vielen Flechten auf ihrem Nacken bis an die Lenden fielen. Um dieselbe Zeit saßen drei junge Schüler in der Jeschiba eines frommen Rabbi am Fuße des Berges Zion und sprachen von einigen schweren Fragen im Talmud und bemühten sich die Losung zu finden. Einer von ihnen aber hörte nur scheinbar aufmerksam zu; seine Wangen waren bleich und eingefallen von vielen Nachtwachen und seine beiden Freunde warnten ihn schon oft getreulich, nicht mit den Geistern anzubinden. Er aber wollte Macht über sie gewinnen und studierte die ^anbala. Seine Freunde waren jetzt zu eifrig in einen talmudischen Streit verwickelt und merkten nicht auf ihn, der in tiefster Gedankensehnsucht an Abisag dachte, die er mit verzehrender Glut, ohne Gegenliebe, liebte. Er träumte so mächtig von ihr und fühlte sich ihr so nahe, daß er sie zu zwingen meinte in leidenschaftlicher Trunkenheit. Da ereignete sich etwas gar Seltsames unter den drei Mädchen auf der Terrasse. Die Sonne war im Untergehen; sie sahen, sich umschlungen haltend dem schönen Sterben zu und sangen die liebliche Stelle aus dem hohen Liede: „Ich bin eine Blume in Saron, und eine Rose im Tal." Da zuckte es wie ein weißer Schimmer über ihnen, es senkte sich eine feine, bleiche Hand herab und griff nach der Hand Abisags und eine weichtönende Stimme sprach die Trauungsformel: Hare at mekudeschet Ii". Darauf erhob sich die bleiche feine Hand, wie eine Taube glänzend und verschwand. Die Mädchen hatten inne gehalten im Liede und sahen und hörten schweigend, was eben sich zwischen ihnen ereignete. Nur war es seltsam, daß keine von ihnen über die wunderbare Erscheinung und die weichtönende Stimme erstaunte und sie sangen wieder: „Mein Freund ist weiß und rot, auserkoren unter vielen Tausenden. Sein Haupt ist das feinste Gold, seine Locken sind kraus, schwarz wie ein Rabe, seine Lippen sind wie Rosen, die von fließenden Myrrhen triefen." Bald nach dieser Begebenheit wurde Abisag von ihren Eltern einem Manne verlobt. Da erschien ihr ein Jüngling mit eingefallenen Wangen und drohte ihr, sie zu verklagen beim Beselin, denn sie sei bereits ihm angetraut seit jenem Abend, wo er ihr die Hand gereicht und die bindende Trauungsformel gesprochen. Abisag war sehr erschrocken und ging zum Oberrabbi von Jerusalem und erzählte ihm, was ihr widerfahren sei. Der Oberrabbi mit seinem Besdin erkannte aber die Verlobung mit der Hand als zu Recht bestehend an und verschob die Heirat auf ein volles Jahr. Die Eltern des Mädchens hörten nicht auf diese Entscheidung und bauten einen Trauhimmel auf und führten unter Zimbelklang und Paukenschall ihre Tochter Abisag dem harrenden Bräutigam zu. Siehe da, wieder die feine bleiche Hand und eine weichtönende Stimme sprach: „Wenn es mir nicht gegönnt ist, daß Du mein Weib seiest, so will ich einen Kuß von Dir haben." Die Umstehenden sprachen: „Auch zwölf, wenn Du willst." Der Unsichtbare küßte, so daß man es hören konnte, die junge Braut und sie sank vom Kusse getötet, lautlos zu Boden. Literarisches Echo Wilhelm Cahn: Im belagerten Paris 1870/71. Insel-Verlag, Leipzig 1915. Oktav. 400 S. Das Buch ist ein Neudruck der Tagebuchaufzeichnungen, die der Geheime Legationsrat Cahn, zurzeit des deutsch-französischen Krieges Sekretär der bayerischen Gesandtschaft in Paris, machte. Er war dort zur Unterstützung des Schweizer Gesandten, dem die Wahrung der deutschen Interessen oblag, zurückgeblieben. Die Augenblicksbilder und Beobachtungen Cahns machen das Buch ebenso interessant wie dadurch zur fesselnden Lektüre, daß man vielfach zu Vergleichen zwischen damals und heute und zu Vorstellungen, wie es jetzt in dem nicht ungefährdeten Paris aussehen mag, angeregt wird. Überdies gewinnt das Buch durch die Person des Verfassers an Anziehung, der wohl seine Anteilnahme an jüdischen Dingen durch die Mitgliedschaft im Zentralkomitee des Hilfsvereins der deutschen Juden dokumentieren will.