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Das jüdische Echo · 1915-08-20 · 33 (20.8.1915) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
33 (20.8.1915)
Date
1915-08-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erschcinungszcit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M.4.—,Einzelnummer 10 Pf.-Verlag „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weldler, München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Änzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 20. Äugust 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 33 1915 Wochenkalßnder (5675) njTin Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Äug. 21 22 23 24 25 26 27 Elul 11 12 13 14 15 16 17 K^n ^Gottesdienste: Morgens Haupsvn. 8l/s Herzog Rud.-Str. 7V2 Sabbath-Äusgang 7.57 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6 Va Herzog Rud.-Str. 63/4 Inhalt! Zu Kaiser Franz Josefs 85. Geburts- — tag. — Hugo Schachtel: Kriegsgedanken. — N. W.: Karl Lippe. — Dr. Karl Lippe: Eröffnungsrede zum 1. Zionistenkongreß in Basel. — W. Kaplun-Kogan: Deutsche u. Juden in Polen. — L. A. Frankl: Jerusalemitanisehe Legenden II. —. Welt-, Gemeinden- und Vereins-Echo usw. Zu Kaiser Franz joseis 85. Geburisiag Die Geburtstage des Monarchen von Österreich- Ungarn waren stets echte Volksfesttage. Und wenn sich je ein Herrscher der Liebe seiner Untertanen erfreuen durfte, so kann sich Kaiser Franz Josef ihrer rühmen. Er ist als wahrer Vater seinen Völkern aufs innigste verbunden und sie selbst nehmen an seinem Freud und Leid den persönlichsten Anteil. Deshalb wird der 18. August dieses Jahres, das nach kummervollen Tagen eine glückliche, hoffnungsreiche Zeit ahnen läßt, mehr denn je begangen werden. An ihr wird auch das jüdische Volk Teil haben, das freudig und treu Gut und Blut dem dargebracht hat, der seiner Völkerfamilie als Verkörperung friedlicher Gesinnung und felsenfester Zuversicht erscheint. Der greisen Majestät, die jederzeit ihr sorgliches Wohlwollen gerade für die ärmsten Schichten der jüdischen Bevölkerung Österreich-Ungarns an den Tag legte und um die sich unter den Juden Galiziens schon heute ein reicher Kranz von dankbaren Legenden webt, ihr werden in dieser Woche die heißesten und frömmsten Gebete aller jüdischen Bürger gelten, auf daß sie bald den Tag erstehen sehe, von dem an das siegreiche Land, befreit von allen Feinden, sich verjungen wird im Zeichen seines Wahlspruches: viribus unitis. Kriegsgedanken Von Hugo Schachtel in Breslau. Nach alten jüdischen Sagen und Legenden wird der Erlösung der Menschheit durch den Messias ein großer furchtbarer Kampf vorangehen, der Krieg von Gog gegen Magog. Malbim, ein bekannter Kempner Rabbi, der ein großer Gelehrter war, prophezeite im Jahre 1867 den Beginn der Erlösung für das Jahr 1913 oder 1915 auf Grund von Berechnungen aus mystischen Stellen im Buche Daniel. Es sind weite Kreise im östlichen Judentum, denen diese Berechnungen zu Hoffnungen geworden sind, an denen sie sich in den furchtbaren Nöten der Gegenwart aufrichten und aus denen sie Mut zum Ausharren bei aller Bedrückung schöpfen. Sie leben in der Erwartung der mit dem großen Kriege schon begonnenen Erlösung . . . Daß der Krieg eine Erlösung, wenn auch nicht d i e Erlösung bringen werde, ist auch Empfindung und Hoffnung vieler, die sich von allem Mystizismus frei und unbeeinflußt glauben. Sie erwarten eine Erlösung von Nöten des Lebens, deren doch gar so viele sind. Doch welche von ihnen wird schwinden oder sich mildern? Wird wenigstens dieses Morden das letzte seiner Art sein? Werden die Kriege der Völker aufhören? Manche glauben so. Aber schon stehen ernste Männer ihnen gegenüber und sprechen die Befürchtung aus, daß dieser Wahnwitz nur die Einleitung zu einer Serie von Weltkriegen sein werde. Sie sehen dieses sich ergeben aus dem, was sie „Annexionsgelüste" der kommenden Sieger nennen, wobei sich meist eine Furcht vor „Annexionen" durch die Zentralmächte zeigt, was recht interessant ist. Sie stellen dann demgegenüber den Grundsatz auf, daß die Bewohner jedes Gebiets durch Mehrheitsbeschluß bestimmen sollen, wohin sie in Zukunft gehören werden. Wobei diese sicher das Gute wollenden Friedensfreunde, zu einem großen Teil jüdischen Geblüts, stets e i n Volk vergessen (wie könnte es auch anders sein!), das jüdische. Zwar rührt sie besonders sehr die Not des polnischen Volkes, aber alle Nöte und Leiden der Juden in Rußland und in Polen (oder richtiger: unter Polen) werden bei diesen Erörterungen vergessen..... Daß zu dem Guten, was man von dem Kriege oder durch ihn für die spätere Zeit erhofft, ein Schwinden der Abneigung gegen uns Juden, und des, was sich daraus ergibt, gehören werde, selbst nur bei uns oder in den österreichischen und ungarischen Landen, das zu glauben, so naiv sind jetzt ein Jahr nach Beginn des Krieges nur noch wenige, ganz verschwindend wenige. Das er-

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