Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 32 (13.8.1915)
- Date
- 1915-08-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel)'. M. 1.— Halbj. M. 2.-, Qanzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. —Verlag „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weidler, München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 13. August 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 32 1915 Wochenkalender (5675) njnn Äug. EIul □"•ttD^Gottesdienste: Samstag 14 4 Morgens Haupsyn. 8!/i Herzog Rud.-Str. 7>/a Sabbath-flusgang 8.» Sonntag 15 5 Montag 16 6 Dienstag 17 7 Mittwoch 18 8 Donnerstag 19 9 Freitag 20 10 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6 Va Herzog Rud.-Str. 7 — Inhalt! Dr* Raphael Straus: Jüdischer Kon- * servativismus. — Selma Blumberg: Zur jüdischen Erziehung. — Pogrom in Reih und Glied. — Ein hebräisches Kriegsgebet. — Ludwig August Frankl: Jerusalemitanische Legenden I. — Literarisches-, Welt-, Gemeindenu. Vereins-, Anzeigen-Echo. usw. Jüdischer Konservativismus Von Dr. Raphael Straus, München. In einem „Jüdischer Konservativismus" betitelten Artikel in der letzten Nummer des „Jüdischen Echos" wird eine Frage behandelt, die uns allen am Herzen liegt. Ich persönlich teile die dort vertretenen Ansichten durchaus, glaube aber nicht, daß der Verfasser dem politisch-liberalen Judentum völlig gerecht wird, wenn er die Verbreitung dieser Anschauungen im deutschen Judentum lediglich Jals eine aus Großvaterzeiten ererbte Erscheinung betrachtet. Ich glaube, wenn man, wie auch ich es tue, eine konservative Gesinnung als der jüdischen Wesensart im allgemeinen entsprechend betrachtet, bleibt die Tatsache, daß weite Kreise der deutschen Judenheit trotzdem eine entschieden „liberale" Haltung bewahren, umso erstaunlicher. Hier müssen Gründe vorhanden sein, die tiefer liegen. Diese grundlegenden Tatsachen sind es, ohne deren Aufdeckung und Beseitigung von der deutschen Judenheit niemals eine andere als oppositionelle Haltung zu fordern ist. Solange die antisemitische Agitation im wesentlichen in Kreisen politisch-konservativer Gesinnung geschützt und betrieben wird, werden die deutschen Juden immerdar — auch gegen ihren Willen — zu einer gegen die „Konservativen" oppositionellen Haltung — verurteilt bleiben. Es ist in jeder Beziehung aussichtslos und unzweckmäßig, solange die hier herrschenden Zustände sich nicht ändern, von deutschen Juden politisch-konservative Gesinnung und Arbeit zu fordern. Ändern sich diese Zustände, was wir hoffen wollen, nun dann wird die Judenheit ohne große Mühe für den Konservativismus zu haben sein, der ihr eingeboren ist. Heute eine Annäherung an diejenigen politischen Kreise zu suchen, die bis zum Kriege für die wahren Interessen der deutschen Judenheit — nationale, wirtschaftliche usw. — überaus wenig Verständnis und Teilnahme bewährt haben, heißt den Ast absägen, auf dem man sitzt. Das ist bisher eine feststehende Tatsache gewesen, und die Juden müssen sich eben bis auf weiteres damit abfinden, soweit ihre eigentliche Gesinnung politischkonservativ ist, diese vorläufig nicht betätigen zu können. Eine ehrliche konservative Politik der deutschen Juden in deutschen Dingen kann nur dann gemacht und verlangt werden, wenn auch in jüdischen Dingen eine konservative Haltung und Gesinnung Platz greift. Eine dauerhafte und fruchtbare Politik kann niemals allein auf dem Grund praktisch-politischer Bedürfnisse aufbauen. Natürlich wird man solange von der deutschen Judenheit vergeblich eine politisch-konservative Stellung verlangen, solange n i c ttt konservative Neigungen wirklich das. Übergewicht haben. Und davon kann bisher — wenigstens was die einflußreichen Großgemeinden betrifft — nicht die Rede sein. Es sind zum weitaus größten Teil Männer nicht konservativer Gesinnung — in jüdischen wie in deutschen Dingen —, die dort die Leitung des Geschäfts haben. Daher verliert in den Großgemeinden das Judentum durch Taufe, Mischehe und andere Zeugnisse wachsender Gleichgültigkeit gegen das überlieferte Judentum — grauenhaft schnell an Bestand. (So kommt z. B. in Berlin jährlich auf je 500 Juden eine Taufe, in Wien sogar auf nur 200 Juden, vergl. Ruppin, „Die Juden der Gegenwart"). Kann man von Personen, die sonst im Leben, d. h. als Juden keine konservativen Neigungen haben, eine aufrichtige und treue konservative Haltung in deutscher Politik erwarten? Schwerlich. Soll man daher überhaupt eine politisch - konservative Stellung von ihnen verlangen? Nein. Denn das käme auf eine Art unsolider Gelegenheitspolitik hinaus, die ebenso nutzlos wäre, wie sie Gesinnung vermissen ließe. Das ist anders bei denjenigen jüdischen Kreisen,-die in Stadt und Land auch in jüdischen