Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 31 (6.8.1915)
- Date
- 1915-08-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel)". M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Qanzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V er 1 ag „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weidler,München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", 'München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 6. Äugust 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 51 1915 Wochenkalender (5675) Hjnn j Au« Ab HS"! Gottesdienste: 1 LUg. Morgens Haupsyn. 8'/a Samstag 7 27 Herzog Rud.-Str. 7l/9 Sabbath-flusgang 8.25 Neumondankündig. Sonntag 8 28 Montag 9 29 Dienstag 10 30 Neumond 1. Tag Elul W?« Mittwoch 11 1 Neumond 2. Tag Donnerstag 12 2 Freitag 13 3 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6 Va Herzog Rud.-Str. 7 — Inhalt* N. W.: Falsche Freunde. — Mykola * Hankewytsch: Das jüdische Elend. - Literarisches Echo. —<■ Zeitungs-Echo. — Max Brod: Tycho Brahe und der hohe Rabbi Low.— Welt-i Gemeindenu. Vereins-, Anzeig.-Echo usw. Falsche Freunde In der ersten Hälfte des Juli ging durch die deutschen Zeitungen eine auf telegraphischem Wege verbreitete Notiz, welche eine Erklärung „hervorragender Vertreter der galizischen Juden" darstellte. Sie zielte dahin, die gegen das polnische Volk erhobenen, kompromittierenden Anklagen abzuschwächen, und sollte geflissentlich den Anschein erwecken, daß die gesamte jüdische Bevölkerung Galiziens ohne Ausnahme sie billige. Durch die geschickte Lanzierung in die Tagesblätter wird der Erklärung in den Augen der ungenügend unterrichteten Öffentlichkeit eine Bedeutung beigemessen, die ihr gar nicht zukommt. (Nur wenige Blätter, wie die gewissenhafte „Frankfurter Zeitung", gaben ihren Lesern von dem wahren Wesen der Enunziation Kenntnis.) Wiener jüdische Zeitschriften haben schon vor Monaten darauf aufmerksam gemacht, daß sich der österreichische Polenklub lebhaft darum bemühe, die galizischen Juden zu einem Protest gegen die von Georg Brandes erhobenen Anklagen zu bewegen. Doch war der Erfolg so unzureichend, daß aus dem beabsichtigten Protest aller nur die Erklärung weniger wurde. Tatsächlich war die Sammlung der Unterschriften außerordentlich schwierig. Es identifizierte sich nur ein kleiner Teil von Personen, die einen bekannten Namen tragen, mit der Erklärung. Wie wenig sie dem allgemeinen Empfinden entsprach, mag man, abgesehen von der Absentierung der ganzen nationaljüdischen Partei, schon daraus ermessen, daß die Reichstagsabgeordneten Dr. Groß, Rauch und Reizes, die ebenso galizische Wahlkreise vertreten wie die Herren Dr. v. Löwenstein, Di am and u. a., trotz ihrer wochenlangen Bearbeitung und trotz wiederholter Änderung und Abschwächung der Erklärung nicht zu bewegen waren, die Unterschrift zu geben. Ebenso verweigerte sie der Präsident der Lemberger Handelskammer, Samuel Edler von H o r - witz und die überwiegende Mehrzahl der Rabbiner, um deren Mitwirkung man sich deshalb so sehr bemühte, damit man sagen könne, nicht nur die assimilationssüchtige Intelligenz, sondern auch der gewöhnliche Mann trete für den Inhalt der Erklärung ein. Was darin stand? Daß die Polen Rußlands an den Verfolgungen der Juden im Grunde genommen schuldlos seien, daß die Juden Galiziens, ein Beweis für die wohlwollende Gesinnung des polnischen Volkes dort, wo es atmen könne, „die Möglichkeit zu unbehinderter kultureller Entwicklung und volle Gleichberechtigung" usw. usw. hätten, daß in einem freien Polen sich für die vielgeliebtein1! Juden alles zum Schönsten wenden werde u. dgl. m. Wer einigermaßen die Verhältnisse in Galizien kennt, weiß, daß solche Behauptungen nur von Personen aufgestellt werden können, die eine stark opportunistische Politik treiben. Und es ist tief bedauerlich, daß die jüdischen Mitglieder des reichsrätlichen Polenklubs, unbelehrt durch die günstige Veränderung der politischen Verhältnisse in Österreich, noch immer nicht zur Einsicht gelangt sind, wie wenig sie ihren Wählern und dem jüdischen Volke dienen, wenn sie sich weiterhin als Hausjuden der Polen verwenden lassen. In diesem Falle haben sie sich aber auch selbst in die Tinte gesetzt. Denn in der Erklärung stand manches, was die österreichische Zensur nicht durchgehen lassen konnte, Sätze, die geradezu gegen den österreichischen Staatsgedanken Verstössen und k a u m werden vergessen werden. Und es scheint wie eine Tücke oder Bosheit, daß sich kurze Zeit darnach der Obmann des Polenklubs, G l p mb i n s k i, genötigt sah, von seiner Seite eine Erklärung der allpolnischen Partei zu erlassen, in der er die Loyalität des Polenklubs gegenüber dem Herrscherhause beteuerte!! Es ist ja beileibe nicht das erste Mal, daß die Unterzeichner das Gegenteil von dem tun, was der jüdischen Bevölkerung in Galizien frommt.