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Das jüdische Echo · 1915-07-30 · 30 (30.7.1915) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
30 (30.7.1915)
Date
1915-07-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Qanzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V e r 1 a g „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weldler, München-Solln, Erikastraße 6. ene um — Anzeigen: Die viergespalten Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt, Dieselbe für kleine Änzeigen 15 Pf. Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 30. Juli 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 30 1915 Wochenkalender (5675) H^ID Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Juli Äb n»s 31 20 Äug. 1 21 2 22 3 23 4 24 5 25 6 26 npy Gottesdienste: Morgens Haupsyn. 8'/2 Herzog Rud.-Str. 7V2 Sabbath-Äusgang 8.38 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6^4 Herzog Rud.-Str. 7 V4 InhaltZ Ludwig Wassermann: Jüdischer Konservatismus. — Jakob Reich: Weltkrieg und Judentum. — N. W.: Adolf Oppenheim. — Friedr. Nicolai: Eine Mendelssohn-Anekdote. — Zeitungs-, Welt-, Gemeinden-Echo usw. Jüdischer Konservativismus Von Dr. Ludwig Wassermann in München. Für den strenggläubigen Juden, wie den freigeistigen Juden, für den jüdisch uninteressierten, wie für den von starkem Gemeinschaftsgefühl erfüllten, gibt es seit der Emanzipation einen Glaubenssatz von scheinbar absoluter Gültigkeit — die Idee des politischen Liberalismus, als letzte unvergängliche Wahrheit. Es ist richtig, der deutsche Liberalismus hat es verstanden, die Juden für sich zu gewinnen, in den Reihen seiner Parteien treffen wir die meisten deutschen Juden. Der jüdische Akademiker, * soweit er nicht der proletarischen Bewegung huldigt, der Großkapitalist, der für das demokratische Wahlrecht schwärmt, der kleinstädtische Händler, der oft wider sein eigenes Interesse die Wirtschaftspolitik des Agrarbesitzers bekämpft, sie alle finden es ganz selbstverständlich, daß sie im Lager der Linksparteien zu stehen haben. Daß diese Erscheinung aber weder wünschenswert noch notwendig ist, haben bisher nur einzelne hervorgehoben. Allein es ist schwierig, gegen Anschauungen anzukämpfen, die den Großvätern selbstverständlich gewesen sind. Und dennoch ist es doch wieder so einleuchtend, daß es ein Widerspruch sein muß, wenn wir Juden, die wir das konservativste Volk aller Zeiten uns nennen können, die Träger des neuzeitlichen Radikalismus geworden sind. Hat sich dieser Radikalismus entgegenkommender gezeigt als das System politischer Zweckmäßigkeiten, das uns als „reaktionär" bislang als bekämpfenswert erschien? Die Länder der Demokratie, die Ideale des jüdischen Liberalismus, Frankreich und England, ihre freiheitlichen Intellektuellen, sie haben mit Rußland im Bunde nichts getan, um die Schandtaten der zarischen Soldateska zu vereiteln. Das politische Ideal des Liberalismus dieser Staaten, es hat sich bei uns als eine Oligarchie ehrgeiziger Politiker deklariert. Ist eine solche besser, als die durch sittliche Kraft und Tradition zum Herrschen berufene Regierungsgewalt?! So mahnt der Weltkrieg auch in diesen Dingen zur Selbstbesinnung. Eine Frucht solcher nachdenklicher Tätigkeit ist eine neue Richtung im deutschen Judentum, die lange gefehlt hat. Es ist ein Konservativismus, der „in deutschen Dingen deutsch, in j ü d i ,s c h e n Dingen jüdisch" denkt. Wo er deutsch denkt, nähert er sich den Zielen, die auch der nichtjüdische Staatsbürger anstrebt, wenn er eintritt für die alten bewährten Prinzipien staatlicher Autorität und moniarchischer Gesinnung. Dabei soll und wird der Wille zum Judentum mit unverminderter Kraft wirksam bleiben. Das soll man anerkennen und unsere Kreise nicht stören. Wir aber wollen andrerseits diejenigen von uns abschütteln, die sich Grenzüberschreitungen auf dem Gebiet der Kunst, Politik, Religion und dem gesamten öffentlichen Leben schuldig machen. Wir verurteilen es, wenn jüdische Zeitungsschreiber die inneren Angelegenheiten der evangelischen Kirche polemisch behandeln, wenn hemmungsloser jüdischer Witz, dem auch das Judentum nichts mehr bedeutet, sich an Dingen r^ibt, die einem großen Teil des deutschen Volkes heilig sind. Wir protestieren geeen solchen zersetzenden Einfluß, auch wenn man uns darum des jüdischen Antisemitismus zeihen wollte. Wer selbst anerkannt sein will, wer wie wir die jüdische Wesensart betont und den ewigen Sittlichkeitsgehalt des Judentums empfindet, der wird dabei von Zustimmung oder Ablehnung von außen unberührt bleiben, aber er wird denselben Respekt, den er für sich fordert, anderen ebenso entgegenbringen müssen. Auf dieser Basis würdigen Betonens jüdischer Eigenart, gilt es die mannigfachen Brücken zu finden, die uns mit den nichtjüdischen Deutschen verbinden. Denken wir z. B. nur an die gleichen wirtschaftlichen Interessen. Auch hier hat der Krieg vielen von uns die Augen geöffnet. Die freihändlerische Wirtschaftspolitik des Liberalismus, die den Gehirnen sogenannter „berühmter" Universitätsprofessoren meist entsprang, hätte

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