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Das jüdische Echo · 1915-07-09 · 27 (9.7.1915) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
27 (9.7.1915)
Date
1915-07-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Hi Herrü m Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel]'. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Qanzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. - V er 1 a g „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. - Redaktion: Norbert Weidler,München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 9. Juli 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 27 1915 Wochenkalender (5675) njnn Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch I Donnerstag I Freitag Juli 10 11 12 13 14 15 16 Tamus non 28 29 Rh l 2 3 4 5 ^DÖ niüö Gottesd.: Morgens Haupsyn. 8'/a Herzog Rud.-Str. 7V2 Sabbath-Husgang 9.03 Neumondankündig. ann t£\sn Sabbath-Eingarig: Haupt - Synagoge 6V4 Herzog Rud.-Str. 7 V4 Zd? Inhalt \ Meir ben Elieser: Golus. — Dr. Bern- —^— hard Münz: Unter den Flüchtlingen. — Dr. Heinrich Löwe: Josef Chazanowicz. — J. M. Merich: Die Bergjuden von Daghestan. —■ Prof. Abraham Berliner: Eine jüdische Hochzeitsfeier im Mittelalter. — Welt-, Gemeinden- und Vereins-Echo usw. Golus Von Meir ben Elieser. Ist uns modernen Juden die Weltorientierung, die der verhängnisvolle Tag unseres staatlichen Untergangs geboren hat, noch eine in uns lebendig wirkende Kraft, lebt das Bewußtsein, Verstossene Gottes zu sein, noch wirklich in uns, vermag der Glaube an die verheißene Erlösung aus dem Golus unser Sein noch von den gewohnten Geleisen auf die Höhenpfade unserer Ureigenheit emporzuheben? Gott hat uns um unserer Verfehlungen willen aus dem Lande, in dem wir in Ehren hätten untergehen können, vertrieben, uns bis zu unserer reuigen Umkehr in die Länder des ganzen Erdballs zerstreut. Seitdem wandern wir von Land zu Land, von Volk zu Volk, von Vertreibung zu Vertreibung, ohne Ruhe zu finden, die dem Totkranken das Leben oder den Tod erleichtern könnte. Für die wahrhaft Einsichtigen hätte es nicht erst der Entsetzlichkeit dieses Krieges bedurft, nicht erst der grausamen Ausweisung von 280 000 Juden aus ihren jahrhundertelangen Wohnsitzen, nicht erst der entmenschten Judenmetzeleien im okkupierten Galizien, nicht erst der infamen Hochverratsanklage des russischen Generalissimus gegen die Gesamtheit seiner jüdischen Untertanen, um diese gräßliche Agonie unseres Volkes zu veranschaulichen. Für uns, die wir schon lange aus dem schwachen Pulsschlag unseres jüdischen Lebens die Diagnose seiner inneren Verblutung festgestellt haben, sind die Ereignisse der Gegenwart nur eine äußere Betätigung des längst Erkannten. Aber den Stumpfen und Kurzsehenden, den Selbstsüchtigen und Ängstlichen unter uns öffnete erst die neueste Katastrophe russischer Pogrompolitik die Augen. Es gibt heute keinen Juden (der diesen Namen verdient), dessen Innerstes nicht für das Schicksal der russischen Juden aufzitterte, dessen Herz nicht durch die unendlichen Leiden unserer östlichen Glaubensbrüder mitgetroffen wird, der sich um geringfügiger und zweifelhafter Vorteile willen von der Gemeinschaft mit diesen Märtyrern jüdidischer Geradsinnigkeit lossagen könnte. Dieses nicht aus der Welt zu schaffende, in Zeiten höchster Not deutlicher hervortretende jüdische Solidaritätsgefühl ist zugleich die Grundlage einer wahrhaft universellen Erfassung der Judenfrage, das Fundament jener Golus-Weltorientierung, nach deren Lehre wir uns in der Verbannung befinden. Erst wenn wir von den Schwankungen örtlich und zeitlich begrenzter Verbesserungen und Verschlimmerungen unserer Lage zu abstrahieren gelernt haben, wenn wir bei Beurteilung unseres Daseins das Gesamtschicksal unseres Volkes überblicken, vermögen wir die Wirklichkeit des über uns schwebenden Verhängnisses, die Realität unseres Golus zu ermessen. Der von den Oberflächlichen schon so oft totgesagte Golus beginnt wieder nach maßlosen Opfern sein unersättliches Haupt zu erheben, und seiner furchtbar-zwingenden Gewalt ver

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