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Das jüdische Echo · 1915-06-25 · 25 (25.6.1915) · p. Seite 203

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
25 (25.6.1915)
Date
1915-06-25
Page
Seite 203 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 26 Das Jüdische Echo 203 Rat usw. zu verschaffen bemüht sind. Auch in Rußland stehen die Zionisten überall mit an der Spitze aller Aktionen, die zur Linderung der Not der aus dem Kriegsgebiete fliehenden Juden durchgeführt werden. In Alexandrien, wohin etwa 7000 Juden feindlicher Staatsangehörigkeit aus Palästina flüchteten, die keine Ottomanen werden wollten, konnte einem großen Teile die Möglichkeit zur Weiterreise und zur Begründung einer Existenz dadurch verschafft werden, daß die zionistische P a 1 ä s t i n a b a n k (Anglo-Palestine-Company) einen Betrag von 250 000 Frcs. bereitstellte, der in kleinen Beträgen an Depositeure der Bank, die aller sonstigen Mittel bar waren, zur Verteilung gelangte. Vermittlung privater Geldsendungen aus Amerika nach Rußland und Oesterreich. Das Provisorische Zionistische Executiv-Komitee in New- York hat jetzt auch die Vermittlung privater Geldsendungen aus Amerika nach Rußland und Oesterreich übernommen, was für die aus dem Kriegsgebiete geflüchteten und in Not befindlichen jüdischen Untertanen dieser Länder, die vielfach Angehörige in Amerika haben, von größter Bedeutung ist. Hand in Hand mit dem genannten Komitee arbeiten die Hilfskomitees, die sich in verschiedenen russischen Zentren und in Wien gebildet haben. Die Adresse des Provisorischen Zionistischen Exekutiv-Komitees lautet: Provisional Executive Committee for General Zionist Affairs, New-York, Suite 118, Mercantile Bldg. 44 East 23 rd Street. Die Beteiligung der Juden am Kriege wird durch folgende im Sofioter „Utro" erschienene Statistik geschätzt. In der russischen Armee gebe es 300 000 Juden, in der österreichisch-ungarischen 150 000 (darunter 60 000 Unteroffiziere und Offiziere, zwei Generäle), in der deutschen 100 000 (darunter 15 000 Unteroffiziere und Offiziere), in der französischen 30 000, in der englischen 5000, in der belgischen 1000 und in der serbischen 700. Eine neue jüdische Zeitung. In New-York begann eine neue jüdische Tageszeitung „Der jüdische Führer" zu erscheinen, welche vom früheren Redakteur der „Wahrheit", L. Miller, herausgegeben wird. In der neuen Zeitung wird auch Dr. Schmarja Lewin mitarbeiten. Galizische Emigranten in Amerika. Auf der Delegiertenkonferenz des Verbandes galizischer und bukowinaer Juden wurde beschlossen, ein Hilfskomite für jüdische Emigranten zu bilden, welche nach dem Kriege nach Amerika gehen wollen. Ungarisch-Jüdisches Kriegsarchiv. Nach dem Beispiel des Wiener Jüdischen Kriegsarchiv wurde jetzt auch eine ähnliche Institution in Ungarn geschaffen. An der Spitze stehen viele bedeutende jüdische Persönlichkeiten. Alle Materialien, welche dieses Archiv bezüglich der Rolle der Juden im gegenwärtigen Krieg sammelt, sollen später dem jüdischen Museum in Budapest übergeben werden. Das Ritualmordmärchen im russischen Heer. An den Osterfeiertagen kamen für die russischen Truppen in Polen große Ostereier an, an deren oberem Teil als Schmuck ein Bild angebracht war, das ein junges, auf einem Tisch festgeschraubtes Weib darstellt. Um sie sitzen vier polnische Juden, die ihr mit Sauggeräten das Blut abzapfen, das zum jüdischen Osterbrot verwendet werden soll. Auf der anderen Seite des Eies werden die Soldaten in polnischer Sprache zu Gewalttätigkeiten gegen die Juden aufgewiegelt. Der Korrespondent der „Vossischen Zeitung", der zurzeit in Rußland auf Reisen ist, hat von diesen Eiern photographische Aufnahmen gemacht. Zionistenverfolgungen in Rußland. Die Zionistenverfolgungen in Rußland haben sich in letzter Zeit sehr verstärkt. In Mohilew und Jrkutsk fanden vor kurzem Zionistenprozesse statt. Es ist nur, wie bei allen Angelegenheiten in Rußland, auch bezüglich der Zionisten kein bestimmtes System, keine Ausdauer vorhanden. Während man in Jrkutsk die angeklagten Zionisten freisprach, hat man in Mohilew 19 Zionisten zu 1—4 Monate Gefängnis verurteilt. Literarisches Echo „Jüdisches Archiv." Mitteilungen des Komitees „Jüdisches Kriegsarchiv". Verlag R. Löwit, Wien. Nummer 1. Mai 1915. 50 Pfennig. Unter diesem Titel gibt das vor einigen Monaten in Wien gegründete „Jüdische Kriegsarchiv" Mitteilungen heraus. Wenn es deren Zweck sein soll, weiteren Kreisen einen Begriff davon zu geben, wie wertvoll das Material ist, das im Jüdischen Kriegsarchiv gesammelt wird, so ist dieser Zweck in der vorliegenden ersten Nummer erreicht. Schon die übersichtlich geführten Listen jüdischer Ausgezeichneter sind als dankenswert anzusehen. Daß in einer Anzahl von Fällen die Gründe der Auszeichnung in kurzer und präziser Fassung hinzugefügt sind, wirkt besonders illustrativ. Vorzugsweise Aufmerksamkeit verdienen aber die Beispiele russischer Barbarei und Henkerei, die die „Mitteilungen" fast durchaus nach originalen Berichten zu bringen wissen. Einige davon wie „die Untat von Staszow (in Russisch-Polen) und das Schicksal jener bukowinischen Judenfamilie, von dem der Postvermerk auf dem letzten verzweifelten Briefe des Familienvaters Kunde gibt, sowie der Tod des greisen Talmudisten in Szeizec gehören wohl zu den furchtbarsten der Art. Dabei scheinen alle diese Fakten nicht aufs Geratewohl aus der Fülle der russischen Missetaten herausgegriffen zu sein, Sondern sind wohl ausgewählt, um einerseits die furchtbarste Begleiterscheinung der Greuel, die namenlose Verlassenheit der ihren Peinigern ausgelieferten Opfer, hervortreten, anderseits den Leser a-uch die Beweggründe, Grundgedanken und gewisse interessante Hilfsquellen des russischen Greuelsystems zumindest ahnen zu lassen. Namentlich geht aus ihnen ganz deutlich hervor, daß sich Rußland nicht ohne Grund an die Juden als Hauptsündenböcke hält, sondern daß es in den eigenen heimischen Juden diejenigen treffen will, die naturgemäß seiner Regierungsweise am konsequentesten widerstreben und in den galizisch-bukowinischen Juden die jedenfalls erreichbarsten unter den Trägern eines unbedingten Oesterreichertums. — Das Heft, das auch einige patriotische Kundgebungen jüdischer autoritativer Stellen enthält und mit Geschmack ausgestattet ist, stellt sicherlich einen wertvollen Beitrag zur Zeitgeschichte dar, den jeder, der sich für diese ernstlich interessiert, zur Kenntnis nehmen sollte. Besprochene Schriften sind zu beziehen von Ludwig Wertheimer, hebräische Buchhandlung, München, Westenriederstraße 4/i. Telephon 23 804.

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