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Das jüdische Echo · 1915-06-11 · 23 (11.6.1915) · p. Seite 187

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
23 (11.6.1915)
Date
1915-06-11
Page
Seite 187 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 23 Das Jüdische Echo 187 Ein neuer Verband. In Kanada wurde ein jüdischer Volksverband gegründet, der danach strebt, „das kanader Judentum für die politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Aufgaben des gegenwärtigen historischen Moments zu organisieren". Der Verband will sich am jüdischen Kongreß beteiligen, der in Amerika geplant ist. Vorsitzender des Verbandes ist der bekannte Schriftsteller Rüben B r a j n i n. Gemeindenu.Vereins-Echo Berlin. Am 30. Mai fanden die Sitzungen des Zentralkomitees und die Generalversammlung des flilfsvereins der deutschen Juden statt. Die Mitglieder des Zentralkomitees, Prof. Otto W a r b u r g und Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, hatten vor den Sitzungen in motivierten Briefen ihren Austritt aus dem Zentralkomitee erklärt, in das Rabbiner Dr. N e u h a u s in Ostrowo kooptiert wurde. Zu Beginn der Generalversammlung führte Herr Dr. 'James IS i m o n aus, daß der Hilfsverein seinen Aufgaben treu geblieben sei und seine Mitglieder dem Verein unvermindertes Interesse entgegenbrächten. Herr Dr. Paul Nathan setzte hierauf auseinander, daß seit Ausbruch des Krieges die Arbeit in der Auswandererfürsorge unterbrochen werden mußte, der Hilfsverein aber seine Tätigkeit in vollem Umfange aufrecht zu erhalten bemüht War. Trotz der jetzt herrschenden Schwierigkeiten würde das Schulwerk nach dem Kriege weiter ausgestaltet werden können. Im ganzen unterhielt und unterstützte der Hilfsverein 35 Anstalten mit rund 5000 Zöglingen. Die Aufwendungen für die kulturelle Arbeit betrugen ungefähr 270 000 Mark. Die Ausführungen bezüglich des Technikums brachten nach dem uns zugegangenen Bericht nichts Neues und widerlegen nicht den Einwand, daß die „Unbequemlichkeiten" bis zur Wiederherstellung des Friedens hätten ertragen werden können, ohne das Technikum in den Konkurs zu führen. Des weiteren berichtete Herr Dr. Paul Nathan von dem interkonfessionellen „Russenkomitee", das die Rückbeförderung der vom Kriege in Deutschland überraschten russischen Staatsangehörigen besorgte, von der Tätigkeit des „Jüdischen Hilfskomitees für Polen", das die aus Amerika geschickten Mittel verwalte und mit dem interkonfessionellen Komitee und dem rein polnischen zusammenarbeite. Herr Dr. Paul i\athan schloß mit den Worten, das Hilfswerk halte nur dank der Mitwirkung der deutschen Judeuheit geleistet werden können, die auch weiterhin noch in weitestem Maße benötigt werde. Herr Dr. James Simon teilte nach Schluß der Rede von Dr. Paul Nathan mit, daß 40 000 Mark zur Hilfeleistung nach Palästina überwiesen worden seien. In der Diskussion hob Herr Rabbiner Dr. Werner hervor, daß im besonderen die hingebende Arbeit des Hilfsvereins für das interkonfessionelle Hilfswerk an den vielen tausenden in Deutschland befindlichen Russen größten Dank verdiene und dem ganzen deutschen Judentum Ehre und Anerkennung gebracht habe. Der Kassenbericht stellte fest, daß die Gesamteinnahmen des Hilfsvereins im letzten Jahre sich auf über eine halbe Million Mark beliefen. Der Verwaltung wurde einstimmig Entlastung erteilt. Berlin. Der Verband der deutschen Juden hielt am 30. Mai seine erste Ausschuß- Sitzung seit Beginn des Krieges ab. Im Zusammenhang mit dem Kriege sind vom Verband folgende Angelegenheiten behandelt worden: 1. Entsendung von Feld/abbinern, deren es 13 gibt, wovon 4 mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurden; 2. Eingabe wegen Zulassung von Juden als Reserveoffiziere; 3. Versendung eines Feldgebetbuches in 34 000 Exemplaren; 4. „Versendung von Schriften zu den jüdischen Festen, worüber wir s. Z. schon berichtet hatten; 5. Versendung der Berichte des Feldrabbiners Levy an die Presse der neutralen Staaten; 6. Eingabe betreffend die Berücksichtigung der jüdischen Gemeinden bei dem staatlichen Unterstützungswerk in Ostpreußen usw. — Wegen Berücksichtigung der jüdischen Religion bei der Heeresverwaltung im Heimatgebiet ist es gelungen, manches zu erreichen, u. a. konnte einem Judenmissionar sein Handwerk gelegt werden. — In der Diskussion wurde eingehend eine vom Verbände der jüdischen Lehrervereine in Deutschland angeregte Eingabe betreffend die Ablegung der zweiten Lehrerprüfung durch jüdische Volksschullehrer erörtert und u. a. auch die Angelegenheiten der jüdischen Feldseelsorge behandelt. Jahresabschluß und Voranschlag wurden von der Versammlung genehmigt. München. Der soeben erschienene V. Jahres- Bericht des „K r a n k e n h e i m s" (Israelitische Privatklinik, e. V.) München pro 1914 bietet wieder ein recht erfreuliches Bild über die Leistungen dieser Anstalt. In Erfüllung einer patriotischen Pflicht stellte der Vorstand bereits zu Beginn des Krieges dem Sanitätsamt des kgl. bayer. Kriegsministeriums zwei Stockwerke seiner Anstalt als Vereinslazarett zur Verfügung. Die rühmlichst bekannte Oberin Melitta Feuchtwang führte das Heim in kürzester Zeit seiner neuen Bestimmung zu, ohne daß der Privatklinikbetrieb unterbrochen werden mußte. Seit Ende August ist das Heim stets von verwundeten Soldaten belegt und hat bis Ende 1914 85 Kriegern Aufnahme und Pflege geboten. Selbstverständlich wird bei Einweisung ein Unterschied der Konfession nicht gemacht. Jedoch kommt die Leitung ganz besonders gern Israeliten entgegen, welchen eine rituelle Verpflegung am Herzen liegt. Die ärztliche Leitung des Vereinslazaretts besteht aus den Herren Dr. Horn und Dr. W e i ß b a r t, denen auch kurz Dr. Reiß zur Seite stand. Besonders möge hier hervorgehoben werden, daß die Herren Aerzte ihre Kräfte jederzeit in selbstlosester Weise in den Dienst der Sache stellten und recht gute Erfolge erzielten. Zur Mithilfe bei der Verwundetenpflege hatten sich den Schwestern freiwillige Helferinnen aus dem Kreise der Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde zugesellt. Die Majestäten haben ebenso wie die anderen Mitglieder des Königshauses die Klinik besucht und sich mit hoher Befriedigung über deren Leistungen ausgesprochen. Daß zahlreiche Spenden in Geld und Naturalien einliefen, möge beweisen, daß die Tätigkeit in weitesten Kreisen verständnisvolle Teilnahme fand. Trotzdem während der letzten vier Monate des abgelaufenen Jahres 85 verwundete Krieger das Heim aufsuchten, konnten doch noch 452 Privatpatienten beherbergt werden. Der Bericht erwähnt noch eine Anzahl größere Schenkungen und wär es sehr wünschenswert, daß auch in diesem Jahre die Anstalt vielseitiger Teilnahme sich erfreuen möge, da nicht nur das Defizit des abgelaufenen Jahres, sondern auch die voraussichtlich größeren Erfordernisse des laufenden zu bestreiten sind. Die Betriebs-

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