Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 23 (11.6.1915)
- Date
- 1915-06-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V e r 1 a g „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weldler,München-Solln, Erikastraße 6. ^PP^^p2= :==^^^v$^===Efl Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 PI. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Änzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. ^^fc^^^ 11, Juni 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 23 1915 Wochenkalender (5675) njDD Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Juni Sivan ypo 12 30 Tamus non 13 l 14 2 15 3 16 4 17 5 18 6 mp Gottesdienste: Morgens Haupsyn. 87a Herzog Rud.-Str. 7V2 Sabbath-Äusgang 9.04 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6% Herzog Rud.-Str. 7lU Inhalt: N« W.: Vereinigung oder Zersplittei^— rung. — Davis Trietsch: Die Hilfsaktion für Palästina. — Rabbiner Dr. M. Weinberg: Jüdische Qefangenenseelsorge im Lager Grafenwöhr. — Georg Hecht: Jakoble komm. — Welt-, Gemeinden-, Vereins-, Anzeigen-Echo. Vereinigung oder Zersplitterung Die ganze Welt staunt heute vor dem Organisationstalent des deutschen Volkes. Auch die Juden, heißt es, besäßen nicht wenig davon. Sicherlich haben auch sie einen gewissen Anteil an der hohen Stufe technisch-formaler Entwicklung, auf der unsere Volks- und Militärwirtschaft angelangt ist. Aber schon wieder zeigt es sich, daß wir für eigene Angelegenheiten nicht das Maß des Könnens besitzen, das wir in beliebig anderen Fällen so reichlich entfalten. Gilt es jüdischen Dingen, dann zeigen wir oft eine verblüffende Rückständigkeit, für die wir in anderen Fällen nur absprechende Kritik wüßten. Vier bis fünf, Aktionen zur Unterstützung Palästinas sind in Deutschland im Gange. Als die Kriegsnot in Palästina auftrat, traf sie zuerst diejenigen Teile der Bevölkerung, welche, ohne einem bürgerlichen Erwerbszweig zu obliegen, sich darauf verlassen, daß die frommen Kreise für ihren Lebensunterhalt sorgen werden. Deshalb appellierte als erste die Deutsch- Holländische Palästina-Verwaltung (Chalukkah) an die Mildtätigkeit der deutschen Juden, damit der Hungersnot unter den Gefährdetsten gesteuert werde. Bald darnach erließen die ausschließlich in Palästina tätigen Organisationen Deutschlands einen Aufruf, der darauf hinwies, daß die bedrohte, wirtschaftlich selbständige Bevölkerung, auf deren Schultern die Zukunft einer dreißigjährigen Arbeit ruht, vor einer Katastrophe bewahrt werden müsse, gegen deren elementare Gewalt sie allein nicht standhalten könne. Dazu gesellte sich der Hilfsverein und die ihm durch Personalunion verbundenen Organisationen, welche einen Teil ihres „Jüdischen Hilfsfonds 1915" in Palästina verwenden werden. Als neueste und letzte Körperschaft, die eine Sammlung für Palästina veranstalten will, tritt die „Allgemeine Jüdische Kolonisations-Organisation" auf. Sie nennt das hierfür eigens geschaffene Komitee „Zentral- Hilfskomitee für Palästina" und den zu errichtenden Fonds Zentral- Hilfsfonds. Es ist aus psychologischen Gründen für den Erfolg nur wünschenswert, daß die einzelnen Vereinigungen sich getrennt an ihre Mitglieder wenden, um möglichst breite Schichten für das Hilfswerk zu interessieren. Aber daraus wächst auch die Gefahr einer ungleichmäßigen und vielleicht auch ungerechten Verwendung der Gelder an Ort und Stelle. Einer Dezentralisation der Sammlungen müßte unseres Erachtens — wir reden niemand zu Liebe oder zu Leide — eine Zentralisation der Verteilung folgen. Dieser technische Grundsatz wäre auch praktisch zu verwirklichen, wenn die Beziehungen der verschiedenen Organisationen frei von Rivalitäten wären. Und da kein Unterschied der Auffassung und des Zieles im Palästinahilfswerk besteht, ist es nur bedauerlich, daß von anderen Gelegenheiten herrührende Verstimmungen auf ein Werk übertragen wurden, zu dem sich alle hätten zusammenschließen sollen und können.