Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 22 (4.6.1915)
- Date
- 1915-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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« M Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel)'. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V er 1 a g „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weldler,München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 4. Juni 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 22 c PL f 1915 Wochcnkalendcr (5675) njnn Juni Sivan "JVD Samstag 5 23 Sonntag 6 24 Montag 7 25 Dienstag 8 26 Mittwoch 9 27 Donnerstag 10 28 Freitag 11 29 ih r\hw Gottesd.: Morgens Haupsyn. 8V2 Herzog Rud.-Str. 7V2 Sabbath-Husgang 8.59 Neumondankündig. Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6 *U Herzog Rud.-Str. 7l/4 Inhalt! N. W.: Der alljüdische Kongreß. — Die —— amerikanischen Juden und die Polen.— L. Leonhard: Whitechapel im Kriege. — Felix A. Theilhaber: Auf dem Marsche nach Rußland. — Georg Hecht gest. — Georg Hecht: Jakoble komm. — Zeitungs-, Gemeinden- und Vereins-Echo usw. Der alljüdische Kongreß Es ist überflüssig, die durch weiteres Unglück kaum steigerungsfähige trostlose Lage der jüdidischen Massen im Osten zu schildern. Was vielleicht vor zwanzig Jahren nur verhältnismäßig kleine jüdische Kreise wußten, weil das Interesse an den Vorgängen bei den Juden im Ausland damals noch recht schwach entwickelt war, was seit dem Auftreten des politischen Zionismus den Juden aller Länder als Menetekel vor Augen gestellt wurde, durch die Pogrome vor zehn Jahren mit blutigen Farben illustriert wurde, das ist heute der ganzen Welt bekannt: in Galizien, Polen,« Rußland und Rumänien leben Millionen von Juden, die der schrankenlosesten Willkür ausgeliefert sind und als Parias schlimmster Sorte dahinvegetieren. Das sogenannte europäische Gewissen — soweit man daran überhaupt nach den Erfahrungen dieses Krieges glauben kann — scheint wieder einmal zu schlagen. Nicht allzu heftig im offiziellen England und Frankreich von wegen der Bundesgenossenschaft mit dem Zarenreiche, auch nicht allzu stark bei der Bevölkerung unseres Bundesgenossen, die eine ganz niedrige, weil verständnislose und gehässige Stellung zu den galizischen Flüchtlingen einnimmt. Umsomehr aber in Deutschland, wo man wohl in puncto Judenfrage einigermaßen umgelernt hat und nach den bitteren Erlebnissen der Auslandsdeutschen in Belgien, England, Frankreich und jüngst auch Italien Verständnis für die unsäglichen Leiden der Juden im Osten zu haben scheint. Es kann nicht ohne Eindruck auf die deutsche Oeffentlichkeit bleiben, wenn die bedeutendsten Tageszeitungen immer wieder Veranlassung finden, auf das durch den Krieg und den Haß der Russen hervorgerufene, besonders schwere Unglück der Juden im östlichen Operationsgebiet zu verweisen. Ob dieser Eindruck nachhalten und sich einmal aus Gründen der Menschlichkeit zu Taten der Regierung verdichten wird, läßt sich heute nicht sagen. Geht es an die Neuordnung der Beziehungen zu den feindlichen Staaten, dann werden so viel dringliche Probleme gelöst werden müssen, daß die überbelasteten Unterhändler wenig geneigt sein werden, sich aus platonischer Liebe neue Schwierigkeiten mit der Judenfrage zu schaffen. Und wenn auch. Vielleicht — es ist keineswegs anzunehmen — würde Rußland bei den Friedensverhandlungen gezwungen werden können, seinen Juden die Gleichberechtigung zu geben. Dann wird sie, man denke nur an Rumänien, auf dem Papier stehen beiben und die Garanten werden, wenn sie schon daran denken sollten, nach dem Rechten zu sehen, gar nicht die Möglichkeit haben, auf die Durchführung der Abmachungen zu drängen, wie uns ja wiederum die seit mehr als dreißig Jahren vergeblichen Versuche mit Rumänien lehren. Die Aussichten auf eine Lösung der Judenfrage im Osten, einschließl. Galizien, sind also, wie dargetan und allgemein angenommen, sehr wenig hoffnungsvoll.