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Das jüdische Echo · 1915-05-28 · 21 (28.5.1915) · p. Seite 172

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
21 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
Seite 172 (sequence 8)
Language
German
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172 Das Jüdische Echo Nr. 21 Uebung und Stärkung seines Gehirns und lehrte ihn Tag für Tag Vorsicht und blitzschnelles Erfassen des eigenen Vorteils. Ein inniges Verständnis der harten Welt der Dinglichkeit gegenüber, an der er sich immer wieder stieß, erwacht in ihm und läßt in ihm den phantastischen Wunsch geboren werden, aus diesem grausam engen Kreis herauszutreten, der sein Leben .begrenzt und ihm jedweden breiteren Spielraum zur Entfaltung seines Ichs gebieterisch versagte. , Die einzige Möglichkeit, diesen Wunsch zu realisieren, war die Taufe. Es ist klar, daß unter den erwähnten Umständen die Taufe nur in den aller seltensten Fällen dem jüdischen Proselyten zum inneren Erlebnis ward, zum Abbruch einer überwundenen Ueberzeugung, zum notwendigen und zwingenden Ergebnis einer Kausalkette, die aus Zweifeln am eigenen Gott und Glauben sich zusammensetzte; die Taufe wird dem Juden zum Eintrittsbillet in die Gesellschaft, zur Befreiung aus dem Ghetto; sie eröffnet ihm die Freizügigkeit in die weite Welt und die Möglichkeit zu werden, was er will; sie ist die einzige Waffe für ihn gegen die soziale Mißachtung und Ausschaltung, gegen die absolute Negation seiner Persönlichkeit; sie stellt nichts anderes dar, denn einen Akt sozialer Notwehr, dem jedwede innerliche Ueberzeugung fehlen mußte. Der Jude flieht aus seiner sozialen und geistigen Vereinsamung ins Christentum. Und dann tritt noch ein Element hinzu, das die trüben Motive und den geschäftlichen Betrug mit der Taufe bis zu einem gewissen Grade verstehen läßt. Dem Juden des Ghetto, der dem Beruf des Zinsleihers, des Schacherers u. Wucherers in der langen Reihe von Jahren innerlich verwachsen war, mußten allmählich, aber dafür um so sicherer gewisse Ehrbegriffe schwinden. Das Ghetto zwang ihn, den Christen zu übervorteilen. Die Wjucherzinsen, die er nahm, waren ihm nicht einmal sicher; von heute auf morgen konnte ein Fürst erklären, die Zinsen, die man den Juden zu zahlen habe, seien verfallen; so verlangte etwa im Jahre 1200 Innocens III. von den Schutzherrn der Juden, daß sie diese die erhaltenen Zinsen an die christlichen Schuldner zurückerstatten lassen sollten; im Falle der Weigerung sollten die Juden von jedwedem Verkehr mit den Christen und vom Handel ausgeschlossen werden.*) Dann war der Jude in ein Netz von Abgaben eingeschnürt; er mußte sich sicheres Geleite und den Schutz seiner eigenen Persönlichkeit durch hohe Steuern erkaufen. Eine Unmenge der drückendsten Pflichten lastete auf ihm, die einer beinahe absoluten Rechtlosigkeit gegenüberstand. Es ist daher leicht verständlich, daß sich im Juden die Moral spalten mußte, in eine seinen Brüdern gegenüber und eine, die er seinen Bedrückern gegenüber anwandte; und daß die letztere nicht allzu ethisch war, ist wohl verständlich. Die Geschichte lehrt es immer wieder, daß dort, wo Massen und ganze Völker rechtlos, in untermenschliche Bedingungen hineinversetzt, in Kreise eingeschlossen werden, wohin kein menschliches Gesetz mehr seine moralischen Wirkungen wohltätig ausströmt, daß dort auch das Pflichtgefühl dem Herrschenden gegenüber zu schwinden an- *) Vgl. Dr. Augusta Steinberg, Studien zur Geschichte der Juden in der Schweiz während des Mittelalters. (Zürich, Schultheß 1903) S. 63 und folgende. fängt und damit die physische Unterlage einer gefesteten Moral. . . ., u. Die Verzweiflung läßt den. Geschwächten immer und imer wieder die Grenzen ethischer und moralischer Gesetze überschreiten und durchbrechen und der Vogelfreie wird nach und nach sich selbst als einen solchen anzusehen beginnen und sich als entbunden betrachten von den Gesetzen und Pflichten jener Gesellschaft, die ihn deklassierte So' verstehe man die Brutalität jener verlorenen und ausgesogenen Existenzen, die sich in der sozialen oder politischen Erhebung noch einmal gegen die sie erdrückende Welt anstemmen, so verstehe man die Existenzen im Judentum,' die mit klugem Betrug sich über ihre Unterdrücker erhoben und sich nicht scheuten, den Betrug bis auf jenes Gebiet zu lenken, wo die Reinheit das letzte Symbol darstellt, zum Glauben. Das Ghetto gab dem Juden der Außenwelt gegenüber eine andere moralische Wertung, die nur noch auf einem durch stete Verfolgung aufs höchste gesteigerten Selbsterhaltungstrieb ruhte. — Der jüdische Proselyt mit seiner kaufmännischen Auffassung von der Taufe, mit seinen meist trüben und minderwertigen Motiven zum Uebertritt, ist das Produkt des Mittelalters, des Ghettos, das ihn in Lebensbedingungen hineinversetzte, unter denen nur der Starke und Stärkste sich vor Schaden an Körper und Seele zu hüten vermochte. Es möchte wohl scheinen, als wenn wir unseren einleitenden Worten untreu geworden, den jüdischen Proselyten nur als das üble Produkt der Gesellschaft darstellen wollten, als wenn wir diese trüben und unwahren Charaktere nur als das Ergebnis rein materieller Voraussetzungen anzunehmen gewillt wären. Dem ist aber nicht so. Wir werden, indem wir den christlichen Proselyten zeichnen, darzulegen versuchen, daß im rein psychologischen Entwicklungsgang des Proselyten Voraussetzungen zum Egoismus liegen. Das, was wir im folgenden vom christlichen Ueberläufer vorbringen, gilt naturgemäß in gleichem Maße auch für den jüdischen Proselyten, der letztere aber hatte es, paradox ausgedrückt, noch schwerer, ehrlich zu sein, denn über ihm liegt noch die eben skizzierte Welt des dunklen Mittelalters, die auf seinen Charakter natürlicherweise nicht ohne den tiefgehendsten Einfluß war, unc die den weit höheren Prozentsatz von Betrügern aller Nuancen unter den Juden in weitgehendstem Maße bedingt. Anzeigen-Echo München. Fahrtenzettel des Wanderbundes „Blau-Weiß". Mädchen: 30. Mai. 1. Zug. 6 Uhr 30. Isartalbahnhof. Großhesselohe-Starnberg. 65 Pf. 2. Zug. Ostbahnhof. 7 Uhr 50. Perlach-Hohenbrunn. 30 Pf. 3. Zug Ostbahnhof. 8 Uhr 30. Gleisenthal. 80 Pf. Buben. 1. Zug. Grünwald-Planegg. Sendhngertorplatz. 1 Uhr 40. 45 Pfg. 2 Zug Aucnr^Lochhausen-DaPhau- Hauptbahnhof. 1 Uhr 25. it tu J- Zu£: Solln-Qräfelfing. Hauptbahnhof 1 Uhr 45. 55 Pf. München. Verein Bne Jehuda. Samstag, 29. Mai, im Hotel Reichshof: Diskussionsabend. Thema: Zionismus und Golusnationalismus. Referent: Dr. Max Mayer. Der Vortrag beginnt pünktlich 9 Uhr 15. Gäste willkommen, rj Voranzeige: Samstag, 5. Juni, wird Herr Theo Harburger über „Die Entwicklung des jüdischen uottesbegriffes sprechen. Druck und Verlag: B. Heller. Buchdruckerei, München, Herzog Maxstr. 4 _ Verantwortlich für h;» Oo,i i *• Ti , Weldler, München-Solln, Erikastr. 6, iür den Anzeigenteil:!. V.: N wÄ Norbert

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