Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1915-05-28 · 21 (28.5.1915) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
21 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9102856-9115349--00345-9073172
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel]'. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Qanzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V e r 1 a g „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weidler,München-Solln, Erikastraße 6. J^PL ÄÄ/Vfe^s Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 28. Mai 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 21 1915 Wochenkalender (5675) njnn Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Mai Sivan ]VD 29 16 30 17 31 18 Juni 1 19 2 20 3 21 4 22 "]n?ym Gottesd.: Morgens Haupsyn. 8'/a Herzog Rud.-Str. 7V2 Sabbath-Äusgang 8.M Sabbath-Emgang: Haupt - Synagoge 6% Herzog Rud.-Str. 7 l/4 Inhalt l Di\ Siegbert Feuchtwanger: Jüdische ——— Fragen und Antworten. — Dr. S. F.: Zangwilliana. — Rabbiner Dr. H. Ehrentreu: Der Krieg und das jüdische Schrifttum. — Eiserne Kreuze. — Warschauer Brief. — Dr. S. D. Steinberg: Der jüdische Proselyt. — Wissenschaftliches, Literarisches, Qemeinden-Echo usw. Jüdische Fragen und Antworten Von Dr. Siegbert Feuchtwanger, München. Wie ein jäher heißer Sandsturm ist der Völkerkrieg in unsere europäische Kühle hineingebraust; der Sturm hat das dichte, von Volk zu Volk, von Mensch zu Mensch gesponnene Gewebe internationaler Beziehungen verwirrt und zum Teil zerrissen; derselbe Sturm hat überdies vielen Menschen den Atem verschlagen und die Augen geblendet; so kam es, daß wirre Menschen den Wirrwarr der Dinge noch verstärkt haben. Die Existenz und die Möglichkeit eines Völkerrechts wurde geleugnet, weil es vielfach verletzt wurde. Akademien haben Gelehrte, die feindlichen Staaten angehören, ausgestoßen; Gelehrte haben Orden und Titel feindlicher Staaten abgelegt. Fürsten wurde ein Vorwurf aus ihrer Verwandtschaft mit den Fürsten feindlicher Staaten gemacht; einige Fürsten sollen sich ausdrücklich von ihrer Verwandtschaft im feindlichen Staat losgesagt haben. Volkswirtschaftler prophezeien das Aufhören des Welthandels. Gewisse Politiker sehen als Folge des Weltkrieges die schwarze Nacht einer vollkommenen Russifizierung und Asiatisierung über Europa sich breiten; andere wieder begrüßen schon jetzt jubelnd die Sonne der Freiheit und Kultur, deren Strahlen nach dem Weltkriege den russischen Völkern leuchten werden. Es gibt Leute, die die Existenz eines jüdischen Volkes und die Möglichkeit eines Wiederauflebens internationaler gemeinjüdischer Beziehungen heute verneinen, weil in diesem Kriege der jüdische Soldat im deutschen Heer den jüdischen Soldaten im russischen Heer töten muß und umgekehrt. Manche Köpfe werden sich nach dem Kriege verwundert schütteln über ihre eigenen während des Krieges produzierten Gedanken.*) Verbindungen, die in Blut und Geist gegründet sind, löst der Krieg nicht auf, höchstens suspendiert er sie zeitweilig. Es ist die Pflicht und zugleich das schöne Vorrecht der neutralen Staaten und ihrer Angehörigen, die internationalen Einrichtungen hinüberzuretten in die Friedenszeit und das Unerläßliche an Geschäften bis dahin zu besorgen; denn wohlverstandene „Neutralität" ist etwas höchst aktives, positives und gemeinnütziges. Solcher Geschäfte, wahrhaft unerläßlicher und dringender, gibt es gerade genug und zwar gerade im Bereich der Judenpolitik. Es wird so vieles unnütz geredet, unnütz geplant, unnütz gestritten. Allen Juden aber ist heute sicher eine ungeheure schwere und wichtige Aufgabe gestellt, die dringend einer praktischen Lösung bedarf: Wie können die jüdischen Interessen bei den Friedensverhandlungen geltend gemacht werden. Die Diskussion beschäftigt sich eifrig mit zwei Problemen: Erstens: in welcher Fo r m sind die jüdischen Interessen bei der zu erwartenden *) Vergleiche die Glossen des nachfolgenden Artikels „Zangwilliana".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.