Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 20 (21.5.1915)
- Date
- 1915-05-21
- Page
- Seite 164 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Das Jüdische Echo Nr. 20 ihren Damen erschienen war, entwickelte sich bald eine gemütliche Plauderstunde, in der so mancher junge und ältere Kamerad von den Erlebnissen der letzten- Wochen erzählen konnte. Vor dem Auseinandergehen aber vereinte uns noch einmal eine Feier im Logentempel, in der die Herren Vorsitzenden der Loge und des Soldatenheims die Soldaten begrüßten. Ich hatte die Einladung erhalten, bei dieser Gelegenheit eine Ansprache an die Kameraden zu richten, und wenn diese etwas ernster ausfiel, als die Gemütlichkeit der Stunde es .erforderte, so lag es daran, daß wir jetzt keinen . Gedanken denken oder aussprechen können, der nicht an das Große rührt, dessen Zeugen wir sind. Am nächsten Morgen ging es weiter, den Truppen nach, nun im Wagen mit den Pferden, die mir die bayerische Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt hatte; jeder Winkel des Wagens angefüllt mit Wäsche, die mir von den freundlichen Metzern für unsere braven Jungens draußen mitgegeben worden war. Dann ging's in Feindesland hinein. An endlosen -Munitions- und Furagekolonnen und an manchem Automobil-mit Verwundeten vorbei, durch Dörfer, die mit Soldaten gefüllt sind. In der Ferne rollt Kanonendonner, und am Abend fahre ich über die Grenze, wo der französische Grenzpfahl im Graben liegt; dann das erste Nachtquartier in einem französischen Dörfchen, bei freundlichen Leuten. Wo werde ich am Jaum Kippur sein? Vor 44 Jahren haben unsere Truppen Jaum Kippur vor Metz gefeiert. Es war auch ein Erfolg ihrer Tapferkeit, daß wir diesmal Rauschhaschonoh in Metz feiern konnten; unsere Dankbarkeit aber gebührt denen, die dies Rauschhaschonoh in Metz uns zu einem Fest gestalteten. * * * Der Verbandplatz im Granatfeuer. Brief des Dr. Max Kirschner, Sohn des Professors Kirschner, des ersten Kantors der israelitischen Kultusgemeinde in München. Mein Telegramm wird wohl längst in Eurem Besitz sein, wenn dieser Brief bei Euch eintrifft. Ich muß ^Euch aber doch Näheres über meine Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz erzählen. Ich war wie aus den Wolken gefallen, als mir der Hauptmann gestern mitteilte, er habe mich für eine Dekoration vorgeschlagen, und zwar, nachdem er sich mit allen Offizieren besprochen hatte, und diese ihm einstimmig beigepflichtet hatten. Groß war meine Ueberraschung, als am Abend die Dekorationen ankamen, für mich ein Eisernes Kreuz, die ehrendste und erhabenste Auszeichnung, die einem Soldaten zuteil werden kann. Ein Orden, vor dem ich immer eine Scheu und Verehrung hatte, und den sollte ich tragen. Ich stand als Erster auf der Vorschlagsliste der Kompagnie; den Orden erhielten noch der Hauptmann, der älteste Leutnant und drei Unteroffiziere. Ich war eigentlich beschämt; denn ich hate immer das Gefühl, nie mehr als meine Pflicht getan zu haben. Ich weiß nicht, ob ich Euch die Ereignisse erzählte, für die ich nun so ehrenvoll bedacht wurde; denn diesen Orden erhielt ich, was besonders betont wurde, als ganz persönliche Auszeichnung. Von dem blutigen schrecklichen Tag, dem 25. August, schrieb ich Euch. Daß ich allein im Wald über drei Stunden im Granatfeuer einen Verbandplatz unterhielt, ca. 100 Verwunderte versorgte, alle von fremden Regimentern, deren Aerzte nicht zugezogen waren, — das war die erste Veranlassung. Dann wurde der Vorschlag noch damit begründet, daß ich bei der Ankunft in dem Hollennest . . . in finsterer Nacht mit einer Patrouille ins verlassene Dorf durch die brennenden Straßen ging, sechs verwundete Franzosen in einem Haus verband, sie von dort entfernen ließ, da dies Haus auch vom Feuer ergriffen wurde, und so zur Rettung dieser Leute beitragen konnte. All dies empfand ich als nichts Besonderes, aber es genügte der Division, mir das Eiserne Kreuz zuzuerkennen. Besondere Befriedigung gewährte mir auch die Freude, mit der die Offiziere mir neidlos die Dekoration gönnen, und meinen Ablehnungsversuchen die Versicherung entgegensetzten, daß ich mit vollster Berechtigung das Zeichen tragen dürfe. Als ein Beweis des Einvernehmens kann ich wohl anführen, daß wir uns gestern abend alle geduzt haben, nachdem oder trotzdem ich am Tag vorher zum ersten Male eigentlich von meiner Religion ostentativ gesprochen hatte. Also immer ein schönes Zeichen des Zusammenhaltens und treuer Kameradschaft. Die Mikwah als Badeanstalt für Soldaten. Im Felde, den 3. Dezember 1914. Lieber Kurt! Seit drei Tagen bin ich nun beim Lazarett in W. in Russisch-Polen; der Grund war Bronchialkatarrh, doch befinde ich mich bereits auf dem Wege der Besserung und hoffe, bald wieder zur Kompagnie zurückkehren zu, können . . . Hier im Ort sind unter 12 000 Einwohnern zirka 4000 bis 5000 Juden, die vorzugsweise Handel und Restaurationen betreiben. Ich habe mich beim Herrn Rabbiner einquartiert und kann somit manchen Blick in das Leben unserer Stammesgenossen werfen. Gestern nahm ich seit vielen Wochen zum ersten Male ein Bad; nicht anderswo konnte ich ein solches finden, als in der Mikwah. Es war aber ein tadelloses Wannenbad, das wunderbar erfrischte. Neben der Mikwah befindet sich das Bes hamidrasch, wo eine Art von Jeschiwah gehalten wird. — Zu Hause, d. h. beim Rabbiner, wird Schaß gelernt, der bekannte Tonfall wird mir lange im Gedächtnis bleiben. Eine eigenartige Tafelmusik zu den guten und billigen Mahlzeiten. Gestern habe ich zum ersten Male von der eigenartigen, aber wohlschmeckenden Brühe „Borscht" gekostet. Heute, Donnerstag, macht man überall „reine" für Schabbos. So sieht man in wenig Tagen genug Jüdisches. Wenn ich mich nicht so sehr freute, daß ich bald wieder zur Front zurück kann, würde ich bedauern, den Schabbos hier nicht verbringen zu können. In kurzer Zeit ist Chanukah. Laß Dir's gut gehen und gedenke unserer neuen Makkabim in Erez Israel Dein Theo Harburger. Anzeigen-Echo München. Verein Bne Jehuda. Samstag, den 22. Mai, abends 9 Uhr, im Hotel Reichshof, Vortrag des Herrn Josef Löwy über „Das jüdische Drama". Gäste herzlich willkommen. München. Wanderbund „Blau-Weiß". Fahrtenzettel. Für Buben und Mädchen., 23. bis 25. Ferienfahrt ins Gebirge. Heimabende für Mädchen: 3. Zug. 26. Mai, 6 Uhr. Für Buben: 3. Zug. 27. Mai, halb 6 Uhr. ft^SLÄÄ