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Das jüdische Echo · 1915-05-14 · 19 (14.5.1915) · p. Seite 156

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
19 (14.5.1915)
Date
1915-05-14
Page
Seite 156 (sequence 8)
Language
German
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156 Das Jüdische Echo Nr. 19 worden war. Die zahlreiche Zuhörerschar dankte dem Vortragenden für seine oratorisch glänzenden Ausführungen mit starken Befallsbezeugungen. München. Samstag, den 8. Mai, veranstaltete der Verein B n e J e h u d a im Edenhotel eine P e - r e z - G e d ä c h t n is - F e i e r , zu der sich weit über hundert Personen eingefunden hatten. Herr L. Abramson zeichnete in jüdisch-deutscher Sprache ein lebendiges Bild des feinsten aller Jargondichter. Im besonderen gelang es ihm gut, an Hand der chassidischen Geschichten, die Perez geschrieben hat, das Wesen des Chassidismus darzustellen, zumal er sich desjenigen Verständigungsmittels — des Volksidioms — bediente, das dem chassidischen Geiste adäquat ist. Wir zögern nicht, den Vortrag Herrn Abramsons zu den schönsten zu zählen, die in diesem Jahre in jüdischen Vereinen gehalten wurden. Wie Herr Abramson so erntete auch Herr Josef Löwy für die Vorlesung einiger Erzählungen von Perez dankbaren Beifall. Feuilleton Moses Von H o 1 g e r J a h n.*) Auf Nebos Höhen saß ein Greis. Vieler Sommer Sonne hat sein Haar gebleicht, manches Winters Weh Furchen in seine Wangen gegraben, aber seine Gestalt war kraftvoll und sein Auge klar. Ruhig glitt sein Blick über die weite Landschaft, die sich vor ihm ausbreitete, aber es war, als sehe er mehr als die Bergeshänge und Flußtäler, die grünenden Fluren und die öde Wüste, die miteinander wechselten, es schien, als wollte sein Auge eindringen in eine Zukunft, nebelig und unklar wie die äußerste Ferne, die weit, weit unten am Horizont zu einem undeutlichen Bilde verschmolz. Ein reiches Leben lag hinter dem Greise, vor ihm lag der Tod. In seiner Jugend hatte er, wiewohl aus einem verachteten Volke geboren, Sohnesstelle an Aegyptens königlichem Hofe eingenommen, war vertraut worden mit des weisesten Volkes Weisheit und hatte sich unter den Vornehmsten des ersten Volkes bewegt; als Mann hütete er das Vieh in der Wüsteneinsamkeit am Berge Horeb, und in dem Alter, da die meisten Menschen sich nach Ruhe sehnen, des Treibens überdrüssig, war er erst zu seinem eigentlichen Lebenswerk berufen, für das alles Vorausgegangene nur Vorbereitung gewesen war. Und nun war er viele lange Jahre hindurch der Führer und Erzieher eines Volkes gewesen, eines Volkes von Hirten, die in Zelten lebten, und deren Wenige nur etwas begriffen von der Weisheit des Landes, in dem sie als Fremdlinge gelebt hatten; ein widerspenstiges Volk, das nicht Joch noch Zügel liebte und wider den Stachel lökte, der es vorwärts treiben sollte. Aber auch ein edles Volk, über dem das Andenken der großen Väter hell leuchtete und dem gewaltige Verheißungen in der Ferne dämmerten. Und nun hatte er dieses sein Volk an die Schwelle des Landes geführt, in dem seine Geschichte beginnen sollte, er hatte in seinen Boden nicht einen Vollreifen Baum, sondern einen bescheidenen Steckling eingesetzt, eine Pflanzung Gottes, die schon Wurzeln geschlagen hatte, und die Jahrhunderte hindurch langsam wachsen, ihre *) Einleitung zu den „Bildern aus dem alten Israel", erschienen im Verlag C. Ludwig Ungelenk, Dresden, 1908. Zweige nach allen Seiten hin ausbreiten und Blätter und Blumen, endlich auch Früchte tragen sollte. Und er, der wußte, welche Gefahren ihm drohten, er begehrte den Schleier der Zukunft zu lütten, um zu ,sehen, wie sein Gedeihen sein würde, er suchte nach einem Zeichen, das ihm sagen konnte, was zu schauen seine Seele sich so brennend sehnte. Aber keine Antwort wurde dem Alten auf Nebos Höhen, der sein Leben hinter sich und den Tod vor sich hatte. Keine Decke wurde vor seinen Blicken fortgenommen, aber während er so am Bergeshang saß und seine Gedanken mit Dank in der Vergangenheit, mit Glauben in der Zukunft weilten, berührte Gottes Hand leise sein Herz und hielt seine Schläge an; sein Kopf sank auf die Brust nieder, das Auge schloß sich in Frieden. Still hatte Gott seinen treuen Diener abgerufen, da sein Werk vollbracht war, ehe sein Auge matt wurde und seine Kräfte schwanden, ehe ein drückendes Alter den Gewaltigen beugte. Was würde er gesehen haben, hätte sein Blick das Künftige durchdringen können! Kampf und Schwerterklirren, unter dem sein Name vergessen wurde, sein Werk zu Grunde zu gehen drohte; Siegeszeiten, in denen seine Saat kräftig aufwuchs — um wieder zertreten zu werden; Licht und Finsternis, Sieg und Niederlage in ununterbrochenem Wechsel, doch vor allem Niederlage; Stillstand und Rückgang, und dann wieder langsamen Fortschritt; Wachstum, zumeist in den schweren Zeiten, aber auch das Gedeihen mancher wilden Pflanzung; ungrade Wege, die am Ziele vorbei zu führen schienen; unbegreifliche Herrlichkeit, die einem Volke geschenkt wurde, das unbegreiflich träge war, sie aufzunehmen. Eine Geschichte, die nach Jahrtausenden gerechnet, und der ganzen Menschheit Eigentum werden sollte, deren letztes Blatt manches Mal umgewendet zu sein schien, deren allerletztes aber doch erst zusammen mit dem letzten der ganzen Welt gelesen werden soll. Denn Israel war das Eigentumsvolk dessen, für den ein Tag ist wie Jahrtausende und tausend Jahre wie ein Tag. Anzeigen-Echo München. Mittwoch, den 19. Mai, Predigt des Herrn Rabbiner Dr. Werner. München. Montag, den 17. Mai, abends halb 9 Uhr, findet im Reichshof der erste Elternabend des Wanderbundes Blau-Weiß statt, an dem über die Zwecke des Wanderbundes und den Wanderbetrieb Bericht erstattet werden wird. Gäste herzlich willkommen. München. Wanderbund Blau-Weiß. Fahrtenzettel. Für Mädchen: 1. Zug. 8.30 Uhr. Starnberger Bahnhof. Gauting-Herrsching. (Schwimmanzug). M. 1.40. 2. Zug. 7.45 Uhr. Isartalbahnhof. Großhesselohe-Starnberg. 85 Pf. 3. Zug. Starnberger Bahnhof. Pasing-Gräfelfing. 45 Pf. München. Verein Bne-Jehuda. Samstag, 15. Mai, abends 9 Uhr: Kriegsbriefe deutscher und österreichischer Juden. Referent: S. Monheit. Gäste willkommen. Hotel Reichshof. München. Jüd. Turn- und Sportverein. Sonntag, den 16. Mai. Tagestour. Treffpunkt 6.30 Uhr. Planegg. Wanderung: Planegg-Wessling-Ammer- Hauptbahnhof-Mittelbau. 6.50 Uhr Fahrt nach see. Proviant mitbringen. Kochapparate erwünscht. Kosten 1 Mark. Führer: Reich. Druck und Verlag: B. Heller, Buchdruckerei, München, Herzog Maxstr. 4. — Verantwortlich für die Redaktion- Norbert Weidler, München-Solln, Erikastr. 6, iür den Anzeigenteil: i. V.: N. Weldler, München Solln.

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