Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 19 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V er 1 a g „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weidler,München-Solln, Erikastraße 6. JH Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 14. Mai 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 19 1915 Wochenkalender (5675) njDn Mai Sivan }VD ' "OTOn Gottesd.: Samstag Sonntag Montag Dienstag 15 16 17 18 2 3 4 5 Morgens Haupsyn. 872 Herzog Rud.-Str. 7V2 Sabbath-Äusgang 8.31 "f#"y Festesanfang: Hauptsynagoge 68/4 . Herzog Kud.-Str. 7V2 Mittwoch 19 6 myn^Gottesdienste: Hauptsynagoge 8.00 Herzog Rud.-Str. 7XU Donnerstag 20 7 Hauptsynagoge 8Va Herzog Rud.-Str. 7«/4 Festesausgang: Hauptsynagoge 8.88 Herzog Rud.-Str. 8.3S Freitag 21 8 Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6% Herzog Rud.-Str. 7l/4 InhdltZ Dr. Max Mayer: Schowuos.--Berthold 1 Bürger: Die Zukunft Palästinas und die Judenfrage;—Oberrabbiner Dr. M. Güdemann: Unsere Thora. — Ein Stimmungsgebild aus Russisch-Polen. — Eiserne Kreuze. — Holger Jahn: Moses. — Welt-, Zeitungs-, Bühnen-Echo usw. Schowuos Von Dr. Max Mayer, München. Tut nichts hinzu zu dem Worte, das ich euch gebiete, und nehmet nichts davon. (5. Buch Moses, Kap. 4,2.*) Den drei Wallfahrtsfesten liegt eine doppelte Motivenkette zugrunde. Die eine bezieht sich auf einmalige historische Vorgänge bei der läuternden Wanderung eines unglücklich-verknechteten, kleingläubigen, nach innerer und äußerer Freiheit ringenden Nomadenstammes, die andere auf alljährlich wiederkehrende frohe Ereignisse im ländlichen Leben eines freien, seßhaften Volkes. Diese auf den ersten Blick seltene Verkoppelung antithetischer Anlässe ist ein Schlüssel zu jenem verborgenen Schatz, um dessen Hebung sich Israels Hüter im letzten Jahrhundert eifrig bemühten, und dem sie in Ermangelung einer richtigen Problemstellung den Namen „Wesen des Judentums" gaben. Um diesen unklaren, beinahe mystisch gewordenen Begriff dreht sich die ganze moderne Philosophie des Judentums. Zu seiner besonderen Erforschung gründeten ernsthafte Gönner der jüdischen Wissenschaft spezielle Zeitschriften, und ein Turm von Büchern beschäftigt sich mit der Frage nach dem „Wesen des Judentums". Wenn ein Volk über sich und seine historische Mission nachzusinnen beginnt, so hat es vermutlich den Höhepunkt seiner inneren Kraftentfaltung überschritten. Der Mangel intuitiven Schaffens wendet den Geist zur Selbstbetrachtung und Selbstzerlegung. Aber eine Nation wie die jüdische, bei der die Frage nach dem Sinn ihres Daseins beinahe identisch mit ihrem Dasein selbst ist, ein Volk, dessen ursprüngliches Eigenleben auf ein Minimum lebendigen Ausdrucks zusammengeschrumpft ist, vermag nicht einmal mehr die Kraft aufzubringen, um das eigene aus großer Vergangenheit in ihm schlummernde Wesen in seiner Lebensfülle und Körperlichkeit zu erfassen. Unsere modernen jüdischen Philosophen verstehen zwar abstrahierende Schlüsse zu ziehen, logisch vollkommene Thesen aufzustellen, aber ihre Schlüsse rühren kein menschliches Herz und der Widerhall ihrer Thesen beschränkt sich auf die Wände ihrer Studierstuben. Das tragische Gesetz, daß ein Volk, solange es schafft, nicht über den Sinn seines Daseins nachdenkt, wenn es aber über sich nachzudenken gezwungen wird, nicht mehr die naive Anschaulichkeit besitzt, um sich selbst zu erkennen, liegt mit seiner ganzen Schwere über uns. Und deshalb sind die Versuche so verfehlt, die heute das blutleere, mit den Volksmassen nicht in Berührung stehende Gelehrtentum macht, den „Menschheitsgedanken des Judentums" zu eruieren. Sie glauben mit einem bestimmten Vorrat europäischer Wissenschaftlichkeit hinter Geheimnisse zu kommen, die in Wirklichkeit nur wenigen schöpferischen Genien zu sehen vergönnt ist. Sie glauben durch Methode und Scharfsinn die intuitive Anschauung ersetzen zu können.