Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 18 (7.5.1915)
- Date
- 1915-05-07
- Page
- Seite 148 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Das Jüdische Echo Nr. 18 h e i m e r, Regensburg, verfaßt, und behandelt das Thema „Die Berufe der Juden in Bayern". Es wird in Aussicht genommen, die Schrift in den Veröffentlichungen des „Bureaus für die Statistik der Juden" erscheinen zu lassen. — Schließlich wurde über Maßnahmen beraten zur beschleunigten Fertigstellung des Sammelwerkes über „die jüdische Bevölkerung in Bayern", über das bereits in Nr. 3 dieser Zeitschrift berichtet wurde. — Die Verwaltung der Vereinsbibliothek wurde vom 1. Vorsitzenden Herrn Prof. Cohen dem 2. Schriftführer Herrn Weidler übergeben. Mitglieder, die Bücher entleihen wollen, mögen sich von nun an an Herrn Weldler, Herzog Maxstr. 4/o (Tel. 8099) wenden. C. München. Am 15. April fand in der Geographischen Gesellschaft ein Vortrag des Herrn Dr. Emil G r a t z 1, Bibliothekars an der Hof- und Staatsbibliothek, über „Islam und Abendland in Geschichte und Gegenwart" statt. Der Redner verwies auch auf die Bildungsbestrebungen der palästinensischen Juden und kam damit — ohne auf neuere Streitfragen einzugehen — auf das Technikum in Haifa zu sprechen, dessen Lehrpian und Ziel ihm auch für andere europäische Anstalten im Orient vorbildlich erscheint. Nürnberg. Am 14. April eröffnete der zweite Vorsitzende Herr R. A. S t e r n — der erste Vorsitzende Herr Zahnarzt Singer ist eingezogen — im Cafe Zentral die Mitgliederversammlung der Zionistisch. Ortsgruppe Nürnberg-Fürth. Er gedachte in ehrenden Worten des Heimganges des jüdischen Dichters J. L. Perez. Nachdem er noch Grüße der im Kampfe stehenden Gesinnungsgenossen übermittelt und die Wichtigkeit der jüdischen Presse in dieser schweren Zeit hervorgehoben hatte, gab er Herrn G o r s k i das Wort zu seinem Referate: jüdische Zeitfragen. In lebendiger Schilderung streifte der Redner all die Fragen, die in dieser schicksalsschweren Zeit das jüdische Volk bewegen. Längere Betrachtungen knüpfte der Redner an folgende Dinge: Das Technikum in Haifa, unsere Gegner und der Burgfriede, neue Bestrebungen jüdisch-politischer Parteien und der jüdische Kongreß. Alle diese Fragen wurden eingehend nach allen Seiten hin beleuchtet. Der Redner erntete den Beifall aller Zuhörer. Die Diskussion knüpfte besonders an die Frage an: Neue politische Bestrebungen jüdischer Kreise. Es kristallisierte sich aus dieser Debatte die Anschauung, „in jüdischen Dingen jüdisch und in deutschen Dingen deutsch" zu handeln, zum Wohle des jüdischen Volkes und des deutschen Vaterlandes. — Auch diese Versammlung zeigte, daß trotz des Krieges das jüd. Interesse nicht erlahmt ist. L. literarisches Echo Wilhelm Bacher: Tradition und Tradenten in den Schulen Palästinas und Babyloniens. Studien und Materialien zur Entstehungsgeschichte des Talmuds. 8°. 621 S. Leipzig 1914, Buchhandlung Gust. Fock, G. m. b. H. Ein posthumes Werk von Bacher! Ein Werk von 700 Seiten Großoktav, an dem er eine lange Reihe von Jahren gearbeitet hat, ohne daß es ihm vergönnt war, es in seiner Vollendung erscheinen zu sehen. Das ist das Los des unermüdlich Schaffenden, dem erst der Tod die Feder entreißt. Die Lebensarbeit Bachers galt dem rabbinischen Schrifttum auf den Gebieteji der Bibelexegese, der Halacha und Hagada. Seine diesbezüglichen Werke sind als wissenschaftliche Leistungen ersten Ranges allgemein anerkannt. Das jetzt vorliegende letzte Werk reiht sich seinen Vorgängern würdig an. Alle Vorzüge, die seinen früheren Arbeiten mit Recht nachgerühmt werden, finden sich auch hier vereinigt: gewissenhafte Gründlichkeit, strenge Objektivität, kritischer Takt, vorsichtiges Abwägen und vor allem: eine staunenswerte Belesenheit auf den dazu gehörigen Literaturgebieten. Der Talmud in weiterem Sinne — die Mischna mit der jerusalemischen und babylonischen Gemara _ enthält die Tradition von der ältesten Zeit, die in mündlicher Ueberlieferung viele Jahrhunderte lang in den Schulen gelehrt und kommentiert wurden. Im Laufe dieser langen Zeit hat der Stoff vielfache Erweiterungen erfahren. Jede Generation, jede Schule hat an seiner Bereicherung und Vertiefung gearbeitet, bis er dann am Ende des fünften oder am Anfang des sechsten Jahrhunderts in der babylonischen Gemara zum vorläufigen Abschluß gelangte und schriftlich niedergelegt wurde. Die Studienergebnisse der verschiedenen Epochen liegen da in einzelnen Schichten neben- und übereinander und wurden äußerlich zu einem Ganzen verschmolzen. Es gehört ein eindringendes Studium dazu, um diese Schichten als solche zu erkennen und voneinander zu sondern. Dazu bedarf es einer genauen Feststellung der jeweiligen Lehrer und Träger der Traditionen, der Tradenten, wie sie Bacher nennt. Nur auf Grund dieser Vorarbeit kann einst eine Entstehungsgeschichte des Talmuds geschrieben werden. Diese Vorarbeit hat Bacher in seinem posthumen Werke geleistet, und wie diese Leistung zu bewerten ist, haben wir bereits gesagt. Seite 30, Anmerkung 4, soll das Zitat „j. Schebiith 33b" — statt 36c — lauten. Daselbst im Texte wäre zu unterscheiden gewesen, zwischen der „Setzung der Bachweide" im Heiligtum während der sieben Tage des Laubhüttenfestes und zwischen der noch heute üblichen Zeremonie am 7. Tage dieses Festes. Vgl. Sukka 44a und Maimonides Hilchoth Lulab VII, 20 und 22. Das Werk war ursprünglich auf mehrere Bände berechnet, wie aus dem Vorwort zum Register zu entnehmen ist. Eigne Vorahnung mahnte den Verfasser, sich ' auf die gedrängteste Darstellungsweise, gleichsam auf Winke und Stellenangaben zu beschränken. Wenn nun das Werk dennoch zu solchem Umfange gediehen ist, so gewinnt man eine Vorstellung von der Fülle des gebotenen Stoffes. Für die Herausgabe dieses Werkes gebührt der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" der Dank der Gelehrtenwelt. -e- Anzeigen-Echo München. Verein Bne Jehuda. Samstag, 8. Mai 1915, im Edenhotel (früher Russischer Hof), Ottostraße 4, Ecke Karlstr., abends 9 Uhr pünktlich: Perez-Gedächtnis-Feier. Programm: 1. Vortrag des Herrn cand. ing. L. Abramson über Perez und sein Schaffen (I. Allgemeine Charakteristik, II. Entwicklungstendenzen, III. Der jüdische Volksdichter, IV. Der Meister der jüdischen Sprache.) 2. Herr Schriftsteller Josef Löwy: Rezitation Perezscher Dichtungen (I. Drei Mattones, II. Bonze schweigt, III. Musser). Plätze zu M. 1.— (reserviert) und Mark 0,50 an der Abendkasse. Gäste herzlich willkommen. Im Panorama International werden nächste Woche Warschau, Kiew und Nischni Nowgorod vorgeführt, worunter sich auch einige interessante Aufnahmen jüdischer Viertel befinden. Druck und Verlag: B. Heller Buchdruckerei, München, Herzog Maxstr. 4. — Verantwortlich für die Redaktion- Norbert Weldler, München-Solln, Erikastr. 6. für den Anzeigenteil: i. V.: N. Weldler, München Solln.